0 Nahrungsergänzung: Manchmal flüssig, meist überflüssig

Pillen, Pulver, Präparate – manchmal auch in flüssiger Form: Wellness-Mittelchen, Zaubermedizin gegen das Altern oder Nahrungsergänzung zur Vorbeugung gegen Krankheit werden zuhauf angepriesen. Für gesunde Menschen, die sich vernünftig ernähren, sind solche Zusatzprodukte in aller Regel überflüssig. Mehr noch: In vielen Fällen schadet es sogar, wenn man über lange Zeit Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in konzentrierter Form einnimmt.

Heilungs- und Heilsversprechen

Bei der Reklame für die einträglichen Präparate sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. „Vitalisierende Pflanzensäfte aus dem Land der 100jährigen“ oder „Wurzeln einer asiatischen Pflanze gegen Demenz“ werden da unter die Leute gebracht. Doch die Heilungs- und Heilsversprechen, die sich die Angst vor Krebs, Immunschwäche, Arthrose und allen möglichen Alterserscheinungen zu Nutze machen, sind offenbar lediglich Schall und Rauch. Die beworbenen Präparate „erleichtern das Portemonnaie, nicht aber das Älter werden“, schreiben die deutschen Verbraucherzentralen in einer Pressemitteilung.

Sachinformation im Internet

Deshalb haben die Konsumentenschützer jetzt die website www.fitimalter.de eingerichtet, in der man sich eingehend über Nahrungsergänzungsmittel informieren kann. „Das ist die erste Seite im Internet, die sich fundiert und kritisch mit Nahrungsergänzungsmitteln auseinander setzt“, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Angesichts der Unüberschaubarkeit des Marktes für solche Zusatzprodukte haben sich die Verbraucherzentralen vor allem dem Angebot für „Menschen in den besten Jahren“ gewidmet.

Schwindel auf Etiketten

Bei vielen Produkten kommt nach den Erfahrungen der Konsumentenschützer im wahrsten Sinne des Wortes Etikettenschwindel ins Spiel. „Die Verpackung enthält nicht immer das, was außen draufsteht“, konstatiert die Verbraucherzentrale Hamburg. Skepsis sei vor allem bei Werbung für Präparate ferner Herkunft und mit nicht nachprüfbaren „Expertisen“ von Ärzten aus exotischen Ländern geboten. Vorsicht ist zudem angebracht, wenn große Wirksamkeit gegen eine breite Palette so unterschiedlicher Leiden wie Arthrose, Bluthochdruck, Diabetes, Entzündungen, Krebs und Verdauungsprobleme versprochen wird. Misstrauen ist offensichtlich auch gegenüber dem Wortschwall von Vertretern für Nahrungsergänzungsmittel angesagt. Viele Anbieter verdienen sich laut Darstellung der Verbraucherzentralen mit dem Verkauf ein Zubrot, seien nach kommerziellen Gesichtspunkten geschult, hätten aber meistens keine medizinische oder ernährungswissenschaftliche Ausbildung.

Zu viel schadet

  • Die langfristige Einnahme von Vitamin A, Vitamin E und B-Carotin einzeln oder in Kombination kann die Sterblichkeit steigern.

  • Eine langfristig hohe Aufnahme von Vitamin A steigert das Risiko für osteoporotische Hüftfrakturen bei Frauen.

  • Hochdosierte Vitamin C Gaben erzielen arzneimittelähnliche Effekte im Körper und können Herzkrankheiten, Krebserkrankungen, Nieren- und Lebererkrankungen fördern.

  • Die längerfristige Einnahme von Beta-Carotin kann bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko steigern.

  • Eine langfristig zu hohe Eisenaufnahme kann das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen steigern.

  • Bei Überdosierung von Mangan können Nebenwirkungen auftreten.
    Langanhaltende erhöhte Zinkzufuhr kann Anämien und Veränderungen der Blutzellen verursachen.

Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Wechselwirkung mit Medikamenten

Häufig ziehen Nahrungsergänzungsmittel den Konsumenten mit ihrem Placebo-Effekt nicht nur das Geld aus der Tasche, sondern schaden ihnen sogar. Besonders gefährlich sind die Risiken und Nebenwirkungen für Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, an einer chronischen Krankheit leiden oder kurz vor einer Operation stehen. Doch auch völlig gesunden Zeitgenossen kann die dauerhafte Einnahme zusätzlicher Vitamine, Mineralien und Spurenelemente schaden (siehe nebenstehenden Kasten). Deshalb soll der Arzt über die Einnahme solcher konzentrierten Mittel informiert werden. Das gilt ganz besonders bei der Bestellung der Präparate im Internet, die oft keinerlei Kontrollen unterliegen.

Oft hilft schon Ernährungsberatung

Das bedeutet nicht, dass Nahrungsergänzungsmittel in bestimmten Lebenssituationen nicht hilfreich sein können. Für Senioren mit Ess-Schwierigkeiten, chronisch Kranke, die ständig Medikamente einnehmen müssen oder Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen kann die Einnahme durchaus sinnvoll sein. Sie sollten allerdings immer vom behandelnden Arzt verschrieben werden, empfehlen die Verbraucherzentralen dringend. Häufig könnten Mangelerscheinungen allein mit Hilfe einer Ernährungsberaterin und Änderung des Speisezettels behoben werden. Im Zuge der vom Bundesministerium für Verbraucherschutz geförderten Kampagne „Gesund essen – besser leben“ werden übrigens kostenlose Seminare für interessierte Senioren angeboten.

Kein Allheilmittel gegen schlechte Essgewohnheiten

Viele Produkte mussten die Verbraucherzentralen als „nicht empfehlenswert“ einstufen, weil einzelne Stoffe in zu hohen Konzentrationen darin vorkommen. Da bis zur Definition einheitlicher Werte in der Europäischen Union keine rechtsverbindlichen Mindest- oder Höchstmengen gibt, haben die Konsumentenschützer sich dabei an den Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln gerichtet. Auch das im Jahr 2003 gegründete Beratungsinstitut der Bundesregierung warnt vor der Illusion, falsche Essgewohnheiten könnten mit Pillen oder Säftchen behoben werden: „Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise kann nicht durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden.“

/ug

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