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Waldarbeiter auf Zeit für den Klimaschutz

Der von Menschen verursachte Klimawandel schreitet schnell voran. Er trifft nicht nur das Packeis in der Arktis oder die Korallenriffe vor Australien. Die Auswirkungen sind auch in den Wäldern zwischen Harz und Schwarzwald, Westerwald und Allgäu zu sehen. Für die 64-jährige Jutta aus Münster ist es daher selbstverständlich, in ihrem Urlaub nicht nur auf der faulen Haut zu liegen, sondern dem Wald in Rothenfels im nordbayrischen Spessart aktiv zu helfen.

Alternative zum Strandurlaub

Die Sport- und Französischlehrerin ist eine von etwa 600 Freiwilligen in Deutschland, die sich jedes Jahr für den Verein Bergwaldprojekt ehrenamtlich als Waldarbeiter auf Zeit betätigen. «Strandurlaub liegt mir nicht. Hier kann ich die Funktionsweise des Waldes kennenlernen und mit meinen Händen etwas gegen das Waldsterben tun», begründet der gelernte Tischler Jürgen Krötz (49) aus Dresden seinen Einsatz in einem der waldreichsten Mittelgebirge Deutschlands. Im Spessart, der vor allem durch alte Buchen- und Eichenwälder geprägt ist, pflanzen die Freiwilligen Bäume, bauen alte Zäune ab oder pflegen den Wald.

Zwischen Amrum und der Schweiz

Der Verein Bergwaldprojekt [1] – eine der gemessen an der Arbeitsleistung international größten Waldschutzorganisationen – wurde auf Initiative eines Greenpeace-Mitglieds und eines Schweizer Försters gegründet. Seit 20 Jahren organisiert der Verein Freiwilligeneinsätze zum Erhalt der Waldökosysteme, von der Nordsee-Insel Amrum bis Oberammergau in Bayern. Rund eine Million Bäume wurden seit den 90er Jahren in Deutschland und der Schweiz gepflanzt. «Deutschland hat über 30 % Waldanteil», erzählt Vereins- Geschäftsführer Stephen Wehner am Donnerstag beim Besuch seiner 18- köpfigen Einsatztruppe im Wald beim bayerischen Rothenfels. Die Ehrenamtlichen versuchen hier auf etwa zwei Hektar, ihren Beitrag zum Naturschutz zu leisten.

Dem Wald geht es immer schlechter

Dem Wald geht es seit Jahrzehnten immer schlechter. Als Hauptursachen für die Schäden gelten Luftverschmutzung und Schadstoffe in der Landwirtschaft, aber auch der Klimawandel. Am stärksten betroffen sind inzwischen Buchen. Zwei von drei Bäumen haben laut Waldschadensbericht 2006 mittelschwere bis schwere Schäden. Aber auch anderen Baumarten setzen die Klimaveränderungen zu. «Temperaturanstieg und immer weniger Niederschläge sind das Aus für die Fichte», sagt Wehner. Deshalb pflanzen die Waldtrupps verstärkt robustere Eichen und Bergahorn.

Arbeitslose und Ärzte

Vor zehn Jahren packten noch überwiegend Studenten und Arbeitslose mit an. Heute kommen die Ehrenamtlichen aus nahezu allen Branchen: Banker, Ingenieure, aber auch Ärzte wollen Verantwortung für die Umwelt übernehmen. «Ich wollte in meiner Freizeit einfach mal etwas draußen machen», begründet Veranstaltungstechniker Jörg Wehner aus Lehrte bei Hannover seine Entscheidung, eine Woche lang im Spessart Reisig wegzuräumen, Fichten zu entrinden oder Setzlinge zu pflanzen.

16.000 Freiwillige aus deutschem Sprachraum

Seit dem Start des Bergwaldprojekts beteiligten sich nach Angaben von Geschäftsführer Wehner mehr als 16.000 Freiwillige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an den schweißtreibenden Arbeiten. Unter Anleitung fachkundiger Förster kann jeder zwischen 18 und 80 Jahren eine besondere Form des Abenteuerurlaubs erleben. Der Verein kommt dabei für Unterkunft, Verpflegung und Versicherung auf. Dass der Klimawandel verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, macht Wehner Mut. «Wir haben einen enormen Zulauf an Freiwilligen.» So könnten im nächsten Jahr schon 40 Projekte angepackt werden. In diesem Jahr waren es 29. Vor allem im Thüringer Wald bei Sonneberg sei wegen des hohen Fichtenanteils einiges zu tun.

red/dpa