0 Soziales Engagement statt Pradatasche

Foto: Bundesverband Deutscher Stiftungen

Frauen geben ihr Geld am liebsten für Schuhe und Handtaschen aus, lautet ein verbreitetes Vorurteil. Doch zahlreiche Gegenbeispiele strafen dieses Klischee Lügen. So nimmt nicht nur die Zahl der von Frauen gegründeten Stiftungen zu. Die Stiftungsziele zeigen auch, dass sich Frauen im Umgang mit Geld ihrer sozialen und ethischen Verantwortung bewusster sind als Männer.


HELFEN, WO ES NOT TUT

Laut Bundesverband Deutscher Stiftungen verfolgen 39 % der in Deutschland von Frauen gegründeten Stiftungen soziale Zwecke. Bei den von Männern initiierten Stiftungen sind es 32 %. Weltweit kommen Dutzende Stiftungen in Frauenhand hinzu, wie die niederländische Stiftung Mama Cash um die Millionen-Erbin Marjan Sax. Statt in Paris Hilton-Manier mit Pradatäschchen zu wedeln oder den Königspudel mit diamantenem Halsband zu zieren, setzen diese Frauen dort an, wo es Not tut, in der Nachbarschaft oder im weltweiten Maßstab.

POSITIVER BEITRAG FÜR DIE GESELLSCHAFT

Lokal engagiert sich die Berliner Frauenstiftung Divida. Im Jahr 2007 von Karin Beutelschmidt und Karin Kaltenberg gegründet, setzt Divida auf die Förderung von Frauen und Mädchen. Die Idee stößt sowohl bei wohlhabenden als auch bei Frauen mit schmalem Finanzbudget auf große Resonanz. Trotz der Unterschiede haben die Stifterinnen einen gemeinsamen Nenner: Sie sind politisch und sozial engagiert, feministisch orientiert und wollen mit ihrem Geld einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten.

SOLIDARITÄT ÖFFNET UND ERWEITERT

Das erste von Divida geförderte Projekt ist ein Literaturwettbewerb für benachteiligte Mädchen an Berliner Hauptschulen. Für die Zukunft ist ein Wohnprojekt für Frauen angedacht. „Divida bringt Bewegung in den Kreislauf zwischen jungen und älteren, zwischen bildungsschwachen und besser qualifizierten, zwischen finanzschwachen und wohlhabenderen Frauen“, ist sich Karin Beutelschmidt sicher. Ihr persönlicher Beweggrund Geld abzugeben: „Solidarität öffnet und erweitert“.

www.beginenstiftung-tuebingen.de

www.brigitte-berkenhoff-stiftung.org

www.cnv-stiftung.de

www.divida-stiftung.de

www.stiftung-frauenforschung.de

www.bosch-stiftung.de/fasttrack

www.filia-frauenstiftung.de

www.gerda-weiler-stiftung.de

www.frauenfoerderung.net

www.karin-burmeister-stiftung.de

www.maecenia-frankfurt.de

www.mtu-studien-stiftung.org

www.uni-kassel.de/frau-bib

www.beginenwerk.de

www.kaete-ahlmann-stiftung.de

www.stiftung-zurueckgeben.de

www.frauenstiftungen.de

UNTERSTÜTZUNG WELTWEIT

Weltweit agiert die Hamburger Frauenstiftung Filia. Seit 2001 unterstützt sie Frauen und Mädchen in Asien, Südamerika, Zentral- und Osteuropa wie auch in Deutschland. Allein 2007 konnten rund 220.000 Euro vergeben werden, darunter an das Frauennetzwerk Veliko Srce („Großes Herz“) im bosnischen Gradacac. Die Frauen aus unterschiedlichen Ethnien und Religionen unterstützen sich und ihre Kommunen in der von Armut, Perspektivlosigkeit, Gewalt und Korruption geprägten Nachkriegssituation.

Frauen ist Gebrauchswert wichtig

Eine Erklärung für den vorrangig sozialen Charakter von Frauen-Stiftungen gibt Birgitta Wrede vom Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung (IFF) an der Universität Bielefeld: „Für die meisten Frauen scheint Geld kein Symbol für Macht und gesellschaftliche Anerkennung zu sein, jedenfalls nicht in Bezug auf ihre eigene Person. Für Frauen überwiegt der Gebrauchswert, für Männer der Tauschwert des Geldes.“

SYMBOLWERT EINES TRETROLLERS

Hedda Hofmann-Steudner, Justitiarin im Bundesverband Deutscher Stiftungen, ergänzt: „Frauen geht es weitaus weniger darum, sich selbst ein Denkmal zu schaffen, einen Prestigegewinn zu erzielen, als darum, die Erfahrung zu machen, mit ihrer Arbeit und ihrem Einsatz etwas positiv verändern zu können.“ Unter solch pragmatischen Gesichtspunkten betrachtet auch die Millionenerbin und Filia-Mitbegründerin Ise Bosch Geld: „Es ist ein Hilfsmittel, Arbeitsmaterial. Sehr praktisch, aber mit keinem größeren Symbolwert als ein Tretroller.“

ZAHL DER FRAUENSTIFTUNGEN STEIGT

Die Zahl der von Frauen initiierten Stiftungen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Lag ihr Anteil bis 1990 noch bei 18,6 %, erhöhte sich dieser seither durch Neugründungen auf 27 %. Dieser Trend könnte anhalten, denn im Zeitraum 2000 bis 2010 wurden und werden nach Angaben des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) rund zwei Billionen Euro vererbt, davon etwa 50 % an Frauen.

Weltweites Netz

Vernetzung von unabhängigen Frauenstiftungen erfolgt über das International Network of Women’s Funds. In Amerika existiert darüber hinaus seit 1985 das Women’s Funding Network, das über 90 Frauenstiftungen und philanthropische Organisationen verbindet.

MANKO FINANZWISSEN

Allerdings mangelt es vielen Frauen am notwendigen Finanz-Know-how. „Frauen verhalten sich in Geldangelegenheiten eher passiv und fühlen sich bei Geldanlagen häufig wenig kompetent“, sagt die Bielefelder Wissenschaftlerin Wrede. Ein Grund dafür sei, dass Frauen suggeriert wird, Geld sei Männersache. Ise Bosch ist dieser Tipp nicht unbekannt. „Oft bekommen Erbinnen von der Familie zu hören: Lass das mal deinen Bruder machen. Doch Frauen haben ein größeres Bedürfnis, sich mit ihrem Geld sozial zu engagieren. Da ist der Ratschlag des Bruders, der Bank oder des Finanzberaters nicht immer der Beste.“

VERANTWORTUNG selbst tragen

Expertinnen wie der Zusammenschluss der FinanzFachFrauen offerieren inzwischen auf diese Bedürfnisse ausgerichtete Konzepte. An Frauen, die mindestens 500.000 Euro geerbt haben, richtet sich das ebenfalls von Ise Bosch mitgegründete Erbinnen-Netzwerk Pecunia. „Wir wollen Frauen Kenntnisse vermitteln, damit sie die Verantwortung für ihr Vermögen übernehmen können. Für sich, indem sie finanztechnisches Wissen erwerben; und als Stifterin vielleicht auch für andere“, so Ise Bosch. „Denn es ist ein höchst befriedigendes Gefühl, Geld in wirksamer Weise einzusetzen“, weiß sie aus eigener Erfahrung.

ZUSAMMENSCHLIESSEN STATT WARTEN

Einen Stiftungsboom bei Frauen erwartet der Bundesverband Deutscher Stiftungen allerdings erst, wenn Frauen ihren angemessenen Anteil an hoch dotierten Beschäftigungen gefunden und anschließend das bislang noch typische Stiftungsalter von über 60 Jahren erreicht haben. Doch Frauen müssen nicht erst darauf warten, bis dieses Ungleichgewicht beseitigt ist. „Wir haben zwar de facto weniger Geld als Männer. Doch wenn wir uns zusammenschließen, können wir viel erreichen“, sagt Karin Beutelschmidt.

/bks

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