0 Der Herr der Krähen

Roman
von Ngugi wa Thiong
aus dem Englischen von Thomas Brückner

Die Rezension zu diesem Buch hat Carl-Heinrich Bock bei amazon veröffentlicht. Wir übernehmen sie gerne, weil wir sie für sehr treffend und hilfreich erachten. Danke Carl-Heinrich Bock!

Der Autor Ngugi wa Thiong stammt aus Kenia, lebt seit über 20 Jahren in den USA, wo er an der University of California Literaturwissenschaften lehrt. Sein fast 1000 Seiten langer, atemberaubender Roman „Herr der Krähen“ spielt in der frei erfundenen afrikanischen Republik Aburiria. Es ist eine bitterböse Satire über einen gottgleichen afrikanischen Diktator. Er hat im Roman keinen Namen , man nennt ihn demütig „Seine allmächtige Vortrefflichkeit“. Und dieser despotische, sadistische, größenwahnsinnige Herrscher tötet nicht nur gnadenlos seine Feinde, er vergewaltigt Kinder und lässt sich sonst noch allerhand Gräueltaten einfallen. Er ist in allen Facetten der Prototyp eines afrikanischen Gewaltherrschers. Seine kniefälligen Untertanen planen nun ihm zu Ehren ein Monumentalbauwerk, den höchsten Turm der Welt. Ein moderner Turmbau zu Babel, denn dieser Turm soll bis an die Pforten des Himmels reichen.
Die Finanzierung des gewaltigen Bauvorhabens muss noch abgesichert werden. Die zuständigen Minister des Herrschers finden dafür bereitwillige Hilfe in den USA, bei der Global Bank. Während eine Delegation zu abschließenden Kreditverhandlungen in die USA reist, bilden sich vor dem Büro des Bauleiters nicht nur lange Schlangen von Baufirmen Agenten, die unter zu Hilfenahme von Bestechungsgeldern um Aufträge bemüht sind, sondern auch Warteschlangen von heimischen Arbeitslosen. Als dann zu allem Unglück der Herrscher erkrankt, glaubt der nur an die Heilkraft eines Zauberers. Dieser „Herr der Krähen“ ist nicht nur Wunderheiler und Hellseher in einer Person, sondern er ist auch ein entschiedener Regimegegner. Nicht schwer zu erraten was da auf den despotischen Herrscher zukommt. Aber wird sich dann wirklich etwas ändern? Der Leser mag gespannt sein.

Es gibt unendliche viele Figuren und Motive in dem Roman, aber da alles, wie von einem phantasievollen Geschichtenerzähler, in einer verwebten Mischung von afrikanischer Erzähltradition mit Diktionselementen der westlichen Moderne vorgetragen wird, ist der Handlung leicht zu folgen und die Spannung reißt nicht ab. Es ist ein modernes Meisterwerk, ein Spannungsroman, eine Parabel über das soziale, politische und traurige Elend Afrikas und dessen Konnex zu westlichen Staaten. Eine mit Leichtigkeit und viel Humor geschriebene Abrechnung des Autors, einst Regimegegner des postkolonialen afrikanischen Staates Kenia und eine Fokussierung der Vita in unserer globalisierten Welt.

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