1 Tropenholz für neue Strandpromenade? Umweltsünde in Travemünde?

Quelle:photocase

Durch den Hinweis eines Lobbyisten wurden wir auf ein Thema aufmerksam, das zur Zeit nicht nur in Lübeck und Travemünde, sondern auch im Internet für einige Bewegung sorgt. Es geht um die (angeblich) geplante Verwendung von Tropenhölzern im öffentlichen Raum. Eine solche Planung erstaunt besonders in Schleswig Holstein, wo noch im vergangenen Jahr  eine große Nachhaltigkeitskonferenz stattfand.

Und doch berichtet die Initiative „Rettet den Regenwald“ auf ihrer Homepage unter der Rubrik Aktiv werden über die geplante Erneuerung der Strandpromenade in Travemünde. Dort ist u.a. zu lesen:

“ In den so genannten „Aufenthalts- und Ruhezonen“ soll, so der Plan, Tropenholz verwendet werden. Unter anderem ist Plantagenteak im Gespräch.“  Die Schilderung der Situation in Travemünde weckt bei Lesern, denen die Situation vor Ort nicht im Detail bekannt ist, schnell der Eindruck, dass die Entscheidung zur Verwendung von Tropenhölzern, wenn nicht schon gefallen, so doch mindestens kurz bevorsteht und es deshalb dringendst geboten ist, den Verantwortlichen in Lübeck und Travemünde die Umweltschädlichkeit ihrer Planung deutlich vor Augen zu führen.

Dazu wird (Stichwort „Plantagenteak“) dann auch noch die Zertifizierung von Tropenhölzern durch den Forest Stweardship Council (FSC) sehr kritisch beurteilt und die Wirksamkeit der vom FSC verfolgten „nachhaltige(n) Entwicklung“ für Wälder angezweifelt. Derselbe FSC, der von Organisationen wie z.B. greenpeace und BUND, nach wie vor und trotz aller ständig erforderlichen Nachbearbeitungen und Verbesserungen, als das einzige funktionierendes Zertifizierungssystem bezeichnet wird.

Die Initiative fordert die Stadt Lübeck auf, bei der Neugestaltung der Strandpromenade in Travemünde gänzlich auf die Verwendung von Tropenholz zu verzichten und bietet den Besuchern der Homepage eine vorgefertigte E-Mail an, deren erster Satz: „mit großer Bestürzung habe ich erfahren, dass Sie bei der Neugestaltung der Travemünder Strandpromenade für Sitzgelegenheiten Tropenholz verwenden wollen.“ den Eindruck erweckt als sei bereits für die Verwendung von Tropenholz entschieden worden.

Bevor wir von die Buergerlobby uns entscheiden eine Aktion zu unterstützen, hinterfragen wir üblicherweise noch einmal den tatsächlichen Stand der Dinge bei den direkt Betroffenen.

Am 11.05.  sprachen wir deshalb Uwe Kirchhoff, dem Kurdirektor (und damit Bauherr), von Travemünde und mit Ulrich Pluschkell, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bauausschusses von Lübeck.

Für Herrn Kirchhoff war das Wort „Strandpromenade“ im ersten Augenblick wohl so etwas wie das sprichwörtliche rote Tuch für den Stier. Er musste nämlich zunächst seinem Unmut über die ca. 4.000 E-Mails und die daraus folgende massive Überlastung seines Servers, Luft machen. Danach allerdings war ein sehr offenes Gespräch möglich, in dessen Verlauf sich schnell herausstellte, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keinerlei Entscheidung über die zu verwendenden Materialien gefallen ist und dass die Vorbehalte gegen Tropenholz aus mehreren Gründen geteilt werden. Wenn an der Ostsee Holz verwendet wird, dann sollte dies tunlichst eines sein, das den Angriffen der Bohrmuschel wiederstehen kann. Damit fallen einige Hölzer (einheimische und Tropenhölzer) sofort aus. Ansonsten würden, wenn überhaupt, nur nach FSC zertifizierte Hölzer verwendet werden.
Wir meinen, solange das FSC Zertifikat das einzig weltweit akzeptierte Zertifikat ist, darf man niemand vorwerfen, wenn er danach handelt.

Auch unser Gespräch Ulrich Pluschkell begann mit der Klage über eine E-Mail Flut (am 10.05. ca. 1.000) und die damit verbundenen arbeitsintensiven Folgen. Zum Thema selbst bestätigte Herr Pluschkell als Erstes, dass noch keinerlei Entscheidungen zur Materialauswahl gefallen seien. Erst jetzt wird es zu Muster- und Probensichtungen kommen. Ausdrücklich hob er hervor, dass er persönlich grundsätzliche Vorbehalte gegen die Verwendung von Tropenhölzern hat und deshalb schon seit Jharen darauf hinarbeitet, dass in Lübeck generell auf die Verwendung von Tropenholz verzichtet wird.

Beide Herren gaben unumwunden zu, dass sie sich über die E-Mail-Aktion geärgert haben und sich deshalb mit der Aktion insgesamt nicht weiter beschäftigen wollten. Ganz besonders auch deshalb, weil vor Beginn der Aktion keiner von Beiden die Gelegenheit hatte sich zum tatsächlichen Sachstand zu äußern.

Aufgrund dieser Erkenntnisse möchten wir die E-Mail-Aktion nicht aktiv unterstützen, werden aber trotzdem einen Beitrag dazu leisten, dass für die neue Strandpromenade von Travemünde keine Tropenhölzer verwendet werden.

Die Aktion „Strandpromenade Travemünde“ dient für uns ein Beispiel dafür,  welche Risiken und Nebenwirkungen in einem „schnellen“ Protest ohne eine vorangehende, sorgfältige Recherche enthalten sind: Mails werden nach der ersten Überraschung als SPAM aussortiert; Empfänger fühlen sich zu unrecht attackiert, weil ihnen etwas unterstellt wird; die Aktion hält einer nachfolgenden Recherche nicht standund schadet dem Absender mehr als dass sie ihm nützt.

Die Initiative „Rettet den Regenwald“ haben wir über diesen Beitrag informiert und Raum für eine Kommentierung angeboten.

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    Burkhard Redeski

    Danke, dass sich diebuergerlobby.de so intensiv der Aktion von Rettet den Regenwald angenommen hat. Wir sind froh über einen konstruktiven Austausch und nehmen gern zum Bericht Stellung.

    Der größte Vorwurf an unsere Aktion scheint zu sein, dass die Entscheidung für Tropenholz noch gar nicht gefallen ist. Dies ist keine „Recherchelücke“. Dieser Umstand ist uns klar gewesen, und es ist sogar genau der Grund, warum wir unsere Aktion jetzt gestartet haben. Wir wollen den Entscheidungsprozess konstruktiv und im Sinne des Regenwaldschutzes mitgestalten. Darum schreiben wir auf unserer Internetseite „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt den Verantwortlichen klar zu machen, dass sie auf Tropenholz verzichten müssen.“ (http://www.regenwald.org) Wir wollen nicht warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, um dann unseren Protest kund zu tun. Wir möchten die Chance nutzen, bei der Entscheidungsfindung mitzugestalten. Dieses Ziel haben über 12.500 andere Menschen scheinbar auch und haben deshalb unseren vorbereiteten Brief an die Verantwortlichen in Lübeck abgeschickt. Daran können wir nichts Falsches erkennen.

    Zu einigen der von diebuergerlobby.de genannten Fakten:
    Sie zitieren (indirekt) Herrn Pluschkell mit der Aussage, dass die Muster- und Probensichtung noch ansteht. Hierzu verweisen wir auf „Travemünde Aktuell“ vom 19. April 2010. Die Original-Bildunterschrift: „Ulrich Pluschkell (SPD) begrüßte den Bauausschuss auf der Bemusterungsfläche.“ http://www.travemuende-aktuell.de/aktuell/nachrichten_14176-Strandpromenade_Kurbetriebs_und_Bauausschuss_tagen_gemeinsam.htm
    Unsere Schlussfolgerung: Der sicherlich mehrere Sitzungen in Anspruch nehmende Prozess der Bemusterung ist im Gange.

    Im Widerspruch zum genannten „Tropenholzverzicht“ der Stadt Travemünde heißt es in dem Bericht weiter: „Für die Möblierung sollen noch Muster vorgestellt werden, Material ist zertifiziertes Tropenholz, vielleicht Plantagenteak, auf jeden Fall pflegeleicht unbehandelt und damit Veränderungen unterworfen.“
    Unsere Schlussfolgerung: Über Tropenholz ist gesprochen worden.

    diebuergerlobby.de bezeichnen das FSC-Zertifikat als einziges „weltweit akzeptiertes Zertifikat“. Darüber wird sich das FSC sicherlich freuen. Anders sehen das immer mehr Umweltgruppen, die in den Ländern des Regenwaldes aktiv sind. Es gibt kritische Töne, die im Klima eines wirtschaftsfreundlichen Greenwashings nicht so gern gehört werden z.B. http://www.fsc-watch.org oder http://www.regenwald.org/regenwaldreport.php?artid=301. Das FSC-Siegel ist bei weitem nicht weltweit akzeptiert.

    Zu den bisherigen Reaktionen auf die Aktion:
    Dass Herr Pluschkell und Herr Kirchhoff laut Ihrem Bericht „verärgert“ sind, passt nicht mit unserem Verständnis vom demokratischen Willensbildungsprozess zusammen. Die Aktion richtet sich in keiner Weise gegen eine der beiden Personen. Sie sind Funktionsträger und als solche sprechen wir sie mit dem gebotenen Respekt an. Der persönliche Unmut darf den Blick auf die Sachlage nicht verstellen und keine Grundlage für die Bewertung der Aktion sein.

    Ganz anders hat die Lübecker Bürgerschaftsfraktion der Grünen reagiert, die durch die Aktion auf die Frage aufmerksam geworden ist. Sie hat am 11. Mai einen Antrag gestellt, geeignetes Holz aus dem Lübecker Stadtwald zu verwenden.

    Es ist freundlich von diebuergerlobby.de, dass wir ihre Einschätzung der Aktion kommentieren können. Die Meinung, dass unsere Aktion ein schneller Protest ohne eine vorangegangene, sorgfältige Recherche sei, können wir nicht teilen. Aus dem persönlichen Unmut von Politikern über demokratische Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern sollte man nicht mangelnde Seriosität der Aktion ableiten.

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