0 USA: Widerstand gegen Fracking wächst

Während in Deutschland die Große Koalition unter der Führung der Minister für „Wirtschaft und Energie“ und für „Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit„, Sigmar Gabriel und Barbara Hendricks, den Weg für bundesweites Fracking freimachen will, nehmen in den USA die Widerstände gegen die neue, dort aber bereits seit Jahren praktizierte „unkonventionelle“ Art der Gasförderung zu.

Eine der wesentlichen Stimmen des öffentlichen Protests sind die Journalisten der Organisation ProPublica, einer NGO, die im Jahr 2007 von Paul Steiger, dem ehemaligen Chefredakteur des Wall Street Journal gegründet wurde. Ziel der vierzig für ProPublica arbeitenden Journalisten ist es, in Fällen unklarer (oder eindeutiger) Interessenlagen einen Beitrag zur unabhängigen und sachlichen Information der Öffentlichkeit zu leisten. Einer Öffentlichkeit, die ansonsten zunehmend „Meinungen“ ausgesetzt wird und dabei immer weniger über die diesen Meinungen zugrunde liegenden Fakten erfährt.

Zum Thema Fracking liefert ProPublica eine Fülle von Informationen, Studien und Berichten. Um die offensive Haltung der Bundesregierung qualifiziert in Frage zu stellen, dürften besonders die Ergebnisse der  letzten Gesundheitsstudien zu den Auswirkungen des Fracking wichtig und hilfreich sein. Unter der Überschrift „Bohren nach Sicherheit: Das Neueste aus Fracking-Gesundheitsstudien“ veröffentlicht ProPublica aktuelle Informationen über wissenschaftlich belegte Folgen des Hydro Fracking.Einführend bemerken die Verfasser des Beitrags, dass es im Jahr 2011, zur Zeit der ersten Berichte über gesundheitliche Probleme bei Menschen die in der Nähe von Gasbohrungen lebten, nur eine geringe Zahl von wissenschaftlichen Studien gab, und dass die Wissenschaft auch heute, drei Jahre später, noch weit vom Punkt der wirklichen Erkenntnis entfernt ist. Gleichwohl können auf eine breitere Grundlage zurückgegriffen werden.

So führt ProPublica eine Zusammenstellung gesundheitsbezogener Studien an, die im Februar 2014 in dem Fachmagazin Environmental Science & Technology veröffentlicht wurde und die zusammenfassend feststellt, dass es nach wie vor erhebliche Bedenken und große Unsicherheiten bezüglich möglicher Gesundheitsschädigungen gibt.

Studienergebnisse, die von einer hohen Zahl an Erkrankungen bei Menschen berichten, die in der Nähe von Bohrstellen leben, werden von der Industrie als Anekdoten und wenig vertrauenswürdig bezeichnet. Bemerkenswert wohl auch das unterschiedliche Verhalten innerhalb der einzelnen Bundesstaaten. Während die Gesundheitsbehörden in New York und Maryland auf öffentliche Nachfragen und Studien reagierten, haben andere Bundesstaaten die Gasindustrie aktiv unterstützt.

Im einzelnen stellt ProPublica folgende Studien vor:

Eine Forschungsstudie über die Luftqualität in der Nähe von Gasbohrungen (Human and Ecological Risk Assessment, 2012)

Die Studie wurde in Garfield Colorado durchgeführt und erfasste für die Dauer von 11 Monaten einmal wöchentlich Proben der Umgebungsluft vom Beginn einer Bohrung bis zur Aufnahme der Produktion.

Die Proben lieferten nachweisbar 57 verschiedene Chemikalien, von denen 45 das Potenzial zu GEsundheitsgefährdungen haben. In 75 Prozent der Proben fanden die Forscher Methylen Chlorid, ein giftiges Lösungsmittel, dessen Vorkommen bei Bohrungen die Industrie nicht angegeben hatte. Debattiert wird nun inwieweit die gefundenen Stoffe tatsächlich für Frauen, Kinder und alte Menschen gesundheitsgefährdend sein können, obwohl ihr Vorkommen innerhalb der derzeit gültigen Sicherheitsstandards liegt.

Eine Studie zum Geburtenaufkommen und Fracking (Environmental Health Perspectives, 2014)

Die Studie untersuchte Babies der Jahrgänge 1996 bis 2009 in ländlichen Gegenden Colorados. Colorado ist seit mehr als einem Jahrzehnt ein Zentrum der Fracking Industrie. Durchgeführt wurde die Studie von der  Colorado School of Public Health und de Brown Universität.

Die Studie zeigt, dass Frauen, die in der Nähe von Bohrstellen lebten, häufiger Kinder mit Gaumenspalten oder Herzfehlern zur Welt brachten als andere. So zeigte sich zum Beispiel, dass für die Babies von Frauen in Gegenden mit einer hohen Dichte von Gasbohrstellen ein um 30 Prozent höheres Risiko für angeborene Herzfehler bestand.

Dieser – wie auch anderen Studien – wird vorgeworfen, dass sie nicht alle relevanten Daten (Gesundheit der Mütter, vorgeburtliche Pflege, genetische Dispositionen und andere Faktoren berücksichtigen. Aus diesem Grund wird die Studie sowohl von der Industrie wie auch von einigen staatlichen Stellen angegriffen. Diesen Angriffen begegnet Lisa McKenzie, eine der Verfasserinnen der Studie mit der Feststellung „Die Studie zeigt uns, dass wir mehr und tiefer forschen müssen um zu erfahren, ob die Ergebnisse haltbar sind.“

Eine weitere Studie die sich mit Babies im Umfeld von Bohrstellen befasst wurde in Pennsylvania durchgeführt. Dort stellte man fest, dass  Babies von Müttern, die im Umkreis von 2,5 km um eine Bohrstelle lebten um ca. 25Prozent weniger wogen als die Babies von Müttern außerhalb dieser Regionen.

Eine Studie zu Gesundheitsrisiken und unkonventionellem Fracking (Science of the Total Environment, 2012)

Zwischen Januar 2008 und November 2010 sammelten Forscher der Colorado School of Public Health Luftproben in Garfield County, Colorado. Einem Ort mit intensiven Bohrvorkommen. Die Forscher wiesen mehrere Hydrocarbonate nach. Unter anderem Benzol, Trimethylbenzol und Xylene. Jeder dieser Stoffe gilt ab einer bestimmten Menge als gesundheitsgefährdend.

Die Forscher halten es für gegeben, dass alle Menschen, die weniger als eine halbe Meile (knapp unter einem Kilometer) von der Bohrung entfernt leben einer Gesundheitsgefährdung ausgesetzt sind. Die größte Gefährdung sehen sie in der Phase vor dem Abschluss der Bohrung, wenn die Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in die Erde gepresst wird und dann zurückkommt. In der wieder austretenden „Suppe“ können radioaktive Materialien und Gasreste enthalten sein. Weil das Gemisch mit hohem Druck zurückkommt, ist es jederzeit möglich, dass die Gase in die Luft entweichen.

Und auch dieser Studie wird vorgeworfen, dass sie mit unrichtigen Daten arbeitet. So wirft Ihnen ein von der Industrie betriebener Blog vor, dass sie für die Einwohner annahmen, dass diese im Durchschnitt bis ins Alter von 70 im Ort leben, um so die mögliche Dauer einer Gesundheitsgefährdung zu terminieren.

Vergleicht man die in diesem verkürzten Überblick geschilderten Risiken und möglichen Folgen für Gesundheit um Umwelt mit den „Eckpunkten“ und den „strengen Vorschriften“ des Gabriel/Hendricks-Papiers, dann fällt eine große, sehr große Erklärungslücke auf und auch der Laie erkennt die vom Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, Oliver Kirscher, festgestellten „Schlupflöcher, die so groß sind wie Scheunentore“.

Zwar heißt es im Koalitionsvertrag

„…ist der Einsatz der Fracking-Technologie bei der unkonventionellen Erdgasgewinnung – insbesondere bei der Schiefergasförderung – eine Technologie mit erheblichem Risikopotenzial. Die Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt sind wissenschaftlich noch nicht hinreichend geklärt. Trinkwasser und Gesundheit haben für uns absoluten Vorrang…“

Und nur wenige Zeilen weiter heißt es:

„Beim Vollzug der Projekte der Energiewende wird auf eine umfassende Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger geachtet.“

Leider spricht das aktuelle Handeln nicht diesen Versprechen. Nehmen wir deshalb unsere Politiker beim Wort.

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