0 Wohin mit Arzneimittelresten?
Schmerzmittel belasten deutsche Gewässer

Ein Beitrag in dem unabhängigen Informationsblatt Gute Pillen – Schlechte Pillen hat uns auf ein Thema aufmerksam gemacht, dass in vielen Haushalten zu Fragen und Unsicherheiten führen dürfte: Was tun mit Arzneimittelresten? Welche Risiken die Entsorgung solcher Produkte bergen kann, macht eine Meldung der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA deutlich, mit der diese vor dem sorglosen Umgang mit dem Schmerzpflaster Fentanyl warnte.

Danach sind in den vergangenen 15 Jahren durch unachtsam gelagerte oder entsorgte Pflaster 26 versehentlichen Vergiftungen bei Kindern (10 Kinder starben) vorgekommen. Wenn Kinder sich diese Pflaster auf die Haut kleben oder darauf herumkauen, kann es zum Atemstillstand kommen.

Ein ähnlich hohes Risiko besteht auch bei gebrauchten Schmerzmittelpflastern, weshalb man auch diese kindersicher verwahren und entsorgen sollte. Auch in Deutschland fallen jedes Jahr rund 25 Millionen gebrauchte Schmerzmittelpflaster an – die Frage lautet: Wohin damit?

Wie bedeutsam eine befriedigende Antwort auf diese Frage ist, das wird aus einer Pressemitteilung des Umweltbundesamtes deutlich. Danach gelangen jeden Tag mehrere Tonnen an Arzneimittelwirkstoffen in die Umwelt. Überwiegend durch menschliche Ausscheidungen, aber eben auch – mehrere 100 Tonnen pro Jahr – durch unsachgemäße Entsorgung über die Toilette. Dies führt inzwischen zu einer deutlichen Belastung deutscher Gewässer.

Im August 2014 sagt das Umweltbundesamt zum Thema Arzneimittelentsorgung folgendes:

Arzneimittelreste gehören nicht in die Toilette oder Spüle. Sie können in den Restmüll gegeben werden. Aus Vorsorgesicht sollte eine Entsorgung bevorzugt über die Schadstoffsammelstellen oder die Apotheken erfolgen. Technische Verbesserungen bei Kläranlagen sind eine teure, aber oft wirkungsvolle und relativ kurzfristig umsetzbare Option, um die Einträge in die Umwelt zu mindern. Ein aus Umweltsicht besonders zukunftsfähiges Konzept ist es aber, nicht erst am Ende, sondern bereits am Beginn des Lebenszyklus eines Medikamentes anzusetzen. Unter dem Namen „Green Pharmacy″ werden verschiedene Ansätze verfolgt, um Umweltaspekte wie ein besseres Abbauverhalten schon in die Entwicklung eines Arzneimittels einzubeziehen.

Glaubt man den Ausführungen von Gute Pillen – Schlechte Pillen, dann ist allerdings die Rückgabe von Arzneimittelresten an die Apotheken keineswegs der Königsweg der Entsorgung, denn auch dort landen Arzneimittelreste oft im Müll. Gute Pillen – Schlechte Pillen:

Apotheken sind übrigens nicht verpflichtet, abgelaufene oder gebrauchte Arzneimittel zurückzunehmen! Oft landen sie auch dort im Müll. Das separate Entsorgungssystem, bei dem früher Medikamente als Sondermüll mit hohen Temperaturen verbrannt wurden, ist aus Kostengründen weitgehend zusammengebrochen.

Wieder einmal scheinen die Kunden den schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen, während die übrigen Beteiligten sich von Verpflichtungen freihalten. Solange, bis durch einen großen Unfall das Thema von einer Minute zur anderen auf den Nägeln brennt.

Die Redaktion der Bürgerlobby wird das Thema weiterverfolgen und Industrie und Behörden befragen, welche sicheren Lösungen man sich dort vorstellt und wie diese realisiert werden sollen.

 

 

 

 

 

 

 

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