0 Atomausstieg JA!
Warum trotzdem über die Nutzung von Atomkraft diskutiert werden muss!

Quelle: photocase; Foto: messala

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Wikipedia listet die Störfälle in deutschen AKWs auf.  Wir zitieren aus Wikipedia: „Die Liste behandelt meldepflichtige Betriebsereignisse in deutschen kerntechnischen Anlagen. Es sind Ereignisse eingeordnet, die unter INES ? 3 fallen und dabei zu den meldepflichtigen Betriebsereignissen oder Störfällen in Deutschland gehören. Die Einträge sollen vor allem Betriebsstörungen aufzeigen, bei denen eine Gefährdung der Reaktorsicherheit direkt oder indirekt bestand. Da diese Entscheidung oftmals schwierig ist, wurden die Einträge auch nach ihrem Echo in Presse bewertet. Einträge wie Brennelementwechsel, Revision, Arbeitsunfälle etc. sind hier nicht zu finden. Vorkommnisse ab der INES-Kategorie 4 (Unfall) sind weltweit in der Liste der Unfälle in kerntechnischen Anlagen aufgeführt.“

Wer die vorgenannten Wikipedia-Listen nach den Ursachen für den jeweiligen Störfall durchforstet, wird feststellen, dass in der Mehrzahl der Fälle (sowohl bei den Vorfällen in Deutschland, wie auch bei denen in anderen Ländern) menschliches Fehlverhalten den Auslöser bildete. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir in Deutschland weder eine Erdbebengefährdung noch eine Tsunami-Katastrophe benötigen, um mit einem Kernkraftwerk in eine unbeherrschbare Situation zu kommen, menschliches Versagen reicht völlig aus.

Wir haben in Deutschland einen gesellschaftlichen Diskussionsstand erreicht, in dem das Land (fast) nur noch Atomkraftgegner kennt und – ein typisch deutsches Phänomen – eine neutrale, ideologiefreie Diskussion über die möglichen Vorteile der Atomkraft und das Endlagerproblem nicht mehr möglich ist. Um zu bestmöglichen Entscheidungen zu gelangen, müsste jedoch genau dies möglich sein. Sind denn alle Finnen blöd, weil sie sich – trotz Fukushima – im „Pro-Kraftwerk-Streit“ immer noch darum streiten, welche Gemeinde oder Stadt zum nächsten AKW-Standort werden darf? Wie können die das machen, wenn doch bei uns alle wissen, dass Atomkraft der falsche Energieweg ist.

Der Verfasser dieses Artikels steht der Kernkraft (so wie heute mit ihr umgegangen wird) negativ gegenüber, wäre aber dennoch daran interessiert zu erfahren, welche Ergebnisse eine Diskussion unabhängiger Wissenschaftler hätte, wenn deren Aufgabe lauten würde:

– Was ist ein sicherer AKW-Standort und wo kann man solche Standorte finden?
– Wie muss ein AKW gebaut sein, dass die (nach heutigem Stand von Wissenschaft und Technik) höchstmöglichen Sicherheitsstandards erfüllt?
– Ist es möglich, den Unsicherheitsfaktor Mensch so weit zu „entschärfen“, dass er nicht mehr das größte Risiko im Betrieb eines AKWs darstellt?
– Wie müssen die Suchstandards zur Findung eines sicheren Endlagers (nachdem heutigen Kenntnisstand) lauten?

Während dieser Diskussion (z.B. unter Leitung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA) wäre zu klären, wie die politischen Strukturen für den zukünftigen Umgang mit der Kernenergie aussehen müssten.

Sobald eine internationale Einigung über die zu beantwortenden Fragen besteht, wäre ein international gültiges Moratorium zu verabschieden, das zur Abschaltung aller AKWs entsprechend den bisher (nur national) verabschiedeten Laufzeitregelungen und/oder Stresstestergebnissen führt. Außerdem würde der Neubau von AKW international so lange ausgesetzt, bis die neue Definition der Standort- und Sicherheitsdefinitionen vorliegen.

Die großen Energieunternehmen sind derzeit auch die Betreiber der Kernkraftwerke. Sie verfügen über das größte Praxiswissen zur Atomtechnik. Es gilt deshalb, ihr Spezialwissen für die technischen Diskussionen zu nutzen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Entscheidungen für die Zukunft ohne Mitwirkung dieser Konzerne getroffen werden.

Aus Sicht des Verfassers ist der (beschlossene?) deutsche Ausstieg aus der Kernenergie zwar ein Signal von internationaler Bedeutung, wird aber keineswegs zur Folge haben, dass andernorts keine neuen AKWs mehr gebaut werden. Und bereits heute darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass – ohne international bindende Vorschriften – deren Sicherheitsstandards weder den höchst möglichen Grad erreichen, noch dass die Standards überall gleich sein werden.

Die Voraussetzungen für internationale Regelungen waren – mit Ausnahme der Zeit nach dem Tschernobyl-Unfall – noch nie so gut wie jetzt, nach der Katastrophe von Fukushima. Die Weltgemeinschaft wäre gut beraten, diese Zeit nicht – wieder  einmal – mit unproduktiven und ergebnislosen Diskussionen zu verplempern, um dann bei der nächsten Katastrophe erneut entsetzt über die Gefahren der Kernkraft zu lamentieren.

Für Deutschland kann der konsequente (und international vermutlich alleinige) Ausstieg aus der Atomenergie bedeuten, dass man in wenigen Jahren die internationale Marktführerschaft im Bereich alternativer und erneuerbarer Energien erreicht haben kann. Und das wiederum kann bedeuten: Erhalt des derzeitigen Wirtschaftsniveaus, im besten Fall sogar Wirtschaftswachstum durch Erschließung neuer Industriebereiche.

Ein nicht unbedeutender Nebeneffekt dieser Entwicklung wäre die Möglichkeit zur erfolgreichen Zerschlagung des Energieoligopols der fünf Großen zu Gunsten einer neuen Marktstruktur mit echtem Wettbewerb und echtem Nutzen für die Verbraucher.

Deutschland würde nicht dunkel und der Strom käme trotzdem auch in Zukunft aus der Steckdose!

Links zum Thema:

Atommüll-Endlager Info BUND südlicher Oberrhein

Internationale Atomenergiebehörde IAEA

Presseinfo über finnische Abstimmung pro Kernenergie (Diese Information stammt vom Deutschen Atomforum e.V. einem Fürsprecher der Atomenergie. Unabhängig davon stimmt aber der Hinweis auf das finnische Ergebnis aus 2010.)

Mit Atomkraft in die Zukunft Deutschlandfunk

Warum die Finnen eisern an der Atomkraft festhalten Welt online

Fukushima – war das was? taz.de

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