0 Mr. Smith und das Paradies
Die Erfindung des Wohlstands

Wenn wir bei einer Buchbesprechung einen Titel aus der üblichen Rubrik heraus heben und in den redaktionellen Hauptteil der Bürgerlobby setzen, dann muss etwas besonderes passiert sein. So ist es denn auch geschehen, als das Buch von Georg von Wallnitz auf dem Redaktionstisch landete.

Der studierte Mathematiker und Philosoph, der selbst mehrere Jahre als Investmentbanker tätig war, hat sich einen besonderen Blick auf die Wirtschaft- und Finanzwelt unserer Tage bewahrt.
Und dass das so ist (und auch sein muss), das fordert er bereits auf den ersten Seiten seines Buchs, indem er im „Vorsatz“ (was für eine schöne und doppeldeutige Wortwahl im Vergleich zum allgemein üblichen „Vorwort“) auf einen Ausspruch des französischen Journalisten und Staatsmannes Clemenceau eingeht, der gesagt hat, „Der Kriegs ist viel zu wichtig, um den Generälen überlassen zu werden“. Diesen Satz überträgt von Wallnitz auf die Ökonomie und sagt „Die Wirtschaft ist viel zu wichtig, um sie den Ökonomen zu überlassen.“

Die Richtigkeit dieser These beweist er dann auf den 198 Seiten von „Mr. Smith und das Paradies“.Georg von Wallnitz nimmt seine Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte der Ökonomie.
Diese beginnt vor 250 Jahren mit „Voltaires Paradies“, der Zeit, in der die Ökonomie aufhörte „eine Randerscheinung und Lehre für brave Haus- und Landwirte zu sein“ und in der Adam Smith, der Titelgeber des Buchs, mit seinem Werk „Der Wohlstand der Nationen“ schlagartig in ganz Europa bekannt wurde (und es bis heute geblieben ist).

Gemeinsam weden die Spuren von David Ricardo und Jean-Jacques Rousseau verfolgt. Die Gedanken des anarchistischen Rebellen Michail Bakunin werden genauso beachtet wie die des vielleicht bedeutendsten angelsächsichen Philosophen des 19. Jahrhunderts, John Stuart Mill, „dem Retter der Zivilisation“. Und selbstverständlich finden sich auf John Maynard Keynes und der österreichische „Paradiesvogel“ Johann Schumpeter auf der Liste der Zitierten. Dabei stellt der Autor immer wieder interessante Querverweise zur Jetzt-Zeit her, indem er das chinesische Wachstumsmodell, die Tea-Party-Bewegung oder den Island-Crash in seine Betrachtungen einbezieht.

Wenn Georg von Wallnitz fragt „Wie viel darf man den Jungen wegnehmen und den Alten geben, bevor es sich um einen Verstoß gegen die Generationengerechtigkeit handelt? Ist die Anhebung des Renteneintrittsalters eine Gemeinheit oder nur gerecht? Sind flexible Arbeitsmärkte ein Mittel der Ausbeutung oder eine Möglichkeit, junge Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren?“,
dann ist der Versuch Antworten darauf zu finden mehr als eine Abfolge von Statistiken und Rechenmodellen. Es ist statt dessen ein locker leichtes Philosophieren über Geld und Wohlstand, angereichert mit literarischen Einflechtungen und Zitaten von Schiller über Victor Hugo bis hin zu Charles Dickens.

Dem Autor ist es gelungen ein leicht zu lesendes Werk darüber zu schreiben, wie die Wirtschaft zu dem geworden ist, was sie heute darstellt. Worin ihre größten Fortschritte bestehen und wie sie doch immer ein Spiegel und Ausdruck ihrer Zeit war und ist.

Und ein Satz aus diesem Buch sollte zum Glaubenssatz für möglichst viele Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft werden:

„Zweck der Ökonomie ist nicht nur die Erhöhung der Produktivität, sondern in erster Linie die Schaffung der Bedingungen für ein anständiges Leben. Darin besteht doch der Wohlstand, dass wir kultiviert, höflich und moralisch sein können, dass wir Raum und Freiheit haben für alle Aspekte des Lebens, ohne Angst vor der Krise. Dass wir die Liebe zum Geld hinter uns lassen und uns Höherem widmen können. Kunst und Wissenschaft kultivieren uns.“

Es gibt sie noch, die tollen Bücher!

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