0 Falschspieler Pharmakonzern
Der Trick mit den vertuschten Daten

Das Verbrauchermagazin GutePillenSchlechtePillen (GPSP) fordert freien Zugang zu Studienergebnissen der Pharmaindustrie, auch dann, wenn die Ergebnisse der Studie nachteilig für die Industrie sind. Nachteilig für die Industrie sind Studienergebnisse immer dann, wenn sich durch sie herausstellt, dass ein Arzneimittel für die Patienten gefährliche Nebenwirkungen hat. Nach dem Motto „profit first“ werden solche Ergebnisse jedoch gerne unterdrückt. Während die Arzneimittelhersteller wenig Interesse an mehr Transparenz zeigen, brauchen die Verbraucher endlich Gesetze, die die „vergessenen“ Daten ans Licht bringen.
Das einzig zuverlässige Mittel um die Zuverlässigkeit und Wirksamkeit eines Medikaments festzustellen, sind klinische Studien. Und nur wenn diese gut gemacht sind und auch die schädlichen Effekte eines Medikaments herausgestellt werden, sind sie für Patienten von Nutzen. Nicht zuletzt hängt auch die Qualität ärztlicher  Therapieentscheidungen vom möglichst detaillierten Wissen um ein Medikament ab.

GPSP zeigt an zwei Beispielen wie die Industrie Daten manipuliert um gute Ergebnisse zu bekommen. So wurden für die Zulassung von 12 Antidepressiva insgesamt 74 Studien gemacht. In den dazu gelieferten Veröffentlichungen wurden in 94 Prozent der Studien die Medikamente als wirksam dargestellt. GPSP schreibt weiter, dass

„Die Daten die der US-Zulassungsbehörde FDA vorlagen, zeigen aber, dass in Wirklichkeit nur 51 Prozent der Studien eine Wirksamkeit belegen.“

Diese Verzerrung der Fakten ist darauf zurückzuführen, dass die Mehrzahl der negativen Studien erst gar nicht veröffentlicht wird. Der verbleibende Rest wird nach GPSP „mit zweifelhaften Ergebnissen schöngeschrieben“.

Beim zweiten Beispiel geht es um das Diabetesmedikament Rosiglitazon, das nach Schätzungen von FDA-Experten „bei zehntausenden Diabetikern einen Herzinfarkt provoziert“ hat. Dem Hersteller was es über Jahre gelungen zu vertuschen, dass sein Medikament keine Herzinfarkte verhindert, sondern, im Gegenteil, diese verursachen kann.

Derzeit diskutiert die EU neue Regeln für klinische Studien und auch den Umgang mit den Ergebnisse aus Studien. Für den Oktober diesen Jahres ist die Abstimmung vorgesehen, entsprechend stark ist die Lobbyarbeit auf den Fluren in Brüssel und Strassburg und in den Büros der Abgeordneten. Transparenz scheuen die Pharmakonzerne so wie der Teufel sprichwörtlich das Weihwasser. Eines ihrer Argumente dabei ist, dass „die sie Geld in die Studien investieren und die Daten somit ihr Eigentum seien„.

Um den bisher praktizierten Umgang mit Studienergebnissen beibehalten zu können, scheuen die Konzerne auch nicht vor dem Versuch zurück, beginnende Aktivitäten zu mehr Transparenz – wie die der europäischen Zulassungsbehörde EMA – gerichtlich untersagen zu lassen.

Wie GPSP weiter ausführt, ist auch ein anderes Argument der Konzerne nicht stichhaltig. Es lautet „dass es zu vielerlei Fehlinterpretationen führen würde, wenn man alle Daten offenlegt.“
Dem hält der amerikanische Wissenschaftler und Arzt Peter Doshi von der Johns Hopkins University in Baltimore entgegen, dass ihm kein Beispiel bekannt sei, wo der Zugang zu den vollständigen Studienergebnissen zu irreführenden Schlussfolgerungen geführt hätte. Im Gegenteil, wo immer verheimlichte Daten aufgetauchen, zeigt sich, dass viel verwendete Arzneimittel vorher zu positiv dargestellt wurden.

Dosh und einige seiner Kollegen sind entschlossen ein „pharmazeutisches wikileaks“ zu starten, wenn die Pharmakonzerne sich nicht umgehend dazu verpflichten verschwiegene Daten doch zu publizieren. Die Gruppe verfügt über fast 200.000 Seiten unveröffentlicher und geheimgehaltener Studienergebnisse (gesammelt bei Gerichtsverhandlungen und auf Nachfrage erhalten von der europäischen Zulassungsbehörde EMA.
Zwei international bedeutende Medizinzeitschriften, das British Medical Journal und Public Library of Science, haben bereits zugesagt zur Veröffentlichung der Daten beizutragen.

Wir wundern uns ehrlich gesagt über die Verschlossenheit der Konzerne, liest man doch in den Ethik-Erklärungen auf den Internetseiten ganz Anderes:

So heißt es bei Pfizer zum Thema Engagement:

„Nach unserer Überzeugung sollte sich jeder Bürger entsprechend seinen Neigungen und Fähigkeiten für das Gemeinwesen engagieren – das gilt auch und gerade für ein Unternehmen, das eine besondere Leistungsfähigkeit als „Corporate Citizen“, als „Unternehmensbürger“ hat.“

GlaxoSmithKline (Hersteller von Rosiglitazon, inzwischen vom Markt genommen)

„Vertrauen kommt nicht von allein, man muss es sich erarbeiten. GlaxoSmithKline hat deshalb in den letzten Jahren eine Reihe von Initiativen ergriffen, die für mehr Transparenz sorgen und hohen ethischen Standards entsprechen.“

AbbVie (klagt gegen die Freigabe von Daten durch die EMA)

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Gesundheit und Lebensqualität von Patienten weltweit zu verbessern.“

InterMune (klagt ebenfalls gegen mehr Transparenz)

 „Communicate appropriately, openly and honestly; listen actively“

Glaubt man diesen salbungsvollen Worten, dann dürfte es keinem dieser Unternehmen schwerfallen mehr Transparenz zu praktizieren und alle Studienergebnisse zu veröffentlichen.

 

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