0 Denkanstöße für potentielle AfD Wähler!
Am Beispiel eines Wahlprogramms

Kurz vor den Landtagswahlen von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt wollen wir unseren Beitrag zur dringend nötigen Aufklärung über die Wahlprogramme der AfD leisten. Wer am nächsten Sonntag vor hat die AfD zu wählen, der soll wenigstens wissen, wen und was er wählt. Und er soll einen Eindruck von der Kompetenz der Kandidaten erhalten.

Wir haben Interview-Beispiele aus der Frontal 21 Sendung vom 08.03.2016 im Wortlaut niedergeschrieben und laden Sie ein zum Kompetenzcheck am Beispiel des Wahlprogramms für Sachsen-Anhalt.

Beispiel 1: „Preußische Tugenden“:

„Schule ist auch eine Sozialisationsinstanz. Neben grundlegenden Kulturtechniken müssen deshalb ebenso die klassisch preußischen Tugenden Geradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß und Pflichtbewusstsein vermittelt werden.“
Auf die Frage wie diese Tugenden vermittelt werden sollen, antwortet der Landesvorsitzende André Poggenburg (A.P.):
„Also wir haben ja eine Entwicklung sehr äh zur ehm also in den Schulen auch in der normalen Entwicklung, zur antiautoritären Erziehung. Das erleben wir ja. Das ist bis zu einem gewissen Grad auch sicherlich richtig und angebracht, aber es gehen natürlich auch viele Sachen verloren. Ehm – das Gemeinschaftsgefühl – äh – das Gefühl ein Teil der Gemeinschaft zu sein – für andere auch mitverantwortlich zu sein, ist etwas gewichen. Die völlige persönliche individuelle Kreativität wird nur noch gefördert oder zunehmend gefördert. Das finden wir nicht gut und dem möchten wir gerne – mäßig natürlich – äh äh entgegenwirken.“
Zwischenfrage Frontal 21 :
„Aber Preußisch heißt ja erst einmal auch Gehorsam? Finden Sie es nicht wichtig, dass man Kindern und Jugendlichen vor allem auch kritisches Denken beibringt?“
A.P.:
„Kritisches Denken ist richtig. Gerade wir als AfD fürdern das ja, weil wir ja auch das kritische Denken über politische Prozesse gerne fördern möchten. Wir möchten das Courage auch zur Politik gehört. Courage des Einzelnen, äh  das fördern wir sehr. Aber es muss immer die Ausgewogenheit natürlich entstehen und wir haben einfach den Einrduck, äh dass äh auch im Schulunterricht da ein wenig etwas verlorengeht. Preußische Tugenden ist sicherlich jetzt ein Synonym, das hat nicht nur mit Preußen was zu tun, wo es einfach darum geht, das Gemeinschaftsgefühl, gewisses Wertegefühl, sagen wir mal Kameradschaft, auch Zusammengehörigkeitsgefühl äh ent- gefördert werden sollte und dafür stehen wir.“
Zwischenfrage Frontal 21:
„Aber es heißt ja da auch ganz klar, dass sie die autoritäre Stellung des Lehrers fördern wollen?“
A.P.:
„Ja“
Fortsetzung Zwischenfrage Frontal 21:
„Damit wird ja kritisches Denken nicht gefördert?“
A.P.:
„Die autoritäre Stellung, darum geht es ja, dass der Lehrer sie auch durchsetzen kann. Auch mit rechtlichem Hintergrund durchsetzen kann bei Fehlverhalten, ja. Wenn beispielsweise Kriminalität und Gewalt in der Schule steigt er muss ja auch eingreifen können weil da geht es nicht um den Lernprozess sondern oft um die Verhaltensmuster.“
Beispiel 2: „NS-Zeit im Geschichtsunterricht“
Unter dem Stichwort „Identität“ heißt es im Wahlprogramm:
„Die AfD wird sich dafür einsetzen, dass im Geschichtsunterricht die
Auswirkungen historischer Entwicklungen auf die Geschichte der
Regionen in Sachsen-Anhalt angemessen und unverfälscht behandelt
und wiedergegeben werden.“
Frontal 21 fragt Daniel Roi (D.R.), auf der Landesliste auf Platz 2:
„Was soll im Unterricht behandelt werden? Können Sie sagen, was denn im Moment in der Schule im Geschichtsunterricht verfälscht wiedergegeben wird?“
D.R.:
„Also verfälscht das ist sicherlich ’ne breite Diskussion die fang‘ ich jetzt nicht an, aber was ich dazu weiß, is‘ übrigens nicht mein Themengebiet, aber ich kann Ihnen trotzdem dazu was sagen, Ähm in vielen Schulen ist es so, das war bei meiner so, ähm das hängt also, das is‘ erst mal von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich, das muss man erst mal sagen. Aber es gibt ’ne gewisse Zeit in der deutschen Geschichte, die da überrepräsentiert den Schülern gelehrt wird. Und die ist ja auch in unserem Programm als die 12 Unglücksjahre bezeichnet äh worden und das ist einfach ’n Punkt, die deutsche Geschichte besteht nicht nur aus den 12 Jahren des Nationalsozialismus, sondern wir habe eine viel längere Geschichte und äh auch kulturhistorische Geschichte, die wir wieder ins Bewußtsein rücken wollen, denn daraus ergibt sich auch vieles, was Identität und so weiter dann nachher betrifft.
Zwischenfrage Frontal 21:
„Das heißt, in der Schule würden sie sagen wird sich zu viel auf diese zwölf Jahre konzentriert und Das müßte weniger werden?“
D.R.:
„Ne, nich‘ weniger, nur das darf nicht alles überlagern, denn wir haben ja nicht nur, wenn Sie zwei, drei Jahre nur über den Nationalsozialismus reden, dann hängt das den Schülern auch irgendwann zum Halse raus und führt vielleicht genau zum Gegenteil, weil die Kinder das nicht mehr hören können. Also ich kenne viele, denen es genauso geht. Ähm, mir selber gings damals auch schon so. Wenn man also immer wieder das Gleiche hört und in manchen Schulen ist das auch mit der DDR-Vergangenheit, da wird das überrepräsentiert. Das ist genau das Gleiche. Also wir bestehen ja nicht nur, unsere Geschichte besteht ja nicht nur aus der Vergangenheit der DDR. Und das sind halt alles solche Sachen, da kann die Politik schon hinwirken, dass wir hier in den Lehrplänen darauf achten, dass es im Prinzip ’ne Ausgewogenheit ist, die äh, sag ich mal, die ein längeren Zeitstrahl betrachtet als diese beiden Diktaturen.“
Zwischenfrage Frontal 21:
„Aber wenn Sie sagen man konzentriert sich zu sehr auf diese zwölf Jahre würde das ja schon bedeuten es solle weniger gelehrt werden.“
D.R.:
„Ja, in letztendlicher Konsequenz bedeutet das das, aber das soll aber nicht dazu heißen, dass irgendwas verharmlost oder weggelassen werden soll, ja? Aber ich denke die Schüler sind patent genug um das beim ersten Mal und auch beim zweiten Mal zu verstehen, das muss man nicht zehn mal durchpauken.“
Beispiel 3 „Lebensfremde Gesellschaftsexperimente“
In der Präambel des Wahlprogramms heißt es:

„Unsere Politik achtet den Menschen so wie er ist – mit seinen ethnisch-

kulturellen, aber auch geschlechtlichen Identitäten. Wir wehren uns gegen lebensfremde Gesellschaftsexperimente, die den Wandel der Geschlechterrollen manipulieren und einen neuen, geschlechtsneutralen Menschen erschaffen wollen.“
Frontal 21 fragt Alexander Raue (A.R.), Platz 3 der AfD-Landesliste
„Was sind lebensfremde Gesellschaftsexperimente?“A.R.:
„Das ist zum Beispiel wenn zwei Männer heiraten und ’n Kind dazu haben wollen, ja, das ist…“

Zwischenfrage:

„Was ist daren lebensfremd?“
A.R.:
„Lebensfremd? Naja, das ist einfach keine gängi.., das ist nicht die gängige Lebenspraxis. Es würde, es so in der Natur gibt’s das nicht. Und wir sind ja Bestandteil der Natur und es gibt einfach nicht dieses Recht auf fremde Kinder.“
Zwischenfrage:
„Wir haben uns doch dank unseres Bewußtseine relativ weit entfernt?“
A.R.:
„Ach so, wollen Sie jetzt sagen, dass Sie außerhalb der Natur stehen?“
Entgegnung:
„Ich steh nicht außerhalb der Natur aber wir machen viele Dinge die ansonsten in der Natur kein anderes Wesen schafft, also warum sollte das ausgerechnet in dem Fall nicht gelten?“
A.R.:
„Sie haben ein sehr gutes Beispiel gebracht ja, wir vernichten gerade unseren Planeten und das ist widernatürlich. Das ist richtig. Wir stehen damit stellen wir uns außerhalb der Natur.“
Zwischenfrage:
„Wir töten unsere Artgenossen. Aber warum können zwei Männer sich nicht..“
A.R.:
„Nein das machen andere auch, das ist sogar natürlich, das ist sogar natürlich, das können wir schlecht finden. Ich find‘ das auch schlecht, aber, das können sie noch einordnen, ja. Aber was wir machen wir zerstören quasi die komplette Lebensgrundlage unseres Planeten, und das bewußt. Die Tiere tun das unbewußt.“
Zwischenfrage:
„Sie sprechen ja von lebensfremden Experimenten, das waren ja nur zwei Beispiele, zwei Männer die ein Kind adoptieren sind lebensfremd?“
A.R.:
„Ja. Halt na, nicht lebensfremd, das haben sie jetzt so gesagt..“
Zwischenruf:
„Ne, sie schreiben lebensfremde Gesellschaftsexperimente.“
A.R.:
„Ja, gut, das ist ähm ein ein ein ähm Entwurf. Ein ähm Partnerschaftsentwurf den ich selbst nicht teile, ich finde das nicht gut. Ja. Lebensfremd ist das in gewisser Weise tatsächlich für mich auch, wenn ich drüber nachdenke, ja, jetzt in diesem Interview. Ähm, es ist einfach nicht die Normalität. Ja, und wir können das herleiten und wir können das daherreden, ja, dass das normal wird. Und wir können dazu in ganz vielen Broschüren informieren und an die Schulen bringen. Ja, wir können diesen Genderwahnsinn weitertreiben, ja, dass es irgendwann gar keine normalen Familien mehr gibt, sondern dass jedes Schulkind dann denkt „oh ja, ich muss ganz früh damit Pollern und Muschis spielen“…
Zwischenruf
„Aber das ist doch ein uralter Ansatz. Das wird doch immer wieder erzählt, dass das anerzogen wird“
A.R.:
„Das ist die Wahrheit.“
Frontal 21:
„Glauben sie das wirklich dass es anerzogen wird. Homosexualität ist anerzogen?“
A.R.:
„Nein, nein, das hab‘ ich nicht gesagt. Ja aber diese natürliche Scheu, aber diese natürliche Scheu – ich bin doch nicht gegen Homosexualität – jeder soll glücklich werden wie er möchte, ja. Das muss ich ganz klarstellen. Also wenn ’se mich da jetzt schneiden, möcht ich dass sie das auch so in ihrer Dokumentation berücksichtigen ja. Also ich bin nicht gegen Homosexualität. Jeder soll das ausleben können wie er das möchte. Für mich ist es nicht mein Lebensentwurf. Für Millionen, nein für Milliarden, ist es nicht der Lebensentwurf. Das gibt es und…“
Zwischenfrage.
„Sie sind gegen lebensfremde Gesellschaftsexperimente. Sie wehren sich dagegen, dann können sie ja jetzt nicht sagen „soll jeder machen wie er will.“
A.R.:
„Doch, doch, doch..“
Zwischenruf:
„Ja aber was heißt das dann mit dem lebensfremden Gesellschaftsexperiment?“
A.R.:
„Nein, nicht die lebensfremde, geh’n wir mal davon weg. Gehn wie mal an das „dagegen“. Wir sind dafür, dass diese Gesellschaftsexperimente nicht durch staatliches Handeln und Wirken, durch Information an die Schulen, durch eben diesen Genderwahnsinn, ja, durch diese Frühsexualisierung, hmhmhm, dass dieser Lebensentwurf , dass dieser Lebensentwurf nicht weiter gefördert wird und in einen Raum gestellt wird und in einen Schein gestellt wird, als wäre er der einzig Richtige und die normale Familiengründung….“
Zwischenfrage:
„Können Sie mir ein Schulbuch nennen, wo drin steht, dass das der einzig richtige Lebensentwurf ist?“
A.R.:
„Lesen Se nur mal…ja“…lacht
Zwischenfrage:
„Sie habens doch eben gesagt. Sie sagen ja…“
A.R.:
„Nein nein, Moment, es ist so, dass die, dass diese Information darüber preisgegeben wird, kundgegeben wird, auch durch die politische Bildung und dergleichen, ja, dass das schon so in den Vordergrund gestellt wird, ja, dass alles andere dagegen, ähm, nur als gleichwertig betrachtet wird. Aber nicht raumgreifend viel viel größer verbreitet und der natürliche, normale Lebensentwurf ist. Dagegen bin ich.“
Zwischenfrage:
„Aber gleichwertig sollte es doch sein auch wenn es nicht die …“
A.R.:
„Nein! Es ist nicht gleichwertig. Für die Gesellschaft ist es das nicht, gleichwertig. Das Mann und Mann und Frau und Frau…“
Zwischenruf leider unverständlich
A.R.:
„Doch, naja klar, ich mach das auch an der…Es würde gar keine Gesellschaft mehr geben wenn das der wichtigste Lebensentwurf oder der zentrale Lebensentwurf wäre.“

Zwischenruf:

„Aber dann unterstellen sie ja dass durch diese Information die Leute homosexuell werden, weil ansonsten bleiben heterosexuelle doch heterosexuell.“

A.R.:
„Ja. Information und wieder Information und wieder Information, ja, das beeinflusst die Menschen unglaublich und wenn sie den Menschen morgen sagen das (zeigt blaue Wahlkampfbroschüre) wäre grün und das immer wiederholen, dann glauben die Menschen, dass das grün ist. Das geht zum Schluss so: In der Zeitung hab ich’s gelesen, im Fernsehen hab ich’s gesehen und im Radio ham‘ ses auch gebracht. Also muss es auch stimmen.“
Zwischenruf:
„Und deshalb werde ich homosexuell?“
A.R.:
„Hab ich doch nicht gesagt. Sie ziehen sich das raus.“
Frontal 21:
„Das ist die Konsequenz aus dem was sie sagen.“
A.R.:
„Nein nein, jetzt schieben Sie mir was unter. Sie möchten mich verleiten zu irgendwas, was ich aber gar nicht sagen will und auch nicht sagen werde. Ja.
Also Homosexualität zwischen Männern und Frauen kann – ich habe nichts dagegen – jeder soll glücklich sein und werden wie er möchte. Das ist aber nicht unser zentraler Lebensentwurf für den die AfD steht. Die AfD steht für die klassische Familie, für die klassische Familienpolitik, ja, für Mutter, Vater, Kinder. Das ist der Lebensentwurf aus dem mit über die Kinder weiteres Leben hervorgeht. Die Gesellschaft sich erhalten kann die Gesellschaft auch nur in der Lage ist über ihre Reproduktion für ihre Alten und Schwachen zu sorgen. Anders geht das nicht. Ja. Anders werden sie alt. Was ist denn zum Beispiel wenn zwei Schwule alt werden? Sind die Einzigen auf der Welt, ne, dann könn‘ se, sterben sie früher. Haben aber Mutter, Vater, Kind, werden sie gepflegt, ja. Und das is‘, das, das zeichnet doch, das zeichnet Natur aus. Und da sind wir wieder bei der Natur. Mensch ist Natur und das ist natürlich. Und das andere ist eben kein natürlicher Lebensentwurf.“
Es folgt der Versuch einer Nachfrage aber A.R. meint „Wollen wir nicht lieber zum nächsten Punkt gehen?“ Die Frage kommt aber trotzdem.
Frontal 21:
„Jetzt mache ich doch keinen falschen Schluss wenn ich sage, dann ist das andere kein natürlicher Lebensentwurf, sprich es ist ein unnatürlicher. Da schiebe ich ihnen doch nichts unter. Das sagen sie doch damit. Und das sagt für mich auch „lebensfremde Gesellschaftsexperimente“.“
A.R.:
„Lebensfremd. Überlebensfremd ist es in jedem Fall. Es ist überlebensfremd, weil die Gesellschaft könnte…“
Zwischenruf:
„Hier steht lebensfremd, nicht überlebensfremd.“
A.R.:
„Das kann sein, das ist sicher richtig was sie da vorlesen, das ist sicher richtig was sie da vorlesen. Sie haben das an meiner Argumentation jetzt gemerkt, ja, man kann das genauso argumentieren wie ich das gemacht habe. Sie möchten von mir was anderes hören. Ich kann Ihnen dazu nichts anderes sagen. Ich habe ihnen das jetzt ausreichend begründet.“

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