0 „Wer betrügt fliegt!“
Steht die CSU zu ihrem Wort?

Was zuerst wie Stimmungmache gegen Migranten im Rahmen des bayerischen Kommunalwahlkampfs klang und von den Medien auch entsprechend heftig kritisiert wurde, könnte jetzt zu einem echten Rohrkrepierer für die CSU werden.

Wer betrügt fliegt!
Dieser Slogan sollte nach einer Beschlussvorlage der CSU-Landesgruppe die Konsequenz aus dem „fortgestzte(n) Missbrauch der europäischen Freizügigkeit durch Armutszuwanderung“ sein und soll, so die CSU den vermehrten Zuzug von sozial schwachen Bürgern, besonders aus Rumänien und Bulgarien, verhindern.

Und jetzt der eigene Generalsekretär. Andreas Scheuer. Der hat nicht nur seinen „kleinen Doktor“ widerrechtlich über die Landesgrenzen von Berlin und Bayern hinaus (grenzenloses Internet) getragen, sondern diesen „Schmalspurdoktor“ (laut einem Bericht des Deutschlandfunks entspricht der Titel von der Leistung her etwa dem deutschen Master) wohl auch noch mittels plagiieren erworben hat.

Ärger mit seinem „kleinen Doktor“ hatte Scheuer schon in der Vergangenheit. Der Titel, den er an der Karls-Universität erworben hat, ist nicht Deutschland weit anerkannt. Lediglich für Berlin und Bayern (honi soit qui mal y pense) gibt es eine eigene Regel. Nach dieser darf sich – in diesen Bundesländern – „Dr.“ nennen, wer bis zu einem Stichtag den tschechischen „PHDr.“ erworben hat.

Dass der „kleine Doktor“ Scheuer seinen Titel, trotz der geringeren intellektuellen Anforderungen, nur mit Plagiieren (siehe dazu Textvergleich in der Süddeutschen Zeitung) erreichen konnte, bestärkt den unbefangenen Beobachter doch in der Vermutung, dass es etlichen Kandidaten beim Erwerb eines akademischen Grades weniger um den Nachweis intellektueller Klasse geht, sondern vielmehr darum, dem eigenen Namen mehr Gewicht und Ansehen in einer häufig von Äußerlichkeiten bestimmten Welt zu verleihen. Ein interessanter Aspekt übrigens auch vor dem Hintergrund der Diskussion um den Drehtüreffekt zwischen Politik und Wirtschaft.

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärte Scheuer inzwischen:

„Die Rechtslage in Bayern und Berlin ist eindeutig. Ich kann danach den Titel ohne Zusatz führen. Andere Länder haben keine Bayern- und Berlin-ähnliche Regelung geschaffen. Um eine kaum handhabbare Praxis beim Führen des Titels zu vermeiden, habe ich mich entschieden, vom Führen des Titels künftig völlig abzusehen.“

Inzwischen ist der zu erwartende Shitstorm im Internet losgebrochen und auch alle Medien, gedruckt oder elektrisch, beschäftigen sich mit dem „kleinen Doktor“ des Herrn Scheuer. Es wird demnach nicht lange dauern bis sich jemand findet, der von einer Kampagne spricht und vom armen Andreas Scheuer. Damit zeigt sich wieder einmal, wie wichtig es wäre einen Ethik-Kodex für Politiker zu formulieren und einen Sanktionskatalog zu schaffen. Ob und wie dieser im Einzelfall Anwendung findet, darüber könnte – zum Beispiel – ein direkt dem Bundespräsidenten zugeordnetes überparteilisches Gremium befinden.

Und zur Gültigkeit der Aussage „Wer betrügt fliegt“ auch für die eigenen Mannen:

Herr Seehofer übernehmen Sie!

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