0 Giftige Chemikalien
in fast allen Produkten aus 1-Euro-Shops

Der nachfolgende Beitrag stammt aus der Redaktion von codecheck in Zürich!

Die Preise sind unschlagbar, das Angebot groß — so locken viele Ein-Euro-Shops zahlreiche Käufer an. Das Problem: In den meisten der Billigprodukte stecken hochgiftige Stoffe.

Sparen um jeden Preis?

Für alle Sparfüchse oder Menschen, die knapp bei Kasse sind, scheinen Ein-Euro-Shops wahre Paradiese zu sein. Hier gibt es Küchenutensilien, Schreibwaren, Tierzubehör, Dekoration — eigentlich fast alles, was man sich vorstellen kann. Und jeder Artikel ist spottbillig, für Preise von unter einem Euro bis maximal 5 Euro ist hier wirklich alles zu haben.

Ein Schlaraffenland? Leider nein, denn der günstige Preis kommt natürlich nicht von ungefähr. Billige Rohstoffe, Massenproduktion ohne Qualitätskontrollen, schlechte Arbeitsbedingungen — all das nehmen die Händler in Kauf, um den Preis so stark drücken zu können.

Auch die Käufer sagen stillschweigend „Ja“ zu solchen Produktionsbedingungen, indem sie die Billigprodukte kaufen und so die Nachfrage aufrecht erhalten. Dabei wissen viele gar nicht, dass sie nicht nur anderen Menschen und der Umwelt damit schaden, sondern auch sich selbst. Jeder Einkauf im Ein-Euro-Shop birgt Risiken, denn viele der angebotenen Waren sind hochgiftig.

US-Studie beweist: 80 Prozent der Produkte hochgiftig

So naheliegend es ist, viele Konsumenten, wissen nicht, wie die Billigprodukte in den Ein-Euro-Shops produziert werden. Dabei lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen, um einschätzen zu können, was man beim Kauf in solchen Geschäften unter Umständen riskiert.

Um die Waren später so günstig anbieten zu können, produzieren die Hersteller meist in Billiglohnländern wie China oder Taiwan. Dort werden die Produkte nicht nur kostengünstig hergestellt, sondern in den meisten Fällen auch keiner Qualitätskontrolle unterzogen.

Eine Untersuchung amerikanischer Wissenschaftler hat jetzt gezeigt, dass etwa 80 Prozent dieser Produkte extrem giftige Chemikalien enthalten, die viele Krankheiten von Allergien bis hin zu Krebs verursachen können. Die „Campaign for Healthier Solutions“ untersuchte dafür insgesamt 164 Produkte aus Ein-Dollar-Läden in verschiedenen US-Staaten.

Am häufigsten fanden die US-Wissenschaftler toxische Phthalate in den Plastik-Produkten, gefolgt von Blei, Polyvinylchlorid (PVC) und Chlor.

Auch in Deutschland viele giftige Produkte

Auch in Deutschland waren bereits vor Jahren ähnliche Untersuchungen gemacht worden — mit sehr ähnlichen Ergebnissen. So stellte der TÜV Rheinland 2009 fest, dass die meisten Produkte aus Ein-Euro-Shops sehr hohe Konzentrationen von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) enthalten. Die freiwilligen Richtwerte, die für diese gefährlichen Stoffe gelten, wurden teilweise um das Hundertfache überschritten.

Ähnlich wie in den USA untersuchten auch die deutschen Tester verschiedenste Produkte aus Baumärkten und Ein-Euro-Shops in ganz Deutschland. „Die Testergebnisse waren erschreckend“, erklärte Hartmut Müller-Gerbes, Sprecher des TÜV Rheinland.

Gefunden wurden die giftigen Stoffe z.B. in billigen Badesandalen, Armbanduhren, Schraubendrehern oder Hammergriffen. Auch eine untersuchte Massagehülle für das Autolenkrad wies erschreckend hohe PAK-Werte auf: Tests zeigten, dass die PAK-Menge, die vom menschlichen Körper innerhalb einer Stunde von dieser Hülle aufgenommen würde, dem Konsum von etwa 1100 Zigaretten in derselben Zeit entspricht.

Schwere gesundheitliche Folgen möglich

Um deutlich zu machen, welches Risiko, die Billigprodukte bergen noch einmal die Erklärung für alle Nicht-Chemiker: Die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) sind eine Stoffgruppe, aus mehreren hundert Einzelverbindungen. Sie entstehen bei der Erhitzung bzw. Verbrennung von organischen Materialien unter Sauerstoffmangel (unvollständige Verbrennung).

Zahlreiche PAK erzeugen nachweislich Krebs. Außerdem wirken viele PAK giftig auf das Immunsystem und die Leber, schädigen das Erbgut und reizen die Schleimhäute.

Laut Einschätzung des Bundesinstitus für Risikobewertung besteht ein begründeter Verdacht, dass PAK neben seiner krebserzeugenden und erbgutschädigenden Wirkung auch die Fruchtbarkeit mindern kann.

Nach Alternativen suchen

Es wird deutlich: Der Kauf solcher Billigprodukte sollte unbedingt vermieden werden. Natürlich können andere Hersteller solche niedrigen Preise nicht anbieten. Im Endeffekt gibt man aber in vielen Fällen das selbe Geld aus, da Billigwaren nur eine sehr kurze Lebensdauer haben.

Und auch Abseits von Ein-Euro-Shops kann man Schnäppchen machen. So bieten beispielsweise viele Second-Hand-Läden neben Kleidung auch Haushaltswaren, Keramik, Bücher, und viel mehr an. Auch in Ankauf-Verkauf-Geschäften kann man von Spielzeug, über Elektrogeräte bis hin zu DVDs fast alles gebraucht und daher günstig bekommen.

Heute bietet natürlich auch das Internet zahlreiche Möglichkeiten. Bei Versteigerungsportalen kann man oft Schnäppchen machen — wenn man Glück hat auch schon mal Produkte für einen Euro ersteigern. Außerdem gibt es Tauschportale und Tauschbörsen für Kleidung, Haushaltsprodukte, Bücher, CDs, DVDs und so weiter.

Fazit: Niemand ist auf krankmachende Billigprodukte aus Ein-Euro-Shops angewiesen. Lieber sollte man geprüfte Produkte kaufen (bei Geldmangel einfach auf gebrauchte Produkte zurückgreifen). So kann man gleichzeitig auch der Wegwerfgesellschaft adé sagen.

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