0 Murks? Nein danke!

Alltagsprodukte auf Verschleiß gebaut, Sollbruchstellen sowohl in Ersatzteilen wie auch in Neugeräten, das hat Tradition in der Industrie. Nachweislich wurde bereits in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts „auf Verschleiß“ gebaut. Bis 1920 betrug die durchschnittliche Lebensdauer einer Glühlampe 2.500 Stunden. Das war den Herstellern zu viel und so beschlossen sie, die Lebensdauer auf 1.000 Stunden zu reduzieren. Das (Phoebus) Glühlampenkartell war gegründet. Bis 1942 konnte sich dieses Kartell halten, dann flog es auf und wurde verboten.

Zwar wird der Vorwurf des „Gemacht, um kaputtzugehen“ von Herstellern (und gewissen Handelsunternehmen) vehement zurückgewiesen, es bleiben aber massive Zweifel. Unter dem Titel „Die Kaputt-Strategie“ hat sich das Wirtschaftsmagazin enorm intensiver mit dem Thema beschäftigt.

Zunächst einmal ist da das von vielen Verbrauchern geteilte Gefühl, dass die Lebenszyklen technischer Geräte sich immer weiter verkürzen. Da hat man sein Gerät gerade mal verstanden und die wesentlichen Funktionen kennengelernt, wird bereits das Nachfolgemodell vorgestellt. Der nächste, von Vielen geteilte Eindruck ist der, dass viele Geräte kurz nach dem Ende der Garantiezeit kaputtgehen. Dazu heißt es in enorm:

„“Es ist die Geschichte eigentlich intakter Mobiltelefone, die nur wenig abgegriffen binnen eines Jahres in der Schrankwand landeten. Schließlich hat der Verkäufer im Handy-Shop noch jede Vertragsverlängerung mit einem Neugerät versüßt: mehr Pixel, schneller im Internet, mehr Speicher und schon wieder schicker. Es ist auch die Geschichte  eines iPods, der eine Woche nach Garantieende schwere Ausfallerscheinungen zeigt. Vielleicht ist die Batterie kaputt, vielleicht liegt ein Systemfehler vor: Der so lässige wie desinteressierte Apple-Servicemitarbeiter rät zum Neukauf. Der iPod wird in die Schublade gepfeffert.“

Dass es trotz solcher Erkenntnisse noch keine Kundenrevolution gegen den programmierten Verschleiß gegeben hat, ist erstaunlich, wo doch immer weniger in die Portemonnaies der Bürger kommt. Erstaunlich findet dies auch Herr Diehl, der Chef des kleinen Elektroladens, in den ich regelmäßig gehe, wenn ein Gerät „Mucken“ bekommt. Je älter das Gerät, desto größer meine Chance auf eine erfolgreiche Reparatur. Für neuere Geräte, sagt Diehl, besteht (auch bei namhaften Herstellern) oft kein Interesse mehr an einer Reparatur und oftmals müsse er mehrfach (und auch manches Mal erfolglos) wegen Ersatzteilen telefonieren.

In dem enorm-Artikel wird Olaf Wittler vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration in Berlin zitiert. Er sucht für die Hersteller von Produkten für Endverbraucher

„…A ntworten auf die Frage: „Wie schaffe ich es, dass mein Gerät am Ende so lange hält, wie ich mir das wünsche?“

Weiter heißt es:

„Auch für Hersteller von Unterhaltungselektronik hat Wittler ein Programm zur Lebensdauerberechnung entwickelt. Das Ziel der Hersteller: eine Lebensdauer, gerade lang genug, dass der Markt das Produkt nicht als Schrott zurückweist. Eine Lebensdauer, gerade lang genug, um möglichst am Material zu sparen.“

Im Gespräch mit dem enorm-Redakteur weist Wittler ausdrücklich darauf hin, dass diese Haltung, die man dem Konsumenten gegenüber hat, natürlich nicht für Firmenkunden gilt. Dort will man sich die geplante Obsoleszenz auf keinen Fall leisten.

Von großer Bedeutung ist die „Made-to-Break“-Strategie auch im IT-Bereich. Hier wird die rasante Entwicklung der Technik nur dadurch finanzierbar, dass die Ausstoßmengen drastisch gesteigert werden. Und das kann nur funktionieren, wenn die Kunden immer mehr kaufen (müssen).

Doch es gibt eine Gegenbewegung.

Mit Internetplattformen wie www.murks-nein-danke.de, www.ifixit.com, www.teamhack.de, www.deutschland-repariert.de und www.insidemylaptop.com formieren sich zunehmend Gemeinschaften von Verbrauchern, die sich gegenseitig im Pannen- und Problemfall unterstützen. All diesen Plattformen gemeinsam ist, dass es mehr und mehr Transparenz über Hersteller gibt, bei denen der Störfall häufig kurz nach Ablauf der Gewährleistung eintritt oder die generell besonders störanfällig bauen.

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