0 Gentrifidingsbums oder eine Stadt für Alle

von Christoph Twickel

Die Stadt als „Lebensmittel“ für ihre Bewohner und nicht als abstrakte Basis für Messgrößen wie „Fußgänger-Frequenz in der Stunde“ oder „Kaufkraftbindung“, das ist es, worüber Christoph Twickel in Gentrifidingsbums oder eine Stadt für alle berichtet.

Am Beispiel Hamburgs zeigt er auf, wer heute um die Vorherrschaft in den Städten streitet: Agenturen für Stadtmarketing und kommunale Stadtentwicklung auf der einen Seite, kreative Bürger aus den verschiedensten Bereichen, Menschen, die „von unten“ für die Stadt für alle kämpfen, auf der anderen.

Die unterschiedliche Weltsicht dieser Gruppen wird besonders deutlich, wenn man Inés aus Santiago de Cuba auf ihren Gängen durch die Stadt begleitet. Wenn sie den bunten Mix und die Vielfalt der Möglichkeiten lobt, dann steht dem gegenüber ein „Funktionsverlust“ der sich in „einer anhaltend sinkenden Kaufkraftbindung“ manifestiert. Oder, wie Twickel feststellt: „Auf einer Straße kann noch so viel los sein, wenn die Passanten keine Umsatzbringer sind, liegt eine Störung vor.“

Liegt die Zukunft der Stadt im „Starck-Haus“ wie es in der Hamburger Hafencity gebaut und mit Quadratmeterpreisen von um die 5.000 Euro vermarktet wird? Ist das die Voraussetzung für eine „pulsierende Metropole“, die „ein anregendes Umfeld und beste Chancen für Kulturschaffende aller Couleur“ bietet. Oder gibt es jenseits der Image City noch eine Stadt, die nicht in Image-Kategorien, sondern in Bürgerbedürfnissen denkt?

Gentrifidingsbums oder eine Stadt für alle ist ein Werkzeug. Ein Werkzeug, das hilft, beim Erkennen, beim Analysieren, beim Verändern. „Komm in die Gänge!“, das ist nicht nur eine Aufforderung, das ist ein Modell für neues bürgerschaftliches Engagement auf dem Weg zur Stadt für alle.

Gentrifizierung:

Gentrifizierungsprozesse laufen nach typischen Mustern ab: Wegen niedriger Mietpreise wie zunehmend attraktiver Lage werden einzelne Stadtteile für „Pioniere“ (Studenten, Künstler, Subkultur) attraktiv. Diese werten die Stadtteile durch kulturelle Aktivitäten zusätzlich auf und setzen einen Segregationsprozess in Gang. Studenten steigen ins Berufsleben ein, verdienen deutlich mehr Geld als zuvor und gründen Familien. Künstler etablieren sich und bringen weitere Interessenten in die Stadtteile. Investoren sehen Chancen zur Wertsteigerung, Häuser und Wohnungen werden zunehmend systematisch aufgekauft und restauriert, Szene-Clubs und Lokale entstehen – nun steigen die Mieten weiter und finanziell schwache Alteingesessene wandern zunehmend ab. Die ursprüngliche Bevölkerungsstruktur und der Charakter der Viertel wandeln sich. Die Gentrifizierung geht einher mit einem allgemeinen Segregationsprozess.

[asa]3894017260[/asa]

 

 

{ 0 Kommentare... Schreibe einen Kommentar }

Sie können entweder das Formular ausfüllen oder sich mit Ihren Facebook-Konto anmelden, um Kommentare schreiben zu können.

 

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 

Zum Absenden bitte folgende Aufgabe lösen: *