0 Wenn der Bock zum Gärtner wird
Monsanto Manager gewinnt World Food Prize

Wenn es um Landwirtschaft geht, dann ist der World Food Prize für die New York Times das Äquivalent zum Oskar. Und wenn es um Monsanto geht, dann geht es für viele Menschen auf der Welt ums nackte Überleben. Die Unternehmenspolitik im Agrarbereich von Monsanto zielt nämlich darauf, die Landwirte der Welt in eine vollständige Abhängigkeit zu Monsanto-Produkten zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen wird auch die Politik vor den Monsanto-Karren gespannt. So geschehen zuletzt mit dem Monsanto-Protection-Act und dessen Verlängerung durch Präsident Obama, was zu heftigen Reaktionen des Center of Food Safety führte. Wie das Center of Food Safety am 26.September veröffentlichte wurde der Act jedoch inzwischen aufgehoben.

Und ausgerechnet der an vorderster Front für die Geschäftspolitik von Monsanto verantwortliche Dr. Robert T. Fraley, Executive Vice President und Chief Technology Officer, gehört zu den drei Preisträgern des World Food Prize 2013.

Glaubt man den Worten des ehemaligen Nobelpreisträgers Dr. Norman E. Borlaug, Vater des World Food Prize, dann ist es der Sinn des Preises, Menschen zu ehren, die sich um die Weiterentwicklung der Menschheit durch die Verbesserung  von Qualität, Quantität und Verfügbarkeit von Nahrungsmittlen auf der Welt verdient gemacht haben:

„The World Food Prize is the foremost international award recognizing — without regard to race, religion, nationality, or political beliefs — the achievements of individuals who have advanced human development by improving the quality, quantity or availability of food in the world.“

Ob Norman Borlaug mit „Verfügbarkeit“ gemeint hat „freie Verfügbarkeit“ oder „Verfügbarkeit über nur über Monsanto“ ist nicht bekannt, wir glauben aber, dass er in dem Augenblick, in dem er den Preis erdacht hat, nicht an eine Weltabhängigkeit von Monsanto gedacht hat.

Dass er heute bei der Preisverleihung an Monsanto denkt, das hat möglicherweise auch damit zu tun, dass Monsanto einer der drei Großsponsoren des Hall of Laureates-Projektes ist. Im Rahmen dieses Projektes wurde das alt-ehrwürdige    „Des Moines Public Library Building“ zum prächtigen Sitz der Organisatoren des World Food Prize.

Ohne die zweifellos vorhandenen und auch durch die Mitwirkung von Monsanto errungenen Fortschritte im Rahmen der sogenannten „Grünen Revolutuion“ schmälern zu wollen, lohnt sich ein genauerer Blick auf das Unternehmen Monsanto und seine Geschichte.

Dabei hilft sicher das Buch „Lords of the Harvest“ (Die Götter der Ernten) von Daniel Charles aus dem Jahr 2002. Auf 376 Seiten erzählt Charles die Geschichten von der Schlacht um den Markt der genetisch veränderten Lebensmittel. Er zeichnet die Vision des Designer Saatguts mit seiner gesundheitsfördernden Wirkung auf die Menschen und den Produktivitätszuwachs für die Landwirtschaft nach. Er berichtet aber auch über die andere Geschichte hinter der „Frankenstein Nahrung“. Erstmals erzählt hier jemand von den halsabschneiderischen Methoden und den Hinterzimmer-Geschäften auf dem Weg zu den ersten gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Auch dabei spielt Monsanto eine besondere Rolle.

Eine Konsequenz aus dieser Rolle wird deutlich beim Betrachten einer Liste, die Greenpeace in Zusammenarbeit mit der Organisation „Kein Patent auf Leben“ erstellt hat.  Sie zeigt eine Auswahl über die in Europa bereits erteilten oder zur Erteilung angemeldeten Patente. Soweit es sich bei einer Position auf der Liste um Saatgut handelt, gilt, dass ab der Erteilung des Patents kein Landwirt das Saatgut, das er aus dem Ertrag der Erstaussaat gewinnen könnte, zur Neupflanzung verwenden darf. Vielmehr muss er erneut bei Monsanto einkaufen. Zur Durchsetzung der Patentrechte schreckt Monsanto auch nicht vor dem Einsatz von Detektiven zurück.

Allein diese Tatsache genügt um die Verleihung des World Food Prize (u.a. für die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln) ausgerechnet an den Executive Vice President und Chief Technology Officer in einem fragwürdigen Licht erscheinen zu lassen.

Und es gibt noch einen weiteren Grund für berechtigte Zweifel an der „Preiswürdigkeit“ des Laureaten – und der heißt Round Up, ein Herbizid, gegen das nur die von Monsanto entwickelten gentechnisch veränderten Saatgüter vollständig resitent sind. Auch das sicher kein Argument für einen von Monsanto geleisteten Beitrag zur „freien“ Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln. Umstritten ist Round Up auch, weil es gegensätzliche Studien zur Toxizität und Karzinogenität des Produktes gibt.

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