0 Respekt und Wertschätzung in der Politik –
nichts als hohle Phrasen?

Die Idee zu diesem kleinen Gedankenausflug (den mancher vielleicht als romantisch oder realitätsfremd empfinden wird) lieferte ein kurzer Satz in der Frankfurter Rundschau vom 7. Juni 2016.

Dort steht in einem (sehr lesenswerten) Beitrag zur Rücktrittserklärung des Bundespräsidenten mit der Überschrift „Ganz mit sich im Reinen“ versteckt ein kleiner Hinweis auf die Bedeutung von Respekt und Wertschätzung in der (bundesdeutschen) Politik:

„Nur 4 Minuten hat die Erklärung des Präsidenten im Schloss Bellevue gedauert. Aber er hat damit einen Stein ins Wasser geworfen, der lange Wellen formt. Die CDU jedoch, so kann man meinen, haben diese Wellen nicht erreicht. Während Gauck in Bellevue seine Rede hält, tagt auf der anderen Seite des Tiergartens in der Parteizentrale das CDU-Präsidium. Vier Minuten Zeit wären vermutlich schon übrig gewesen für die Worte des Bundespräsidenten. Aber der Fernseher bleibt aus.“


Politiker bemühen in ihren Reden gerne Begriffe wie „Respekt“, „Achtung“, „Würde“ und verbinden damit zugleich eine Forderung oder Erwartung.

Beispiel dafür mag ein Zitat aus dem Protokoll der 174. Sitzung des Deutschen Bundestags vom 3. Juni 2016 zum Thema Integrationsgesetz sein:

„Mit diesem Gesetzentwurf machen wir den Menschen mit Bleibeperspektive ein Angebot: Wir ermöglichen ihnen Ausbildung, Spracherwerb und Einbindung in das wirtschaftliche, kulturelle und rechtliche Gefüge unseres Landes.
Dafür erwarten wir Einsatzbereitschaft, Interesse am Leben in Deutschland und Respekt für die gewachsenen Grundlagen unseres Miteinanders.
Wer dazu bereit ist, hat hier alle Chancen. Wer dazu nicht bereit ist, dem wird es in Deutschland nicht gut gehen.“ (Beifall bei der CDU/CSU)

Wenn „Respekt“ auch Aufmerksamkeit, Würdigung und Achtung des Anderen bedeuten soll, dann dürfte die Bundestagsfraktion der CDU/CSU das Verhalten des CDU-Präsidiums vom 6. Juni wohl nicht mit Beifall bedenken (was dem CSU-Teil ohnehin leichtfallen dürfte).

Würdigung der Leistungen des amtierenden Bundespräsidenten und Respekt vor dem Amt fehlten auch, als die Diskussionen um die möglichen (oder aus Parteiinteressen gewünschten) Konstellationen bei der Findung einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers bereits eröffnet wurden bevor der amtierende Bundespräsident sich überhaupt offiziell geäußert hatte.

Mit der Art und Weise, in der Suche und Nominierung von Kandidat/in in den nächsten Wochen und Monaten erfolgen wird, können Deutschlands Politiker zeigen, wie ernst sie es meinen, wenn sie von „Werten“ sprechen.

Es wird spannend!

 

 

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