0 Der norwegische Pensionsfonds:
Eine moralische Macht

Quelle: photocase; <br> Foto: codswollop

Quelle: photocase; Foto: codswollop

Der norwegische Pensionsfonds gehört zu den größten der Welt. Unternehmen, die nicht nachhaltig wirtschaften, schmeißt er öffentlichkeitswirksam aus seinem Portfolio. Sein bislang prominentestes Opfer ist Wal Mart.
Dank seiner Bodenschätze in der Nordsee hat sich Norwegen in den letzten Jahrzehnten zu einem der reichsten Länder der Welt entwickelt. Heute ist der skandinavische Staat der weltweit drittgrößte Ölexporteur und viergrößte Gasexporteur. Doch eines Tages wird der norwegische Ölschatz aufgebraucht sein.

Für die Zeit nach dem Öl möchte das Land gewappnet sein. Um den Wohlstand auch für die zukünftigen Generationen zu sichern, wurde 1990 der staatliche Ölfonds gegründet. Die norwegische Zentralbank verwaltet und vermehrt mit ihm die Milliardeneinnahmen aus dem Rohstoffgeschäft. Der Fonds verfügt über ein Vermögen von rund 246 Milliarden Euro – und ist damit einer der größten Investmentfonds der Welt.

2006 wurde der Fonds im Rahmen einer Reform vom „Ölfonds“ zum „Pensionsfonds“ umbenannt. Das mag zunächst unverständlich erscheinen, denn der Fonds finanziert eigentlich keine Pensionskasse. Doch mit der Umbenennung soll die Bedeutung des Fonds für die Nation unterstrichen werden: Norwegen will das Kapital aus den Rohstoffexporten auf die hohe Kante legen, um auf schlechtere Zeiten vorbereitet zu sein. Unter anderem sollen die Kosten der alternden Gesellschaft durch den Fonds abgemildert werden.

Unethische Unternehmen werden ausgeschlossen

Die norwegische Regierung möchte aber nicht nur gewinnbringend, sondern auch ethisch korrekt investieren – das ist die Besonderheit des Fonds. 2004 wurden deshalb vom Ethikrat des Finanzministeriums moralische Investitionsleitlinien erarbeitet. Im Wesentlichen beinhalten sie zwei Ziele: Zum einen soll das Vermögen des Fonds gemehrt werden, um so der moralischen Verpflichtung gegenüber den zukünftigen Generationen gerecht zu werden. Zum anderen soll nicht in Unternehmen investiert werden, die Menschenrechte verletzen, Korruption unterstützen oder der Umwelt schaden.

Der Ethikrat nimmt die Unternehmen dafür genau unter die Lupe. Jährlich überprüfen die Mitarbeiter des Rates zwischen drei- und viertausend Firmen. Im Falle einer negativen Beurteilung haben die Unternehmen die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Können sie die Vorwürfe dementieren, bleiben sie im Portfolio. Ansonsten werden sie ausgeschlossen. Die Empfehlungen und Entscheidungen des Ethikrats werden auf der Homepage des Finanzministeriums ausführlich begründet und veröffentlicht.

Prominentestes Opfer: Wal Mart

Seit 2004 hat der Pensionsfonds mehr als zwei Dutzend Unternehmen aus seinem Portfolio gestrichen. Mehr als zwanzigmal waren dabei Tätigkeiten im Rüstungssektor ausschlaggebend. So wurden Anfang dieses Jahres die Beteiligungen an dem südkoreanischen Streumunitionsproduzenten Hanwha sowie die an den in der Atomwaffenproduktion tätigen Unternehmen Serco und GenCorp veräußert. Ebenfalls auf Grund ihrer Rüstungsgeschäfte hat das Finanzministerium die beiden Flugzeugbauer Boeing und EADS auf die schwarze Liste gesetzt. Dreimal wurden Unternehmen zudem wegen umweltschädlichen Verhaltens, zweimal aufgrund von Menschenrechtsverletzungen ausgeschlossen.

Für das größte Aufsehen sorgte aber 2005 der Rauswurf des weltgrößten Einzelhandelskonzerns Wal Mart mit der Begründung der Missachtung von Menschen- und Arbeitnehmerrechten. Dem Konzern werden die Diskriminierung von Frauen, Dumpinglöhne, Arbeitszeitverstöße und die Beschäftigung von Kindern bei Lieferanten vorgeworfen. Die Arbeiter des größten privaten Arbeitgebers der USA sind zudem durch keine Gewerkschaft vertreten. Weltweit werden zahlreiche Gerichtsprozesse gegen Wal Mart geführt. In Deutschland wurde eine „Ethik-Richtlinie“, die den Führungskräften des Unternehmens unter anderem untersagt, mit ihren Untergebenen zum Abendessen auszugehen, für verfassungswidrig erklärt.

In Zukunft müssen wohl noch mehr Unternehmen fürchten, von den Norwegern aus dem Pensionsfonds ausgeschlossen zu werden. Im kommenden Jahr wird vom Finanzministerium voraussichtlich eine Verschärfung der ethischen Investitionsleitlinien vorgenommen. “Tabakproduktion, Glücksspielindustrie, Staaten, die gegen Menschenrechte verstoßen, Sexindustrie – das sind konkrete Themen, über die diskutiert wird“, so die norwegische Finanzministerin Kirstin Halvorsen.

Links zum Thema:

Kein Komplize sein DIE ZEIT

Ethikrat verbannt Tabakindustrie aus dem Pensionsfond

Heiliges Experiment im hohen Norden trend.at

red/fr

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