0 Mehr Rendite durch Moral?

Quelle: photocase Foto: Frekja

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Sind ethische Unternehmen an der Börse erfolgreicher als andere? Oder gilt das genaue Gegenteil? Unzählige Studien haben den Zusammenhang zu erfassen versucht. Trotzdem bleibt das Verhältnis von Moral und Rendite komplex.

Lange Zeit galten nachhaltige Geldanlagen als Nischenprodukt für Ökofreaks und Weltverbesserer, die für ihre moralischen Prinzipien gerne auf einen Teil der Rendite verzichteten. Dahinter verbarg sich die Vorstellung, dass Ethik und Erfolg in der Geschäftswelt nicht zusammenpassen. Schon der Soziologe Niklas Luhmann hatte behauptet: „Es gibt Wirtschaft, es gibt Ethik, aber es gibt keine Wirtschaftsethik.“ Und für viele Wirtschaftsführer bedeutete das: Wer seine Abwässer aufwendig entsorgen lässt, anstatt sie einfach in den Fluss zu leiten, zahlt am Ende eben drauf.

Erste Zweifel an diesem schlichten Zusammenhang weckte spätestens 1995 die Affäre um die geplante Versenkung der „Brent Spar“. Shell wollte den schwimmenden Öltank190 Kilometer nordöstlich der Shetlandinseln einfach im Atlantik versenken. Nach einer Besetzung durch die Umweltorganisation Greenpeace, die auf eine ökologische Entsorgung an Land bestand, kam es allerdings zu massiven öffentlichen Protesten, die das Image von Shell ramponierten und auch ökonomische Auswirkungen hatten. In Deutschland etwa sank der Umsatz der Shell-Tankstellen um bis zu 50 %. Shell beschloss daraufhin, die Plattform entgegen des ursprünglichen Plans an Land zu entsorgen. Außerdem sah man sich gezwungen, durch eine Gegen-Kampagne unter dem Motto „Wir werden uns ändern“ zumindest einen Teil des verlorenen Vertrauens zurück zu gewinnen.

Nichtbeachtung von Moralvorstellungen erhebliches ökonomisches Risiko

Auch wenn sich hinterher herausstellte, dass Greenpeace die Gefahren, die von einer Versenkung der „Brent Spar“ für die Umwelt ausgingen, offensichtlich überschätzt hatte, zeigte die Affäre doch, welche Gefahren für einen Konzern von einem öffentlich nicht akzeptierten Verhalten ausgehen können. Auch der Sportartikelhersteller Nike stand in den neunziger Jahren immer wieder am öffentlichen Pranger. Die Vorwürfe gegen den Konzern bzw. seine Zulieferer reichten dabei von illegalen Massenentlassungen und erzwungenen Überstunden bis hin zu sadistischen Bestrafungen und der Beschäftigung von Kindern. Auch bei Nike führte die öffentliche Empörung zu Umsatzrückgängen – und schließlich zu einem Umdenken innerhalb des Konzerns.

Die Beispiele Shell und Nike zeigen, dass die Nichtbeachtung gesellschaftlicher Moralvorstellungen ein erhebliches ökonomisches Risiko bedeutet. Und auch andere Gründe sprechen dafür, dass Moral und Rendite sich durchaus ergänzen können. So nutzen nachhaltig wirtschaftende Unternehmen zum Beispiel Ressourcen effizienter und sparen deshalb langfristig Kosten. Sie sind zudem auf Verschärfungen des Umwelt- und Sozialrechts besser eingestellt. Und auch bei hoch qualifizierten potenziellen Mitarbeitern haben Unternehmen mit einer sauberen Weste in der Regel bessere Chancen.

Nachhaltigkeit als grüne Fassade oder Geschäftsprinzip?

Allerdings kommt es auch darauf an, wie strategisch ein Unternehmen den Bereich Nachhaltigkeit angeht. Wer in seinem Kerngeschäft weiter macht wie bisher und unter Verantwortung versteht, dass er ein paar lokale Umweltorganisationen mit Spenden unterstützt, wird dadurch kaum eine höhere Rendite erzielen. Wer Nachhaltigkeit aber zum Geschäftsprinzip macht und dies glaubwürdig praktiziert, entdeckt so nicht selten neue Zielgruppen und Geschäftsfelder.

Als Beleg dafür, dass nachhaltige Anlagen sich lohnen können, wird immer wieder der Natur-Aktien-Index NAI des Finanzdienstleisters Securvita angeführt. Nach äußerst strengen Kriterien werden hier insgesamt 30 Öko-Vorreiter ausgewählt. Sie dürfen nicht nur weder im Waffen-, Atom- oder Gentechnikgeschäft tätig sein, sie müssen darüber hinaus auch noch Branchenvorbild in sozialen und ökologischen Belangen sein. Wie die Stiftung Warentest ermittelte, gewann der NAI von 1997 bis 2007 im Durchschnitt jedes Jahr mehr als 15 % an Wert. Die weltweiten Aktienmärkte, gemessen am Index MSCI World, schafften lediglich knapp sieben Prozent.

Rendite von nachhaltigen Anlagen bleibt Glaubensfrage

Eine eindeutige wissenschaftliche Antwort auf die Frage, ob nachhaltige Geldanlagen nun mehr oder wenige Rendite einbringen, existiert bislang allerdings nicht. Dazu sind die Ergebnisse der verschiedenen Studien zu unterschiedlich und hängen erheblich von den untersuchten Fonds und der zugrunde gelegten Nachhaltigkeitsdefinition ab. Besonders euphorische Studien sind ebenso mit Vorsicht zu genießen wie allzu skeptische. Denn nicht selten spielen auch die Interessen des Auftraggebers mit in die Ergebnisse hinein.

Vielleicht ist es auch einfach so wie der Volkswirt Michael Schröder vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim glaubt: „Unsere Studien haben ergeben, dass sich die meisten ethisch-ökologischen Anlagen in puncto Rendite nicht stark von den herkömmlichen unterscheiden.“ Eine gute Nachricht wäre das ja auch schon. Denn das reine Gewissen gibt es schließlich quasi gratis obendrauf.

red/fr

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