0 Mogelpackungen –
Verbrauchertäuschung mit System

Quelle: photocase Foto: chriskuddl

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Beiersdorf (Nivea), Procter & Gamble (Pampers + Pringles), Kraft (Philadelphia Frischkäse), Rewe (Alufolie) – wie bekannt die Unternehmen auch sein mögen, sie tauchen alle in der Liste der Verbrauchertäuscher auf, die z.B. die Verbraucherzentralen Hamburg und Baden-Württemberg veröffentlicht haben. Und die Unternehmensführungen scheinen allesamt nicht zu merken, wie sehr sie sich selbst schaden. Vielleicht noch nicht heute, sicher aber in Zukunft mehr und mehr.

Warum der Protest?
Mit der am 11. April 2009 in Kraft getretenen Neuregelung der europäischen Verpackungsverordnung wurde eine wichtige Orientierungshilfe für Verbraucher außer Kraft gesetzt. Ab diesem Datum dürfen z.B. Schokolade, Milch, Zucker, Mehl, Butter, Mineralwasser und Bier in beliebiger Verpackung verkauft werden.

Die daraus für Industrie und Handel resultierende Freiheit bei der Gestaltung der Packungsgrößen ist für die Verbraucher gleichbedeutend mit einer Verschlechterung der Preistransparenz. Zwar argumentieren die Befürworter der Gesetzesänderung gerne damit, dass aufgrund der neuen Preisauszeichnungsvorschriften die Preistransparenz  sogar besser sei als vorher, könnten doch jetzt die „Grundpreise je 100 Gramm“ verglichen werden. Eine Möglichkeit, die in der Praxis nur selten genutzt wird. Zum einen kaufen viele Verbraucher ihre alltäglichen Produkte „aus Gewohnheit“, ohne dabei besonders auf den Preis zu achten. Sie vertrauen auf ein gewisses Maß an Preisstabilität. Zum anderen wäre, um Preise wirklich kontrollieren zu können, eine  „Grundpreis-Datenbank“  erforderlich, die alle wesentlichen Artikel enthält. Sollte das wirklich jemand ernsthaft in Erwägung gezogen haben?

Die neue Verpackungsverordnung war und ist also in erster Linie ein Erfolg der Lobbyisten aus Industrie und Handel. Ein Erfolg allerdings, den diese heute nicht mehr so ungestört genießen können wie in den Zeiten vor dem Internet. Die Verbraucher lernen jeden Tag mehr über Macht und Möglichkeiten. Und das Internet erlaubt es, diese schnell und unkompliziert bekannt zu machen.

Jeder Protest, jede erfolgreiche Aktion – im Internet oder real – beweist, dass sich sehr wohl etwas ändern lässt. Vorbei die Zeiten des „Da kann man ja doch nichts machen!“ oder „Die machen ja doch was sie wollen.“ Man kann was machen, man kann was ändern.

WIR können etwas ändern!

Deshalb fordern wir Industrie und Handel auf, die Praxis der Mogelpackungen zu Gunsten einer ehrlichen Produkt- und Preispolitik zu ändern. Wir Verbraucher wissen, dass die vielen öffentlichkeitswirksamen Nachhaltigkeits-,  Umwelt- und Armutsbekämpfungsmaßnahmen von Industrie und Handels nicht mit Gewinnverzicht bezahlt werden, sondern dass wir, die Kunden es sind, die diese Aktionen über den Preis finanzieren.

Wenn das aber so ist, dann soll man dazu stehen und nicht über versteckte  Preiserhöhungen die erforderlichen Gelder erwirtschaften wollen.

Wer seine Wohltätigkeit durch Lügen finanziert, der ist nicht wirklich wohltätig.

Wer Mogelpackungen herstellt, dem glauben wir nicht, dass er es ernst meint, wenn er auf seiner Homepage erzählt: „Wie gewinnt man das Vertrauen der Verbraucher? Indem man ihnen zuhört und genau weiß, was sie wollen. Und indem man dieses Wissen in innovative und überzeugende Produkte umsetzt. Auf die Nähe zu den Verbrauchern konzentrieren wir uns mit aller Kraft – und mit erfolgreichen und starken Marken, die wir kontinuierlich weiterentwickeln und pflegen.“ (Beiersdorf)

Wer Mogelpackungen herstellt,  kann nicht wirklich glaubhaft sein, wenn er sagt: „Gleichzeitig haben wir über die Jahre gelernt, dass gerade Neuerungen bei Technologien, Produkten, Dienstleistungen und im Marketing immer wieder ein Diskussionsanlass sein können. Wir haben diesem offenen und konstruktiven Austausch immer einen hohen Stellenwert eingeräumt – sowohl im persönlichen Gespräch als auch über etablierte Dialogformate, unmittelbar als Unternehmen oder über die Branchenverbände.“ (Procter & Gamble)

Wer Mogelpackungen vertreibt, der muss evtl. einige seiner veröffentlichten sieben Werte einmal auf Ihre Stichhaltigkeit überprüfen. „Unsere sieben Werte:

– Wir arbeiten vertrauensvoll und zuverlässig.
– Wir agieren als „Unternehmer im Unternehmen“. 
– Wir halten die Dinge einfach.
– Wir sind offen und berücksichtigen unser Umfeld.
– Wir sagen es, wie es ist.
– Wir führen mit Herz und Verstand.
– Wir diskutieren, entscheiden und setzen Dinge um.“ (Kraft)

Und auch ein großer Filialist im Einzelhandel der Mogelpackungen anbietet, kann es nicht ernst im Sinne der Verbraucher meinen, wenn er sagt: „Jeden Tag ein bisschen besser„. (Rewe)

Wir begrüßen jede Aktion, mit der ein Industrie- oder Handelsunternehmen etwas gegen Armut und Hunger oder für Umwelt und Zukunft tut. Wir fordern aber bei Initiierung und Durchführung mehr Ehrlichkeit und Offenheit.

Wir wollen nicht getäuscht werden.

Zur Abrundung unserer Aktion für mehr Ehrlichkeit im Handel werden wir die Geschäftsführungen der in unseren Beiträgen zum Thema „Mogelpackungen“ genannten Unternehmen zu den Widersprüchen zwischen ihren CSR-Bekundungen und der Tatsache, dass sie mit Mogelpackungen arbeiten, befragen und die Ergebnisse hier veröffentlichen.

Die ersten Anschreiben gehen in diesen Tagen an:

Beiersdorf   >   CEO Herr Thomas-B. Quaas > der Brief

Procter & Gamble   >  Vorsitzende der Geschäftsführung Frau Pirjo Väliaho > der Brief

Kraft  >   Vorsitzender der Geschäftsführung Herr Jürgen Leiße > der Brief

Rewe  >   Vorstandsvorsitzender Herr Alain Caparros > der Brief

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