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Thilo mach uns den Silvio –
wieviel Berlusconi steckt in Sarrazin?

Auch wenn der Vergleich irritieren mag, irgendwie klingen die Worte ähnlich und man könnte meinen, dass die Beiden eine ähnliche Weltsicht haben. Vergleichen wir einige Zitate aus dem reichhaltigen Fundus, den Beide im Laufe der Jahre „ausgestattet“  haben.

Berlusconi bei einem Besuch im Erdbebengebiet in den Abruzzen: „Natürlich sei die Unterbringung absolut provisorisch, aber man muss das nehmen wie ein Camping-Wochenende“

In der Diskussion um mögliche Hilfen für sozial schwache Bürger, die unter den stark gestiegenen Heizkosten leiden, rät Sarrazin diesen Menschen, dickere Pullover anzuziehen. Auch bei 15 oder 16 Grad könnte man dann vernünftig leben.

Stern.de zitiert Berlusconi aus dem Jahr 2001: „Wir sollten uns der Überlegenheit unserer Zivilisation bewusst sein, die aus einem Wertesystem besteht, welches den Menschen weit verbreiteten Wohlstand gegeben hat und Respekt für Menschenrechte und Religion garantiert. Dieser Respekt existiert ganz sicher nicht in islamischen Ländern.“

Und Sarrazin sagt 2009: „„Eine große Zahl der Araber und Türken in dieser Stadt hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel“ und er fügte laut WELT online hinzu: „Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: kein Zuzug mehr und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun.“ 70 % der türkischen und 90 % der arabischen Bevölkerung würden diesen Staat ablehnen und nicht vernünftig für die Ausbildung ihrer Kinder sorgen.

Während wir Berlusconis Ausfälle aus der Distanz beobachten können und uns häufig vereint finden in Ablehnung und Spott, ist es bei den Reaktionen auf die Äußerungen von Herrn Sarrazin ein wenig anders. Was bei Berlusconi als „unmöglich für einen Regierungschef“ angesehen wird, das wird bei Sarrazin – nicht selten – zu „endlich mal einer der die Dinge beim Namen nennt“. Da wird Stimmungsmache im Stil einer BILD zum akzeptierten Stil eines (ehemaligen) Berliner Finanzsenators und heutigen Bundesbankvorstands.

Uns ist bewusst, dass Integration ein sehr vielschichtiges und konfliktvolles Thema ist. Besonders auch deshalb, weil Zuwanderung – und dem zufolge gelungene Integration – eine der wenigen Möglichkeiten ist, der „Überalterung“ unserer Gesellschaft zu begegnen. Umso wichtiger erscheint es uns, dass jemand in einer so exponierten Stellung wie Herr Sarrazin sich nicht zu Äußerungen hinreißen lässt, die auch aus dem Kreis der Neonazis kommen könnten.

Wir sind deshalb der Meinung, dass es auch unsere Aufgabe ist, dazu beizutragen, dass Herr Sarrazin den Platz als Bundesbankvorstand umgehend räumt. Mit den Worten von Bundesbank-Präsident Weber:  „Es geht um Institutionen. Die Bundesbank ist eine in Deutschland mit hohem Ansehen verbundene Institution“ sagte er  und fährt fort, dass jeder, der darin eine Funktion habe,  „sich seiner Verantwortung für diese Institution und für ihr entsprechendes Standing in der deutschen Öffentlichkeit bewusst sein müsse“.

Wir fragen: Muss Herr Sarrazin zurücktreten und genügt es, wenn die SPD sich in Stillschweigen übt? Oder muss sie ebenfalls Konsequenz zeigen und sich von Sarrazin distanzieren? Sagen Sie uns Ihre Meinung dazu.

Links zum Thema:

Laut einer Emind Umfrage [1] für die BILD-Zeitung teilen 51 % aller Deutschen Sarrazins These von der fehlenden Integrationsfähigkeit. Wenn man dann noch erfährt, dass nach der umstrittenen „hart aber fair [2]“ Sendung vom 07.10.2009 81 % der Meinung sind, man dürfe ruhig „so zugespitzt formulieren, wie Sarrazin es getan habe“, dann scheint sich der Umgang mit dem Rassismus sehr verändert zu haben, wird er doch nun auch schon in Bankerkreisen gepflegt.

Interessant in diesem Zusammenhang auch die Frage, „was macht die SPD“ ? Was in solchen Situationen möglich ist, zeigen zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Da ist der Fall des ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann [3], dem vorgeworfen wurde,mit einer als antisemitisch kritisierten Rede „das Ansehen der CDU geschädigt zu haben“. Er wurde aus der Partei ausgeschlossen. Ähnlich deutlich war auch die Reaktion auf Henry Nitzsche [4] ,der die rot-grüne Bundesregierung als „Multi-Kulti-Schwuchteln“ bezeichnet hatte. Sehr interessant in diesem Kontext auch ein Beitrag der taz [5]!

Wird Sarrazin gehen oder nicht? Über Hintergründe [6], Machtverhältnisse und Karrierepläne in der Bundesbank [7] und deren mögliche Auswirkungen im Fall Sarrazin schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.