0 Unsinnige Hygiene
Schlechte Studien =
Schlechte Verbraucherinformation

„Das schützt vor fieser Herbstgrippe“ Wenn BILD mit solchen Schlagzeilen aufmacht, dann steigt die Angst der Menschen vor Ansteckung und Masseninfektionen. Das wissen auch die Hersteller aus der Pharma- und Chemieindustrie und versorgen die Medien rechtzeitig zur Saison mit neuen Studien, die die Wirksamkeit ihrer Produkte belegen (sollen!).

Nun hört man gelegentlich, besonders wenn von Statistiken gesprochen wird, Sätze wie:  „Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“. Und so oder ähnlich vorsichtig sollte man wohl auch mancher Studie begegnen, auch wenn deren Ergebnisse im ersten Moment sehr überzeugend klingen. Das zumindest legt ein Artikel in der Zeitschrift Gute Pillen – Schlechte Pillen (GP-SP) den Lesern nahe.

GP-SP berichtet über eine Studie, die die Universität Greifswald aufgelegt hat und deren Ergebnisse vom Informationsdienst Wissenschaft (idw) in Form einer Pressemitteilung veröffentlicht wurden. Und wie entsprechende Berichte in Focus oder Gießener-Allgemeine zeigen, werden diese „Informationen“ auch 1:1 übernommen.

Dass damit irreführende Aussagen weitergegeben werden, scheint dabei nicht weiter zu stören, wird jedoch durch den Beitrag von GP-SP zweifelsfrei belegt.

So werden gravierende Mängel bei der Definition der Aufgaben und der Durchführung für die Kontrollgruppen aufgeführt.

Während die eine Gruppe der Testpersonen sich fünfmal während der Arbeitszeit die Hände mit Desinfektionslösung  waschen sollte, sollte die andere Hälfte dies nicht tun. GP-SP bemängelt, dass nicht wenigstens eine nützliche, kostengünstige Methode (seit den Zeiten der Schweinegrippe weiß man, dass einfaches Händewaschen das Ansteckungsrisiko drastisch mindert) gegen eine kostspieligere getestet wurde (fünfmal gründlich waschen gegen fünfmal desinfizieren).

Ebenfalls bemängelt GP-SP, dass die Tests nicht im Effizienz steigernden „Blindverfahren“, bei dem die getesteten Personen nicht wissen, ob sie mit Original oder Placebo behandelt werden, durchgeführt wurden. Blindtests schließen aus, dass das Wissen um die Art der Behandlung die Wahrnehmung der Wirkung beeinflusst.

Und schließlich eine besonders bemerkenswerte Feststellung: In dem Fachbericht, auf dem die Pressemitteilung beruht, ist unter dem Stichwort **Interessenkonflikte zu lesen, dass einer der Autoren Angestellter der Bode Chemie ist, zwei weitere Autoren zuvor Forschungsgelder von Bode Chemie erhalten haben. Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass alle zum Test gehörenden Materialien (Desinfektionslösung und Spender) ebenfalls ausschließlich von Bode Chemie stammten.

Und was bedeutet das Ganze für unseren Alltag?  Was Desinfektionsmittel anbetrifft: Entwarnung!

Jeder, der nicht Arzt, Krankenschwester oder Pflegekraft (für diesen Personenkreis ist regelmäßige Händedesinfektion ein Muss) ist, wird mit sorgfältigem, mehrfach täglichem Händewaschen das Ansteckungsrisiko ausreichend mindern. Und dass man die Nähe zu hustenden und schniefenden Menschen meiden sollte, ist auch ausreichend bekannt.

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