0 Schufa: „Big Brother“ der Kreditvergabe

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) ist die mächtigste Auskunftei Deutschlands. Das Privatunternehmen im Besitz der deutschen Finanzinstitute hat nach eigenen Angaben Daten über die Kreditwürdigkeit von 63 Millionen Menschen in Deutschland gespeichert. Doch nach Ansicht ihrer Kritiker mangelt es der Schufa an Transparenz.

Kaum ein Girokonto ohne Schufa

Mehr als 85 Millionen Girokonten gab es nach Schätzung der Deutschen Bundesbank zum Jahresende 2005 in der Bundesrepublik. Ohne Unterzeichnung der SCHUFA-Klausel kann man ein solches Konto kaum erhalten geschweige denn eine Kreditkarte. Um die Einwilligung zu einer Anfrage bei der Schufa kommt nur herum, wer ein „Konto für Jedermann“ zur Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ohne Überziehungsmöglichkeit eröffnen möchte. Die kommunalen Sparkassen sind zur Einrichtung solcher Konten verpflichtet, der Bankenverband als Dachorganisation der deutschen Finanzinstitute hat seinen Mitgliedern diese Praxis empfohlen.

Torwächter des Kredits

Spannend wird es allerdings erst, wenn man sich Geld leihen möchte. Kaum ein seriöses Bankinstitut vergibt einen Kredit ohne die Einwilligung des Kunden zu einer Schufa-Anfrage. Vom Unternehmen mit Sitz im hessischen Wiesbaden erfährt die Bank dann, welche Kredite der Kunde außerdem hat und ob sie ordentlich zurückgezahlt wurden. Darlehens-Einträge werden allerdings am Ende des dritten Jahres nach Rückzahlung gelöscht, Bürgschaften sofort nach der Begleichung der Hauptschuld. Bei Krediten unter 1.000 Euro kann der Schuldner unter bestimmten Voraussetzungen eine sofortige Löschung beantragen.

Anonymer Vergleich mit anderen Kreditnehmern

Zudem bietet die Schufa eine Bewertung der Kreditwürdigkeit des Interessenten in einer Skala von 1 bis 1000 an. Je geringer der Wert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Schuldner den Kredit nicht zurückbezahlt. Ermittelt wird dieser „Score“-Wert – vereinfacht ausgedrückt – folgendermaßen: Der Schufa-Computer ermittelt nach zehn bis 20 Hauptkriterien anonym bis zu zwei Millionen vergleichbarer Kreditnehmer. Nach deren Zahlungsmoral wird dann die Ausfallwahrscheinlichkeit für den neu beantragten Kredit eingestuft. Laut Schufa ist allein die Existenz eines Score-Wertes schon ein Plus: Denn für Kunden mit Negativeinträgen etwa über geplatzte Kredite wird erst gar keine Punktebewertung erstellt.

Bewertung in sieben Branchen

Die tagesaktuell ermittelten Score-Werte in der 1000-Punkte-Skala hält die Schufa in sieben Branchenkategorien vor. Denn zum Schufa-Verbund gehören nicht nur knapp 2.300 Banken und Sparkassen und damit fast alle deutschen Kreditinstitute. Auch rund 2.000 Händler und andere Dienstleister, über 60 Telekommunikationsfirmen, fast 50 Versicherungen, 75 Versorgungsunternehmen, fast 90 Inkassofirmen und 350 gewerbliche Wohnungsgesellschaften sind Schufa-Kunden. Auch private Vermieter informieren sich über schlechtes Zahlungsverhalten von Wohnungsinteressenten oder melden der Schufa Mietrückstände. Das Online-Auktionshaus Ebay ist seit einigen Jahren ebenfalls mit im Boot.

„Schutz vor Überschuldung“

Die Schufa nimmt für sich in Anspruch, mit ihren Auskünften nicht nur der kreditgebenden Wirtschaft zu nützen. Auch Verbraucher werden nach dieser Lesart vom Wiesbadener Unternehmen vor Überschuldung geschützt. An dieser Argumentation ist etwas dran – zumindest wenn man der Vielzahl von Berichten über Betrug und Wucher bei den Kreditangeboten ohne Schufa-Abfrage Gehör schenkt.

Kriterien werden nicht offengelegt

Doch den Vorteilen seriöser Kreditvergabe und einer Beschleunigung des Verfahrens bei der Bank steht die Unsicherheit der Verbraucher gegenüber, was die Schufa speichert und welche Kriterien sie für ihr Scoring genau nutzt. Das ist ärgerlich für die Vielzahl derjenigen, die sich nach Auskunft der Verbraucherzentralen über die Ablehnung von Krediten bei den Banken beschweren – mit dem Argument: „Ihr Score ist schlecht“. Der Schufa-Vorstandsvorsitzende Rainer Neumann begründete jüngst im Magazin Wirtschaftswoche die Verschwiegenheit über die Bewertungskriterien: „Wenn bekannt würde, wie wir den Score genau berechnen, würde das Manipulationen ermöglichen.“

Überlegung: Kunden sollen Einkünfte melden

Dem widersprechen allerdings Schufa-Überlegungen, die Verbraucher stärker in die Bewertung einzubeziehen. „Die Schufa-Auskunft gibt nur Überblick über die Kreditverpflichtungen des Verbrauchers“, sagt Schufa-Chef Neumann. Wichtig für die Frage, ob er einen Kredit auch zurückzahlen könne, seien aber auch seine Einkünfte. „Deshalb überlegen wir, ob Verbraucher uns künftig aktiv Informationen über sich liefern können“. Das wären zum Beispiel Daten zu Einkommen, Vermögen oder Geldanlagen. Genaueres steht aber noch nicht fest.

Saftige Gebühr bei online-Auskunft

Seit dem Jahr 2001 können sich Verbraucher die Schufa-Branchenscores berechnen lassen. „Im Rahmen der Weiterentwicklung ihrer Transparenz-Strategie“ bietet die Schutzgemeinschaft zudem seit vergangenem April bei jeder Eigenauskunft einen persönlicher „Basisscore

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