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Päpstin sind wir noch lange nicht

Einiges hat sich getan, seit die „68er“ gegen das hausfrauliche Nachkriegsideal der drei K – Küche, Kinder, Kirchenbesuch – die „sexuelle Revolution“ predigten. Meist führten dabei allerdings Männer das große Wort, auf ihren Podien und in ihren Kommunen durften Frauen die Ikonen der „Befreiung“ abgeben. Frauenbewegung, Doppelverdienst als Selbstverständlichkeit, jetzt gar eine leibhaftige Kanzlerin – alles paletti also? Die weiblichen Erfahrungen mit Einkommensniveau, Rente, Arbeitslosigkeit und Aufstiegschancenlassen lassen diesen optimistischen Schluss nicht zu.

Emma kommt in die Jahre

Auch Emma [1] kommt in die Jahre. Die Zeitschrift für Frauen aus Köln – das „Kind“ von Alice Schwarzer [2] (67) – blickt auf mehr als 30 Jahre zurück. Seit 1985 ist das ehemalige Familienministerium auch ein Frauenministerium [3]. Die momentane Chefin Ursula von der Leyen ist allerdings bekanntlich auch noch für Familien, Senioren und Jugendliche zuständig – für „Gedöns“, wie sich Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einmal über das Ministerium äußerte. Es gibt Frauentaxis, einmal im Jahr einen Frauentag, Frauenhäuser und Frauenparkplätze und sogar die Kanzlerin ist ein Weib. Lediglich Päpstin sind wir noch nicht.

Wenig Geld – dafür geringere Rente

Ist die Frau also dem Mann ein gleich gestelltes Ebenbild? „I wo“ – winkten bei einer Allensbach-Umfrage im Emma-Auftrag 61 Prozent der Frauen ab und sagten, dass „noch einiges getan werden muss“, bis wirklich Gleichberechtigung erreicht sein wird. Was den Beruf angeht, meinen 27 Prozent der Frauen sogar, sie sehen sich gegenüber Männern beruflich stark benachteiligt. Etwa ein Viertel von ihnen sehen ihre Aufstiegsmöglichkeiten durch ihren – oft nur vorübergehend geplanten – Einsatz für Kinder und Familie beeinträchtigt. Denn wenn sie sich nach der Mutterschafts- oder Erziehungsphase wieder auf dem Arbeitsmarkt zurück melden, gucken sie oft in die Röhre, von Aufstiegschancen ganz zu schweigen.

Bei Teilzeit überrepräsentiert

Kein Wunder, dass es bei den – schlecht bezahlten – Teilzeitjobs mehr Frauen als Männer gibt. In der Konsequenz kriegen Frauen später selbstverständlich eine niedrigere Rente – weil sie ja nicht so viele Berufsjahre ansammeln und so hohe Beiträge zahlen konnten wie die Herren. „Besser wäre es natürlich, wenn auch Männer schwanger werden könnten“, meinte denn auch süffisant die frühere Familienministerin Renate Schmidt (SPD). Da gerade das nicht geht, bleibt die Schwangerschaft und das Gebären auch weiterhin an den Frauen hängen – und so müssen sie sich eine berufliche Karriere verkneifen.

Alpha-Tierchen fühlen sich wichtig

Wenn auch die Berufstätigkeit der Frau (und Mutter) mittlerweile kein Problem mehr darstellt, Karrierewünsche enden meist im Fiasko. Während sie mit Baby, Brei und Buggy hantiert, bastelt der Herr der Schöpfung an seinem beruflichen Aufstieg und genießt Erfolge wie Einkommenserhöhung. Knapp drei Fünftel der „Alpha-Tierchen“ sind dementsprechend der Meinung, für die eigene Partnerin sei ihr Verdienst „sehr wichtig“.

Managerin und Mutter – meist Fehlanzeige

Für seine Karriere auf der Überholspur hat Mann eine Menge Begründungen parat. So hält er Frauen für eine Führungsposition unter anderem deshalb weniger geeignet, weil sie – aufgepasst! – kritischer und ehrlicher sind. So kommt es dann, dass es in den Vorständen der 30 größten Aktiengesellschaften Deutschlands, die im Börsenindex DAX gelistet sind, keine einzige Frau gibt. Auf dem Weg in die Chefetagen hilft eben keine Quote. Selten bis gar nicht gibt es Managerinnen, die auch Mütter sind. Beides geht nicht – und keineswegs nur wegen fehlender Kinderbetreuungsplätze. Denn gesellschaftspolitisch herrschen nach wie vor Geschlechterkampf, Mütterklischees und Männerbünde.

Barrieren, wo man hinguckt

Offen geleugnet wird das Defizit heute nicht mehr. Es gibt aber auch niemanden, der etwas Entscheidendes dagegen unternimmt. Dabei sind Frauen die Antriebskraft beim Beschäftigungswachstum in Europa und besetzen laut EU-Sozialkommissar Vladimír Špidla [4] drei von vier neu geschaffenen Arbeitsplätzen. Gleichzeitig schiebt der tschechische Ex-Regierungschef kleinlaut nach, zu viele Barrieren hinderten Frauen im Beruf [5] immer noch daran, „ihr Potenzial voll auszuschöpfen“. Es fehle an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so der Herr über Arbeit und Soziales in Brüssel. Schnarch.

Schneller gefeuert

Wie es scheint, werden diese anderen Umstände fortbestehen. Denn zu lange werden schon solche Reden geschwungen. Und trotz der Lippenbekenntnisse lautet die Bilanz: Frauen in Deutschland werden heute immer noch schlechter entlohnt als Männer mit gleicher Qualifikation. Wenn Buchhalter Schmidt 3.700 Euro monatlich nach Hause bringt, schleppt Frau Müller für die gleiche Arbeit ganze 2.100 heim. Frauen müssen besser sein. Aber auch das hilft ihnen wenig, weil sie bei betrieblich bedingten Entlassungen schneller gefeuert werden als ihre Kollegen und sich mit kleineren Abfindungen abfinden müssen. Herr-liche Zeiten, eben immer noch!

red/eg