0 Mit gutem Gewissen alt werden

Ob Riester-Rente, Betriebsrente oder rein private Rentenversicherung: Man kann für sein Alter auch ethisch und ökologisch verantwortungsvoll vorsorgen. Und dabei aus über 50 verschiedenen Angeboten auswählen.

Wer früher nicht nur eine sichere, sondern auch eine ethisch korrekte Altersvorsorge wünschte, musste lange suchen. Das ist mittlerweile anders. Aus einer Auflistung des Freiburger Öko-Instituts geht hervor, dass bereits über 50 Pensionsfonds und Pensionskassen nachhaltige Anlagekriterien berücksichtigen. Zwar liegt ihr Anteil am gesamten Vorsorgemarkt noch immer unter einem Prozent. Doch die Perspektiven sind gut. So meinen nach einer Umfrage aus dem Jahr 2006 von Axa Investmentmanagers und TNS Infratest 61 % t der Deutschen, dass sich nachhaltige Geldanlagen auch für die Altersvorsorge eignen.

Vor allem drei Produktvarianten kommen dabei in ihrer grünen Ausprägung in Frage: Die Riester-Rente, die Betriebsrente und die rein private Rentenversicherung. Sowohl die Riester-Rente als auch die Betriebsrente werden dabei staatlich gefördert. Für die Riester-Rente gilt bereits seit ihrer Einführung 2002 eine Berichtspflicht über ethische, soziale und ökologische Aspekte. 2005 wurde die Berichtspflicht auch auf Betriebsrenten erweitert. Der Gesetzgeber wollte die nachhaltige Altersvorsorge dadurch stärker in das Bewusstsein von Anbietern und Verbrauchern rücken. Die Absicherung der persönlichen Zukunft – so die Idee – sollte auch die gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit fördern.

Grüne Riester-Rente für Familien besonders attraktiv

Bei der privaten Rentenversicherung fehlt die Berichtspflicht ebenso wie die staatliche Förderung. Sie ist vor allem dann attraktiv wenn die vom Staat geförderten Vorsorgemöglichkeiten bereits ausgeschöpft sind. Die Riester-Rente eignet sich aufgrund der Zuschussgestaltung vor allem für kinderreiche Familien mit geringem Einkommen. Die Betriebsrente dagegen lohnt sich für fast alle Arbeitnehmer – besonders wenn der Arbeitgeber sich bereit erklärt, einen Teil der Beiträge zu übernehmen.

Der Markt für nachhaltige Vorsorgeprodukte wird vor allem durch drei Anbieter dominiert: Provita, Oeco Capital und die Continentale. Aber auch andere Versicherer, die den Pionieren der moralischen Altersvorsorge zunächst skeptisch gegenüber standen, setzen zunehmend auf nachhaltige Vorsorgeprodukte. Dazu gehören etwa die Allianz, DBV Winterthur und Swiss Life. Zusätzliche Konkurrenz kommt von den unabhängigen „Fairsicherungsläden“, die ebenfalls Wert auf nachhaltige Kriterien legen.

Bei Altersvorsorge auf Risiken achten

Grundsätzlich gilt, dass man bei der Altersvorsorge sein Kapital noch stärker als sonst vor Risiken schützen sollte, indem man sich nicht auf eine Anlageform beschränkt. Dem wird zum Beispiel der „Provita World Fund“ gerecht. Er schichtet das Kapital bei einem drohenden Abwärtstrend am Aktienmarkt in Renten- und Geldfonds um. Von Anlagen, die vor allem an Aktienfonds gebunden sind oder bei denen bei einem Wechsel der Anlagestrategie Kosten fällig werden, sollte man dagegen besser die Finger lassen.

Dass die nachhaltige Altersvorsorge trotz der vielen attraktiven Angebote und der positiven Marktentwicklung noch immer eher die Ausnahme als die Regel darstellt, führen Experten vor allem auf einen Mangel an Informationen zurück. So kommt eine Studie der Verbraucherzentrale zu dem Ergebnis, dass Verbraucher „in Beratungsgesprächen bei Banken, Versicherungen oder sonstigen konventionellen Finanzdienstleistungsunternehmen selten bis nie darüber informiert werden, dass es Altersvorsorgeprodukte auch in ethischer und ökologischer Anlageausrichtung gibt“. Dies gilt erstaunlicherweise sogar für Anbieter, die selbst nachhaltige Altersvorsorgeprodukte vertreiben.

Misstrauen mit Transparenz begegnen

Hinzu kommt, dass viele Verbraucher dem Versprechen der Hochglanzbroschüren, dass ihr Geld nach ökologischen und sozialen Kriterien angelegt wird, misstrauen. Tatsächlich ist es kaum nachzuvollziehen, ob ein Anbieter das Kapital seiner Kunden wirklich so verantwortungsvoll anlegt wie man es vom ihm erwartet. Denn ein von einer unabhängigen Organisation vergebenes Gütesiegel fehlt bislang. Die Nichtregierungsorganisation Germanwatch empfiehlt deshalb darauf zu achten, ob ein externes Gremium, beispielsweise ein Anlageausschuss, über die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien wacht.

red/

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