0 Bangladesh
Ground Zero des Klimawandels

Auf der Liste der reichsten und ärmsten Länder der Welt liegt Bangladesh auf Platz 139 von 175 Ländern und zählt damit zu den Allerämsten. Und just dieses Land wird von den Klimaforschern in aller Welt als “Ground Zero des Klimawandels” bzeichnet. Eines der ärmsten Länder der Welt zahlt den Preis für die Unfähig- und Unwilligkeit der Industrienationen, sich zu wirkungsvollen und konsequenten Umweltschutzprogrammen zu vereinbaren. Statt dessen werden ergebnislose Veranstaltungen wie Rio+20, deren Abschlusserklärung bereits vor Beginn der Veranstaltung geschrieben war,  als “großer Erfolg” gefeiert.

In keinem Land der Welt ist der Klimawandel so schmerzhaft spürbar wie in Bangladesh. Nach dem von Germanwatch und der Münschener Rück erstellten Weltklima-Index ist Bangladesh das am stärksten von extremen Wetterereignissen betroffene Land.

Sven Harmeling, Mitautor des Klima-Index bei Germanwatch, meint dazu:
“Wetterextreme sind eine zunehmende Bedrohung für das Leben und die volkswirtschaftlichen Werte auf der ganzen Welt und ihre Bedeutung wird wegen des zu erwartenden Klimawandels noch größer werden. Wie unsere Analysen zeigen, werden die ärmsten Länder davon ganz besonders betroffen werde.”

In einem Interview mit IN ASIA, dem wöchentlichen Periodicum der Asia Foundation, beschreibt Jerome Sayre, ehemals Länderbeauftragter für Bangladesh, die Situation seines Landes so, dass man Überschwemmungen und Cyclone bereits aus der Vergangenheit kennt, dass diese sich aber in Folge des Klimawandels verstärken und gleichzeitig zerstörerischer werden. Verschlimmert wir die Lage des Landes durch einen permanent absinkenden Grundwasserspiegel und Flüsse, die immer weniger Wasser führen. Phänomene die, genau wie die zunehmende Versalzung küstennaher Ackerbauflächen, nicht primär dem Klimawandel zugeschrieben werden können. Der Klimawandel wird diese Erscheinung allerdings weiter verstärken können.

Auf dem Klimagipfel von Cancun im Jahr 2010 war beschlossen worden einen 100 Milliarden Dollar schweren “Grünen Fonds” zu schaffen, dessen Mittel Ländern wie Bangladesh bis 2020 ermöglichen sollten, dringend nötige Umweltmaßnahmen zu finanzieren. Von diesen Mitteln ist allerdings bis heute kaum ein Cent geflossen. An dieser Tatsache hat auch Rio+20 nichts geändert. Im Gegenteil, es ist nunmehr die Rede frühestens im Jahr 2014 einen Nachhaltigkeitsfonds aufzulegen. Vom “Grünen Fonds”, beschlossen in Cancun 2010 ist im Jahr 1012 keine Rede mehr.

Wir leben in Europa in einer Welt der Glückseligen – die Folgen des Klimawandels bedeuten für uns (noch) nicht mehr, als dass in Norwegen der erste Wein angebaut werden kann oder, dass Skifahren erst in größerer Höhe möglich wird. Eine von Germanwatch erstellte Analyse über die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf Deutschland zeigt allerdings, dass auch wir – wenn keine massiv wirksamen Massnahmen ergriffen werden – Überflutungen, Erosion und Versalzung kennenlernen werden.

Die Welt wird sich auf Dauer keine Veranstaltungen wie Kopenhagen (2009), Cancun (2010), Durban (2011) und Rio+20 (2012)  mehr leisten können. Veranstaltungen, auf denen sich viele Menschen tagelang in folgenlosen Absichtserklärungen übertreffen und dann – ohne Ergebnis – wieder auseinandergehen.

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