0 Das Fleisch und das Zwei-Grad-Klimaziel

Bereits im Jahr 2007 titelte der Spiegel „Forscher waren: Kritischer Punkt beim Klimawandel bereits überschritten“. In dem Artikel wird eine Warnung des Klimaforschers James Hansen, Direktor des Goddard Institute for Space Studies der Nasa, zitiert: „Ich denke, wir haben den kritischen Punkt beim Klimawandel schon überschritten.“ Hansen ließ aber noch ein Fünkchen Hoffnung, indem er weiterhin sagte, dass er nicht glaube, dass der „point of no return“ bereits überschritten sei.

Die Warnung damals wurde besonders vor dem Hintergrung neu geplanter Kohlekraftwerke ausgesprochen. Heute gibt es eine ähnliche Warnung und diese scheint um einiges bedrohlicher, denn sie bezieht sich auf den steigenden Treibhausgas-Ausstoß aufgrund des weltweit wachsenden Fleischbedarfs.

Das englische Chatham House, eine international anerkannte Denkfabrik in London, hat unter dem Titel „Unkontrolliert wachsender Fleischkonsum kann Klimazug entgleisen lassen“ eine Studie veröffentlicht, die im Ergebnis sagt, dass das international vereinbarte Zwei-Grad-Klimaziel nur dann erreicht werden kann, wenn die Politik umgehend Maßnahmen gegen den explosionsartigen Fleischkonsum einleitet.

Wie wird unsere Bundeskanzlerin dieses Thema wohl ihrem Volk näherbringen? Wann wird vegane Ernährung als einzige politisch korrekt sein?Getrieben wird die kritische Entwicklung besonders durch den extrem steigenden Verzehr von Rind- und Lammfleisch. Für die Väter der Studie ist es unwahrscheinlich dass die Klimaziele erreicht werden können, wenn die Verzehrkurve weiterhin so steigt wie dies aktuell der Fall ist. Dies wird insbesondere dann der Fall sein, wenn in den wachsenden Volkswirtschaften der Entwicklungsländer der Konsum in ähnlichem Maße steigt, wie dies im Westen der Fall ist. Würden diese Länder, so wie bisher, trotz steigendem Konsum unterhalb des westlichen Niveaus bleiben, könnten das Zwei-Grad-Klimaziel vermutlich erreicht werden. Wenn aber in diesen Ländern bis ins Jahr 2050 der westliche Konsumstandard erreicht werden sollte, dann müssen wir – trotz aller Bemühungen um saubere Energie und andere ambitionierte Projekte – mit einer Klimaerwärmung von bis zu vier Grad rechnen. Dieses Szeanrio wird bereits heute durch die Entwicklungen in China, Brasilien und Indien gestützt. In diesen drei Ländern wächst der Fleischkonsum weltweit am schnellsten.

Sollte das obengenannte Szenario greifen und die bisherige Entwicklung sich fortschreiben, dann wäre der zusätzliche Treibhausgas-Ausstoß aufgrund des Konsums von Lamm-, Rind- und anderem Fleisch aureichend um alle Erfolge in anderen Bereichen hinfällig zu machen. Dann wäre allein der Konsum der westlichen Welt ein Vier-Grad-Konsum. Dann könnte auch der Rest der Welt diesen Exzess nicht mehr kompensieren.

Glücklicherweise steht dieser ernüchternden Erkenntnis jedoch auch eine positive Perspektive gegenüber. Nichtnachhaltiger Konsum stellt ein bedeutendes und zugleich weitgehend unbearbeitetes Feld für kostengünstige Schadensbegrenzung dar. Würde er konsquent gemindert, so würde das die Formulierung neuer und ambitionierter Klimaziele erlauben.

Der vom Umweltministerium Großbritanniens (UK Department for Energy and Climate Change) kürzlich als interaktives Web Tool veröffentlichte „Weltrechner“ (Global Calculator) erlaubt es jedermann die Folgen von Verhaltensänderungen und geändertem Energieverbrauch zu simulieren und deren praktische Auswirkungen zu simulieren.
Der Global Calcultor liefert eine überzeugende Visualisierung dessen, was Experten schon längst wissen: Wenn die westlichen Konsumstandards weltweit übernommen werden, wird es unmöglich sein das Ziel „Zwei-Grad über der Temperatur der vorindustriellen Zeit“ zu erreichen. Diese Marke gilt es zu erreichen wenn gefährliche Klimaveränderungen abgewendet werden sollen.

Trotz dieser zwingenden Erkenntnisse sind Regierungen und sogar Umwelt- und Verbraucherverbände mit konkreten Maßnahmen zurückhaltend. Dies erklärt sich wohl mit der Angst es sich mit Wählern und Spendern zu verscherzen. Man will nicht in den Verdacht geraten, den Menschen vorzuschreiben was sie essen sollen, denken Sie an den öffentlichen Aufschrei bei dem von Grünen Politikern ins Gespräch gebrachten „veggie-day“.

Dabei steckt in einem veränderten Fleischkonsum nicht nur Bedrohliches und Verzicht für die Menschen. So isst der durchschnittlice Europäer zweimal soviel Fleisch wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Würde hier eine Umstellung auf weniger Fleisch verbunden mit der Erhöhung des Anteils von Geflügel- und Schweinefleisch erfolgen, würde dies ein relevanter Beitrag zur Volksgesundheit sein. Schließlich werden Herz- Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes in engen Zusammenhang mit einem zuviel an „rotem Fleisch“ gebracht.

Trotzdem wird die Umstellung der Ernährung nicht leicht zu erreichen sein. Eine erst kürzlich durchgeführte Marktforschung von Ipsos MORI im Auftrag des Chatham House ergab, dass die große Öffentlichkeit weder Aufmerksamkeit noch Kenntnis für und über die Zusammenhänge von Fleischkonsum und Klimaveränderung hat.

Es gilt deshalb zunächst alles zu tun um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf dieses Thema zu lenken. So wird es dann auch den Politikern immer schwerer gemacht das Thema zu ignorieren.

 

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