0 Mit gutem Gewissen Geld verdienen

Nachhaltige Geldanlagen ermöglichen es, das eigene Vermögen nicht nur gewinnbringend, sondern auch verantwortungsvoll anzulegen. In den letzten Jahren haben sie einen beeindruckenden Boom erlebt – und viele Unternehmen zum Umdenken bewegt.

Nachhaltiges Investment? Vor ein paar Jahren hätte dieses Wortpaar bei den meisten Managern wohl allenfalls Gelächter hervorgerufen. Geradezu weltfremd und naiv erschien ihnen die Vorstellung, dass sich in der harten Welt der Finanzwirtschaft irgendwer ernsthaft um ökologisches Bewusstsein oder soziales Engagement kümmern würde. Doch die Zeiten haben sich geändert. „Kein Unternehmen kann es sich mehr leisten, Nachhaltigkeit zu vernachlässigen“, meint etwa Ralf Frank, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Denn immer mehr Investoren orientieren sich bei ihren Anlageentscheidungen auch an sozialen und ökologischen Kriterien – und setzen die Unternehmen und ihre Manager damit unter Druck.

Die Idee, sein Geld in einer verantwortlichen Art und Weise anzulegen, ist alles andere als neu. Schon die Quäker steckten ihr Geld aus moralischen Gründen nicht in Unternehmen, die mit Waffen, Glücksspiel oder Alkohol zu tun hatten. Später – in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – waren es neben kirchlichen Einrichtungen vor allem Friedens- und Umweltaktivisten, die ihr Vermögen moralisch unbedenklich in Aktien investieren wollten. Sie wurden damit zum Vorreiter eines Marktes, für den sich in den USA der Begriff des Socially Responsible Investment (SRI) herausgebildet hat. Allerdings führten ethische, soziale oder ökologische Geldanlagen lange ein Nischendasein. Für Unternehmen spielten sie daher kaum eine Rolle.

Aus der Nische heraus ins öffentliche Bewusstsein

Erst Ende der neunziger Jahre begannen sich mehr und mehr Investoren für umwelt- und sozialverträgliche Anlagemöglichkeiten zu interessieren. Zum einen rückte damals die Debatte um die Mitverantwortung von Unternehmen in einer globalisierten Welt stärker in das öffentliche Bewusstsein. Zum anderen hatte sich herumgesprochen, dass auch ethische Finanzprodukte eine ordentliche Rendite abwerfen können. In der Folge wurde eine ganze Reihe von neuen Fonds gegründet, die ihre Investmententscheidungen nicht nur auf Grundlage klassischer ökonomischer Kennziffern, sondern auch nach sozialen und ökologischen Kriterien treffen. Ihr Marktvolumen wächst seitdem steil an – und lag 2006 in Europa nach Schätzungen des Sustainable Business Institute bereits bei mehr als einer Billion Euro.

Damit ist das nachhaltige Investment für Unternehmen zu einer ernstzunehmenden Größe geworden. Denn wer die Ansprüche der nachhaltigen Fonds nicht erfüllt, dem drohen nicht nur Imageschäden, sondern auch handfeste Nachteile am Kapitalmarkt. Doch was genau beurteilen die Fonds eigentlich? Schon der Namen-Wirrwarr aus ethischen, nachhaltigen, ökologischen und sozialen Geldanlagen lässt vermuten, dass keineswegs Einigkeit über die zugrunde zu legenden Kriterien herrscht. Und selbst hinter ähnlichen Namen können sich ganz unterschiedliche Konzepte verbergen. Wer also wissen will, nach welchen Kriterien sich ein Fond tatsächlich zusammensetzt, muss genau hinschauen.

Ökologisch, nachhaltig oder ethisch?

Während sich reine Ökofonds auf Umweltkriterien beschränken, geht es nachhaltigen Fonds um den Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem. Auch Ethik-Fonds berücksichtigen meist ein breites Spektrum an Kriterien. Letztlich aber geben die Label „ökologisch“, „nachhaltig“ oder „ethisch“ nur sehr begrenzt Auskunft darüber, welche Unternehmen in den Fonds aufgenommen werden. Denn auch der Auswahlmechanismus spielt eine entscheidende Rolle. Die älteste und bekannteste Entscheidungshilfe sind die Ausschlusskriterien. Das bedeutet, dass ein Fonds grundsätzlich nicht in Unternehmen investiert, die zum Beispiel Rüstungsgüter herstellen oder dafür bekannt sind, ihre Mitarbeiter schlecht zu behandeln. Das Gegenstück dazu bilden die Positivkriterien. Nach diesem Prinzip werden Unternehmen aufgenommen, die sich sozial oder ökologisch besonders fortschrittlich verhalten.

Und schließlich gibt es den so genannten „Best-in-Class-Ansatz“. Nach ihm werden aus jeder Branche die Vorreiter ausgewählt. Auch ein Automobilhersteller könnte nach diesem Ansatz in einen Öko-Fonds aufgenommen werden – solange er sich nur umweltfreundlicher verhält als seine Konkurrenten. Die Idee dahinter ist, eine Art ethischen Wettbewerb innerhalb der Branche loszutreten. Viele Experten halten diesen Ansatz für den wirkungsvollsten, da er für die Unternehmen einen starken Anreiz zum Wandel setzt.

Nachhaltige Geldanlagen treffen Unternehmen an einem empfindlichen Punkt

Schon heute lässt sich der Wandel in den Unternehmen erkennen. Jeder größere Konzern berichtet mittlerweile ausführlich über sein Umwelt- und Sozialengagement. Und auch in den Vorständen hat sich herumgesprochen, dass die Gesellschaft von Unternehmen erwartet, Verantwortung deutlich über die rein ökonomische Dimension hinaus zu übernehmen. Selbstverständlich ist das nicht alleine der Verdienst nachhaltiger Geldanlagen. Auch kritische Konsumenten und Arbeitnehmer, die bei einem anständigen Unternehmen beschäftigt sein wollen, haben ihren Anteil daran. Doch nachhaltige Geldanlagen treffen Unternehmen in ihrer ökonomischen Logik an einem besonders empfindlichen Punkt. Denn während Imageeffekte bei Kunden und Mitarbeitern schwer zu beziffern sind, spüren Firmen Veränderungen am Kapitalmarkt sofort. Etwas zugespitzt könnte man sagen: Wer Unternehmen den Geldhahn abdreht, zwingt sie zum Umdenken.

red/fr

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