0 Die Stein Strategie

Von der Kunst nicht zu handeln
von Holm Friebe

Weil Sie die Empfindungen des Bürgerlobby-Redakteurs beim Lesen von Holm Friebes Buch so treffend beschreibt, dass eine selbst verfasste Rezension auch nicht besser sein könnte, erlauben wir uns die Rezension von Dr. Werner Fuchs aus Zug in der Schweiz zu übernehmen. Wir hoffen auf seine Zustimmung!

Danke Herr Dr. Fuchs.

Wenn sich ein Buch wie die „Mäuse-Strategie“ von Spencer Johnson 26 Millionen Mal verkauft, überlegt natürlich manch einer, ob sein Weg zum Reichtum ebenfalls über ein selbst verfasstes Werk führen könnte. Doch weil die Anzahl sympathischer Lebewesen beschränkt ist, musste man auf Mediatoren ausweichen, denen wir gemeinhin jegliche Verwandtschaft zur Gattung Mensch absprechen. Daher erstaunt es auch nicht, dass Holm Friebe in seiner Einleitung bewundernswerte geistige Kapriolen schlägt, die Verwendung von Steinen zu legitimieren. Zudem warnt er Bremser, Verhinderer und Passivisten davor, sich für ihr Nichtstun mit seinem Büchlein entschuldigen zu wollen.
Die Stein-Strategie soll ein Programm innerer Beständigkeit und langfristiger Überlegenheit sein. Und damit ist auch schon gesagt, dass Holm Friebe alten Wein in neue Schläuche abfüllt. Doch das macht er so gut, dass ich bis zum Schluss zwischen einer Vier- und Fünfsternebewertung schwankte. Für das Maximum sprechen Friebes Sprachstil, seine spannenden Ausflüge in fremde Gebiete und die Notwendigkeit, alte Weisheiten immer wieder neu zu verpacken. Einen Abzug würden die mangelnde Praxistauglichkeit, die vielen Fremdwörter und eine überbordende Selbstverliebtheit des Autors sprechen. Aber wer von der Zeitschrift Neon zu den hundert wichtigsten jungen Deutschen ernannt und zu allen möglichen Themen medial befragt wird, kann die Bodenhaftung leicht verlieren.

„Wenn du überleben willst, bleib wo du bist!“ So lautet die erste wichtige Lektion der Stein-Strategie. Aber lassen sich Weisheiten aus Survival-Ratgebern tatsächlich auf ein Leben übertragen, das sich vorwiegend in den eigenen vier Wänden oder denen eines langjährigen Arbeitgebers abspielt? Holm Friebe meint zuerst, dass dies möglich ist und Sinn macht, bringt aber danach Erkenntnisse der Verhaltensökonomen Daniel Kahneman, Amos Tversky und Dan Ariely ins Spiel. Doch letztlich begeht er den gleichen Fehler wie Rolf Dobelli in seinem Bestseller „Die Kunst des klaren Denkens“: Er lässt die Formel „Leichter gesagt, als getan“ im Raum stehen.

Die zitierten Verhaltensökonomen weisen zu Recht darauf hin, dass „Lernen durch Einsicht“ mehr mit einem frommen Wunsch als mit einem evolutionären Erfolgsprodukt zu tun hat. Ein Buch mit dem Untertitel „Von der Kunst, nicht zu handeln“, das wirklich neuen Wein einschenkt, müsste stärker auf das Scheitern alter Rezepte eingehen und Strategien vorstellen, wie sich die unbewusst arbeitenden Hirnregionen für das Projekt „Alles wird besser“ einspannen lässt. Das ist vielleicht weniger populär, aber bestimmt wirkungsvoller.

Mein Fazit: Der amerikanische Schriftsteller Robert Greene weist mit seinem neuen Buch „Mastery“ die Richtung, in der Veränderungswillige wirkungsvolle Hilfestellungen finden. Holm Friebe hingegen bleibt trotz moderner und unterhaltsamer Einbettung seiner Anleitung zum Nichthandeln“ einem Konzept verhaftet, das auf der Formel „Lernen durch Einsicht“ beruht. Daher habe ich mich am Schluss für die Viersternebewertung entschieden. Nur wer seine unbewusst arbeitenden Hirnareale am Projekt „Mehr Gelassenheit“ beteiligt, wird dieses Ziel innert nützlicher Zeit erreichen.

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