0 Die Not der Milchbauern:
Milchpreis sinkt von 41 cent auf 28 cent!

Wir unterstützen den Protest der Bauern!

Auf dem Münchener Odeonsplatz demonstrieren heute 1. September 2015 erwartete zweitausend Milchbauern aus ganz Deutschland gegen den totalen Verfall der Milchpreise. Im brutalen Preiskampf der Discounter drohen die Bauern auf der Srecke zu bleiben.

Es ist auch an uns, an den Verbrauchern, dieses existenz-vernichtende Tun zu beenden. Wenn 1 Liter frische Vollmilch für 59 Cent verkauft wird (Aldi Süd heute, 07:57 Uhr) oder für 55 Cent (Aldi Nord, Lidl*  heute 07:59), dann zeigt das allerdings nur einen Teil des Milchpreis-Elends. Auch Firmen wie die durch massive Fernsehwerbung bekannte Firma „Müller Milch“ (unter anderem auch Hersteller der Marke „Weihenstephan“, das ist die mit dem besonderen Alpen-, Natur- und Bayern-Image) sind Urheber des massiven Preisveralls und drücken seit Jahren die Verdienstmöglichkeiten der Bauern.
*Anmerkung zu Lidl: Angeblich will man dort den Preiskampf nicht weiter fortsetzen. Fragt sich nur wie lange das durchgehalten wird.

Es sind aber nicht nur die Verdienstmöglichkeiten der Bauern, die von gnadenlosen Preiskämpfen gedrückt werden. Auch die Gesundheit der Kühe steht auf dem Spiel wenn der Preis immer weiter gedrückt wird. Welcher Art die Auswirkungen auf das Tierwohl sind, das haben wir bereits 2011 in einem Beitrag dargestellt:

„Die Milchproduktion einer „normalen“ Kuh liegt bei etwa 25 – 30 Liter/täglich. Demgegenüber liefern  Hochleistungskühe moderner Prägung bis zu 60 Liter Milch täglich. Der „Rückbau“ der Bestände auf die Klasse „konventionelle Grasfresser“ hätte also einen Rückgang der Produktionsmenge von ca. 50 – 60 % zur Folge.

Milch entsteht aus Gras! Normalerweise können Kühe Milch aus einfachem Grünfutter produzieren. Mit ihren vier Mägen bilden die Wiederkäuer die Inhaltsstoffe der Milch (vor allem Eiweiß, Zucker und Fett) selber aus der Cellulose der Pflanzen. Für die Produktion höherer Mengen an Milch benötigen die Tiere zusätzlich Kraftfutter als zusätzlichen Energie- und Eiweißlieferanten. Nach Einschätzung der Bundestierärztekammer überschreitet die durch die spezielle Fütterung herbeigeführte Hochleistung die physiologischen Möglichkeiten der Tiere, sodass bereits kleinste Fehler in der Fütterung zu Erkrankungen führen können. In diesem Zusammenhang weisen die Tierärzte auch darauf hin, dass Milch ein gutes Beispiel für die Wechselwirkung zwischen kostensparender Produktion und den daraus entstehenden Problemen für Tierschutz und Lebensmittelsicherheit ist.

Wie wäre es also, wenn, unterstüzt und gefördert von der Politik, ein Programm gestartet würde, dessen Ziel es ist, Kühe wieder als das zu halten, was sie ursprünglich sind: Grasfressende Wiederkäuer?“

An die Bauern richten wir die Frage: Was wurde eigentlich aus den im Jahr 2012 vom Kartellamt empfohlenen Gründung von Erzeugergemeinschaften? Sie sollten doch, so die Ansicht des Kartellamts, den Milchbauern die Möglichkeit eroffnen wirksame Preisabsprachen und sogar Mengenbeschränkungen durchzusetzen.

An die Politik die Frage: Was wurde aus den im Abschlussbericht zum Sektorenbericht Milch des Kartellamts angedeuteten Anhaltspunkten zu Einzelverstößen gegen das Kartellrecht?

„Die Sektoruntersuchung Milch richtet sich nicht gegen einzelne Unternehmen oder Unternehmensvereinigungen. Sie nimmt vielmehr eine Einordnung der Wettbewerbsprobleme außerhalb von möglichen Einzelverstößen gegen das Kartellrecht vor. Ihre allgemeine Zielsetzung ist, den Marktteilnehmern und politischen Entscheidungsträgern einen vertieften Einblick in die Wettbewerbssituation im Milchsektor und den maßgeblichen kartellrechtlichen Bewertungsrahmen zu gewähren. Soweit sich aus den Erkenntnissen tatsächliche Anhaltspunkte für Einzelverstöße gegen das Kartellrecht ergeben, sind diese in Einzelverfahren zu prüfen, in denen dann auch die Verfahrensrechte der beteiligten Unternehmen gewahrt sind. Der Endbericht enthält daher keine abschließenden wettbewerbsrechtlichen Einschätzungen oder Aussagen“

Mehr zur aktuellen Situation auf dem Milchmarkt und den Forderungen der Bauern auch auf B5 aktuell!

Das Buch zum Thema:
(alte (!!) Besprechung bei aktuellem Inhalt

Blutmilch
Wie Bauern ums Überleben kämpfen
von Romuald Schaber

Dieses Buch dürfte Herrn Sonnleitner gar nicht gefallen (es wird ihn „schaben“, schwäbisch für ärgern), besonders wenn er zum Kapitel „Wie wir ‚Revoluzzer’ wurden“ gelangt. Da gibt es nicht viel Positives über den Bauernverband zu lesen. Dafür aber Interessantes über die Geschichte dieses Verbandes und damit eine nachvollziehbare Erklärung für Romuald Schabers Zorn auf seine „Standesvertretung“.

Romuald Schaber, der Milchbauer aus dem Allgäu, ist ein Bauer, der mit Frau und Kindern einen Hof bewirtschaftet. Er hat nicht studiert und nie ein Management-Training besucht. Aber wenn die Chefs der Milchkonzerne einen Mann fürchten, dann Romuald Schaber. Er gilt als knallharter Verhandler und als ein Mann, der in großen Zusammenhängen denken kann.

33.000 Milchbauern hat der Milchrevoluzzer aus dem Bauernverband herausgeführt, weil die sich dort verraten und verkauft vorkamen. Für die europäischen Milchbauern ist er schlicht ein Held. Sie wissen, nur „Romi“ kann sie vor dem Untergang bewahren. Sein Buch Blutmilch ist die bewegende Geschichte eines Mannes, der seine Familie, seinen Beruf und seine Heimat liebt und deshalb gegen das Bauernsterben in Europa kämpft. Seine Geschichte und sein Hilferuf gehen uns alle an: „Der Milchpreis, den uns die Konzerne diktieren, ist der Preis, an dem die Bauern sterben. Billige Milch ist Blutmilch.

Blutmilch
von Romuald Schaber
Pattloch Verlag
ISBN 3629022731

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