1 Guten Gewissens Unternehmer werden
(Teil 3)

Ein neue Generation von Hochschulabsolventen will gesellschaftliche Probleme lösen. Ein hohes Gehalt ist ihr nicht so wichtig. Vier Geschäftsideen. Von Johannes Pennekamp

Teil 3: Die Energiewende mitgestalten

Energieversorger? Da fallen einem milliardenschwere Konzerne wie Eon oder Vattenfall ein, Großunternehmen mit Chefs in dunklen Anzügen und mit ernsten Mienen. Jakob Assmann ist das Gegenmodell: Der gutgelaunte Mitgründer des Öko-Energieversorgers Polarstern trägt T-Shirt und Bart, sich selbst bezeichnet er als “ehrlichen Morgenmuffel”. Nur eine Handvoll Mitarbeiter arbeitet für sein Unternehmen.

Assmann ist ein “High Potential”. Er hat BWL studiert, seinen MBA an der Colorado State University gemacht, dann in München promoviert. Beste Karriereaussichten, doch wie immer mehr Top-Absolventen stellte er sich irgendwann die Sinnfrage: “Die Aufgabe meiner Generation ist die Energiewende”, erkannte der 31-Jährige. Mit zwei Gleichgesinnten fasste er den Entschluss, sich ganz dieser Aufgabe zu widmen. Damit die Energiewende “endlich in den Köpfen der Menschen ankommt”, gründeten sie einen Energieversorger, der vieles anders macht als die etablierten Anbieter. In Blogs und sozialen Netzwerken diskutiert das Start-up zum Beispiel mit den Kunden über regenerative Energie, energieeffiziente Lebensweise und den Klimawandel. “Nur so bringt man die Leute zum Nachdenken darüber, wo die Energie herkommt und dass man sorgsam mit ihr umgehen sollte.”

Die Polarstern-Gründer sind Exoten auf dem Energiemarkt. Doch nach einem Jahr am Markt beweist das Unternehmen, das ausschließlich Ökostrom und Ökogas verkauft, dass man auch als kleiner Energieversorger Fuß fassen kann. “Vor einem halben Jahr, da haben wir von 500 Euro im Monat gelebt, das wäre auf Dauer nicht gutgegangen”, sagt Assmann. Inzwischen jedoch können sich die Gründer ein “lebenssicherndes Gehalt” auszahlen, im kommenden Jahr soll die 10 000-Kunden-Marke geknackt werden. “Klar lässt es mich nicht ganz kalt, wenn Gleichaltrige Häuser kaufen und sich eine Menge leisten können”, gesteht Assmann, “aber ich würde niemals tauschen wollen.”

“© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.”

Hier der Link zum Originalbeitrag der FAZ

{ 1 Kommentare... lese ihn oder Hinterlasse einen Kommentar }

  • 1
    Karl

    Zwei Dinge fallen mir für einen “modernen Unternehmer” ein. Erstens, Anzug mit Schlips oder Krawatte sind schon längst keine Pflicht mehr.

    Zweitens, andere Wege muss man gehen. Es gibt heute Selbstständigkeiten, die von immer mehr Menschen ergiffen werden, die es vor zehn Jahren aber überhaupt noch nicht gab, bspw. den “professionellen Linkbuilder”.

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