0 Woher kommt die Alpenmilch?

Woher kommt die Alpenmilch?
Diese Frage könnte überflüssig sein, wenn immer wahr wäre, was uns die Produktnamen versprechen. Leider ist aber inzwischen Tarnen und Täuschen an der Tagesordnung. Weil Regionalität „in“ ist und immer mehr Verbraucher darauf achten, dass Lebensmittel z.B. keine unnötig langen Transportwege hinter sich haben, versuchen viele Hersteller ihren Artikeln eine regionale Herkunft zu verpassen.  Geht man den Produktnamen jedoch nach, stellt sich heraus, dass die schönen Namen nichts als „Schall und Rauch“ sind.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat mit diesem Etikettenschwindel Schluss gemacht und am Beispiel der Weihenstephan-Produkte der Firma Müller Milch aufgezeigt, wie weit Dichtung und Wahrheit auseinander liegen.

„Alpenmilch“, „Alpenkäse“ und „Alpen-Schlagrahm“ heißen die Milchprodukte der Molkerei Weihenstephan aus Freising.

Die Verbraucherzentrale Hamburg wollte nun wissen, was der normale Verbraucher erwartet, wenn er ein Produkt mit einem dieser Namen erwirbt und stellte deshalb unter der Überschrift „Woher kommt die Alpenmilch?“ 5 kurze Fragen.

Mit der ersten Frage wurde geklärt, wo überhaupt die Alpen liegen und welche Regionen dazu gehören.
93 Prozent der Befragten gaben an, dass die Alpen von der südlichen deutschen Grenzregion über die Schweiz und Österreich bis nach Norditalien reichen.

Weiterhin ergab die Befragung, dass 78 Prozent der Befragten erwarten, dass die Milch von Kühen stammt, die in den Alpen weiden. Und 51 Prozent gingen sogar davon aus, dass die Weiden der Alpenmilch-Lieferanten an Berghängen liegen.

Leider werden diese Erwartungen der Verbraucher bei Weitem nicht erfüllt. Nach den Erkenntnissen der Verbraucherzentrale ist für die Produkte der Molkerei Weihenstephan festzustellen, dass

„… nur ein kleiner Teil des zur Weihenstephan-Molkerei gehörenden Rohmilch-Einzugsgebietes befindet sich tatsächlich in den Alpen. Die meisten Kühe stehen auf Wiesen und in Ställen im eher flachen Alpenvorland, das sich nördlich der Alpen befindet und damit laut Deutschem Alpenverein geographisch nicht zu den Alpen gehört.

Dass das so ist, wird den Kunden jedoch erst beim genauen Blick auf die Verpackungsrückseite für beispielsweise die frische „Alpenvollmilch“ von Weihenstephan klar. Hier steht in kleinen Buchstaben der versteckte Hinweis, dass das Produkt aus Milch aus den Alpen und dem Alpenvorland hergestellt wurde.“

Müllermilch und die Molkerei Weihenstephan müssen allerdings – zumindest im Augenblick – keine rechtlichen Konsequenzen aus den Feststellungen der VZ Hamburg fürchten. Weder die Verordnung über die Kennzeichnung von Lebensmitteln (LMKV) noch die Milcherzeugnisverordnung verlangen zutreffende Bezeichnungen zur Herkunft.

Die einzige Möglichkeit, Milchhersteller wie Müllermilch zum Umdenken zu bringen, wird also bis auf weiteres wohl die Handlungsempfehlung der Ernährungsexpertin Silke Schwartau von der VZ Hamburg sein, die den Verbrauchern rät,

„die teure Alpenmilch im Kühlregal stehen zu lassen und lieber ein regionales Produkt zu kaufen, das keinen unnötig weiten Weg zurückgelegt hat.“

„Die heile Natur der Alpen können sich Verbraucher durch den Kauf von Produkten aus dem Hause Weihenstephan also nicht mit nach Hause nehmen. Stattdessen bekommen sie Milch, die aus dem Großraum der Millionenmetropole München stammt.“

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Wenn die Bauern ums Überleben kämpfen
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