0 Lügen mit Zahlen

Wie wir mit Statistiken manipuliert werden
von Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff

Rezension von Ulrich Boldt über amazon

Man greift sich beim Lesen dieses Buches, das übrigens spannend und unterhaltsam geschrieben ist, immer wieder an den Kopf und denkt: Das darf doch nicht wahr sein! Als Lehrer sind mir naturgemäß vor allem Beispiele aus der Bildungspolitik im Gedächtnis geblieben: Etwa jener Ministerpräsident, der bei der Maikundgebung lauthals verkündete, man habe gerade 2200 neue Lehrer eingestellt – und einfach verschwieg, dass im gleichen Jahr 2500 Lehrer in Pension gegangen waren. Oder Bundeskanzlerin Merkel, die bei einem Bildungsgipfel vollmundig versprach, demnächst 18 Milliarden Euro in die Bildung zu stecken. Wer sich die Mühe machte, das Kleingedruckte zu lesen, musste erkennen: Leider nicht dieses und nächstes Jahr, sondern gestreckt über die nächsten acht Jahre; pro Jahr also nur gut 2 Milliarden; und die nicht bloß für die Bildung, sondern auch für die Forschung; und zugesichert sowieso nur bis 2013, also eigentlich nur 6 Milliarden insgesamt …Die Autoren haben sich aber nicht darauf beschränkt, abstruse Beispiele zusammenzutragen, sondern haben das Ganze in typische Methoden eingeteilt, die auch mathematikscheue Menschen verstehen und wiedererkennen können: Yang ohne Yin (die vergessene zweite Seite); Grafiktricks; Ursache und Wirkung; absolute und relative Zahlen; vorsortierte Stichproben; allzu gewagte Prognosen.

Als Pädagoge darf man sich über den didaktischen Ansatz der Autoren freuen, die nicht dabei stehen bleiben, uns zu zeigen, wie schlecht die Welt ist, sondern uns handfeste Methoden an die Hand geben, mit denen man Statistiken und Grafiken kritisch überprüfen und die Schummeleien erkennen kann.

Die vielen Balken- und Zackendiagramme mögen beim ersten Durchblättern auf manchen etwas abschreckend wirken. Der lockere Text und die lebendig erzählten Beispiele, auch aus Gerd Bosbachs persönlicher Erfahrung als Statistiker, machen das sofort wieder wett. Und wenn man sich gedanklich auf die geschilderten Methoden einlässt, erkennt man auch, wie hilfreich die Grafiken beim Verständnis sind.

Ein philosophischer Exkurs über den „Kult der Zahl“ rundet das Ganze ab und wirft die interessante Frage auf: Warum wollen wir immer so genau wissen, wie viele Schwarzarbeiter oder Schwarzfahrer es gibt, was doch in Wirklichkeit niemand wissen kann?

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