2 Wenn Umweltschützer streiten
Gedanken zu Danone, WWF und DUH

Ein Joghurtbecher ist ein Joghurtbecher ist ein Joghurtbecher – könnte man glauben. Umweltschutz ist Umweltschutz ist Umweltschutz – könnte man glauben. Weit gefehlt! Die Frage: „Was für ein Becher ist ein Joghurtbecher?“ kann zu gerichtlichen Auseinandersetzungen führen, bei denen es um viele Tausend Euro geht.
Genauso ist es mit dem Umweltschutz. Längst geht es nicht mehr um den Umweltschutz allein. Er spielt zwar noch eine wichtige Rolle in den Aktivitäten der verschiedenen Verbände – mindestens genauso wichtig ist für die Vereine und Verbände allerdings die Frage geworden: „Wie sichern wir unsere Finanzierung?

Nur vor diesem Hintergrund kann und darf der Streit um den neuen Danone Joghurtbecher betrachtet und sein Wert für die Umwelt beurteilt werden.

Betrachten wir zunächst die streitenden Parteien.

Am einfachsten ist da die Rolle von Danone einzuordnen. Die Danone GmbH Deutschland ist Tochter der französischen Danone S.A. und hat demnach als Teil eines börsennotierten Konzerns ein Hauptziel: Gewinn!
Um diesen zu erreichen werden alle Mittel modernen Marketings und zeitgemäßer Werbung und PR eingesetzt. Dazu gehört inzwischen auch die ökologische Ausrichtung von Unternehmensaktivitäten und in dieses Feld gehört der neue und so heftig umstrittene Joghurtbecher.

Nun zu den streitenden Umwelt-, Klima- und Tierschützern. Bei denen interessieren uns, neben den bearbeiteten Themen, vor allem Fragen wie: „Wie finanziert sich die Organisation?“ und „Wie steht es um die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit – um die Neutralität also?“

Zunächst zum World Wild Fund for Nature (WWF)

Wer die Homepage des WWF besucht, der findet neben den diversen Themenfeldern der Umweltstiftung eine Rubrik „Kooperationen„. Diese hat sich im Laufe der letzten Jahre dynamisch entwickelt und die Namen der Kooperationspartner lesen sich (fast) wie ein „who is who“ der deutschen Wirtschaft. Diese Tatsache hat nicht nur zu einer soliden finanziellen Basis für die Stiftung geführt, sondern auch zu der ein oder anderen kritischen Stimme (siehe Links zum Thema). Nicht nur (aber auch) wegen dieser Kritiken fragen auch wir: Wie erhalte ich als Umweltaktivist und Tierschützer meine Neutralität, wenn ich in einem solchen Maße von den Geldspenden der Wirtschaft abhängig bin? Mit dieser Frage wollen wir keineswegs in Zweifel ziehen, dass der WWF auch (und möglicherweise nicht unerhebliche) Zuwendungen von Privatpersonen erhält. Das genaue Verhältnis von Privatzuwendungen zu Industriezuwendungen lässt sich allerdings nicht feststellen.

Und die Deutsche UmweltHilfe (DUH)

Auch die Deutsche Umwelthilfe eröffnet ihren Internetauftritt mit einer Übersicht über die aktuell bearbeiteten Themen und stellt außerdem in einer Rubrik „Aktiv für die Umwelt“ dar, welche Projekte anderer Organisationen Jahr für Jahr mit Mitteln der Deutschen Umwelthilfe gefördert werden und wer mit Klimaschutz- und Medienpreisen des Vereins ausgezeichnet wurde. Im Gegensatz zum öffentlichen Bekenntnis des WWF: „das sind unsere Industriesponsoren“ verrät die Deutsche Umwelthilfe nicht wirklich, wie sich ihre Finanzierung gestaltet. Es ist zwar von „Förderern und Paten“ die Rede, um eine kritische Frage wie beim WWF zu stellen, fehlen hier allerdings offensichtliche Hinweise. Gerade deshalb aber gibt der Streit mit Danone (und dem WWF) Anlass zur Frage: „Wie unabhängig (und neutral) ist die DUH in diesem Streit, wo sie doch ein entschiedener Verfechter von Mehrwegsystemen (Jahresbericht 2010, Seite 28) ist?“

Und damit sind wir beim aktuellen Streitgegenstand, dem Joghurtbecher für Activia!

Während  Danone den Becher als neu und „umweltfreundlicher“ bezeichnet, spricht die DUH von „irreführender Werbung“ und „Verbrauchertäuschung„.

Wie kann man diese diametral entgegengesetzten Standpunkte auf ihre Richtigkeit überprüfen? Am besten sicherlich dadurch, dass man die von beiden Streitparteien zitierte Studie auf die von der jeweiligen Partei gemachten Aussagen hin prüft. Und was stellt man dabei fest?

Beide Parteien haben Recht, denn sowohl die von Danone und dem WWF zitierten (und für die Werbung genutzten) Eigenschaften sind zutreffend, wie auch die von der DUH angeführten und vom Joghurtbecher nicht erfüllten Kriterien. Dass Danone einen berechtigten Teil der Kritik der DUH wohl bereits akzeptiert hat, zeigt sich daran, dass auf der Activia-Homepage der Link zu „Activias Beitrag für die Umwelt“ stillgelegt ist.

Der Streit ist also ein Streit um Worte, ein semantischer Streit. Es geht um den von Danone verwendeten Begriff „umweltfreundlich“. Hier bezieht die DUH sich auf die Definitionen des Umweltbundesamtes, wonach als umweltfreundlich nur bezeichnet werden darf, was den Kriterien des Blauen Engel entspricht. Und das ist beim Joghurtbecher nicht der Fall. Er ist zwar klimafreundlich und ressourcenschonend, kann aber z.B. (noch) nicht recycled werden.

Bei einer Abwägung der Argumente beider Parteien sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass die DUH den Vorwurf, den sie an Danone macht („Während einzelne Vorteile aus dem Zusammenhang gerissen und aufgeblasen werden…“) auch gegen sich gelten lassen muss. Auch die DUH bläst die von ihr festgetellten Mängel auf und redet die Vorzüge des Bechers klein. Und das kann unseres Erachtens nach damit zu tun haben, dass man eben auch Lobbyist des Mehrwegsystems ist.

Eine Möglichkeit, die eine weitere Diskussionsebene eröffnet:

Wie steht es um die globale Zukunftsfähigkeit von Mehrwegsystemen (aus Glas)? Nicht nur die Tatsache, dass Kunststoffverpackungen in Europa dem Glas den Rang abgelaufen haben und vom Verbraucher akzeptiert sind, auch ein Blick nach China und Indien, wo man weg vom Glas hin zum Kunststoff strebt, zeigt, dass Kunststoffe auch in Zukunft bedeutend sein werden.

Wäre es also für die Parteien nicht sinnvoller, anstatt sich zu streiten, gemeinsam darüber nachzudenken, welche Beschaffenheit Kunststoffe in Zukunft haben sollen und wie man sie herstellt (Erdöl wird irgendwann zu Ende gehen, die Verflüssigung von Kohle wäre – nach heutigem Stand – eine ökologische Katastrophe)?

Statt zu diskutieren gilt es Trends zu kreieren und Produkte zu entwickeln, deren Umwelt- und Klimaverhalten besser ist als das der Vergangenheit. Insofern hat Danone einen Schritt in die richtige Richtung getan, diesen nur mit den falschen Worten verkündet.

Den Verbrauchern und der Umwelt nützt der aktuelle Streit in der Form, in der er ausgetragen wird, wenig. Sie hätten mehr davon, wenn die Beteiligten das für den Streit „verblasene“ Geld für die Weiterentwicklung der neuen Verpackungsidee verwendet hätten. Dafür hätte allerdings einer von beiden (oder beide gemeinsam) auf einen spektakulären – aber nicht zukunftsweisenden – Medienauftritt verzichten müssen.

 

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  • 1
    Kurt Stein

    Die Frage die sich mir aufwirft: Wie umweltschonend ist die Herstellung von jaehrlich mehreren 100 Millionen Jogurtbechern aus Maispflanzen? Werden hier tausende Hektar von Regenwald in Brasilien und Borneo abgeholzt um in Monokultur genmanipiulierte Maispflanzen anzubauen welche jaehrlich mit umweltschaedlichen Pestiziden a la „roundup“ besprueht werden?

    Das denke ich ist fuer den Verbraucher viel wichtiger als die Reportage ueber einen Rechtstreit der von den Problem an der oekologischen Basis eigentlich nur ablenkt.

  • 2
    Dieter Klemke

    Wir haben diesen Streit besonders deshalb aufgegriffen, weil er exemplarisch dafür ist, wie sich ökologisch orientierte Organisationen gegenseitig kannibalisieren können und anstatt zu klären nur neue Zweifel nähren. Nichts desto trotz ist die angesprochene Frage berechtigt und es wäre schön, wenn der Fragesteller aktiv an der Suche nach einer Antwort mitwirkt.

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