Leitartikel

Auf unsere Anfrage vom 26.03.2015 haben wir schon heute eine Antwort des Presserats erhalten. Vielen Dank dafür!

Guten Tag, Herr Klemke,

ich bitte um Verständnis dafür, dass ich mich einigermaßen kurz fasse. Sie können sich vorstellen, dass wir angesichts der aktuellen Lage alle Hände voll zu tun haben.
Mit dem „zur Ordnung rufen“ ist das so eine Sache. Der Deutsche Presserat ist keine Behörde oder staatliche Einrichtung mit einer Weisungsbefugnis. Wir sind ein Gremium der Freiwilligen Selbstkontrolle der Presse (also auch nicht für Fernsehen und Radio), das ethische Grundsätze definiert und mögliche Verstöße dagegen prüft. Wir können Medien nicht vorab verbieten, etwas zu tun oder nicht zu tun. Das wollen wir auch nicht, denn das wäre ein Eingriff in die Pressefreiheit. Was wir tun können ist, die Journalistinnen und Journalisten an unsere ethischen Grundsätze zu erinnern.
Was können wir also als Presserat gegen das tun, was da derzeit passiert?
Zunächst einmal haben wir bereits am Mittwoch die Medien öffentlich dazu aufgefordert, den Opferschutz und damit auch die Privatsphäre von Angehörigen zu achten.
Viele Medien haben das beherzigt, andere offenbar nicht – oder sie missverstehen die Bedeutung des Opferschutzes.
Was wir noch tun können ist jede Beschwerde, die bei uns zu diesem Thema eingeht, gewissenhaft zu bearbeiten und Verstöße gegen den Pressekodex zu missbilligen oder zu rügen.
Sehr wichtig finde ich es, dass es bald eine sachliche und ernsthafte Debatte über die Grenzüberschreitungen gibt, die es im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Absturz gibt. An dieser Debatte werden wir uns mit Sicherheit aktiv beteiligen.
Was mich zuversichtlich stimmt, dass eine solche Debatte zu einem Ergebnis führen kann, ist, dass die Leserinnen und Leser, Zuschauerinnen und Zuschauer in weiten Teilen nicht einverstanden sind mit den derzeitigen Grenzüberschreitungen und dies auch äußern. So ausgeprägt habe ich das persönlich bei noch keiner anderen derartigen Katastrophe erlebt.
Mit freundlichen Grüßen,

Oliver Schlappat
Referent

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Zum Jahreswechsel möchten wir – wieder einmal – die Worte eines Dorfpfarrer in Mecklenburg, die er in seiner Neujahrspredigt am 1. Januar 1864 äußerte, in Erinnerung rufen. Uns scheint es so, als habe dieser Pfarrer damals Worte von ewiger Gültigkeit gesprochen. Lesen Sie selbst:

Das neue Jahr sei ein Jahr des Lichtes,
der Liebe und des Schaffens.
Bringe den Menschen die Krone des Lebens
und lasse die Kronen dieses Lebens menschlich sein.
Setze dem Überfluß Grenzen
und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Gib allem Glauben seine Freiheit
und mache die Freiheit zum Glauben aller.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Ehemänner dagegen an ihr erstes.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen
aber auch das Geld keine falschen Leute.
Gib den Regierungen ein besseres Deutsch
und den Deutschen bessere Regierungen.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.
Gib den Gutgesinnten
eine gute Gesinnung;
lasse die Wissenschaft
Wissen schaffen.
Lasse uns nicht vergessen,
daß wir alle von Gottes Gnaden sind
und daß alle allerhöchsten Menschen Demokraten waren.
Gib unserem Verstand Herz
und unserem Herzen Verstand,
auf daß unsere Seele schon hier selig wird.
Sorge dafür, daß wir alle in den Himmel
kommen – aber noch lange nicht!

Kann man es treffender sagen?

Wir wünschen Ihnen ein gutes, gesundes neues Jahr!

Die Redaktion der Bürgerlobby

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