0 CSU – Partei am Rand des Abgrunds?

Rechtzeitig vor der Bayern-Wahl erscheint ein Buch des Münchener ZDF-Chefs Ulrich Berls. Unter dem Titel „Bayern weg, alles weg – Warum die CSU zum Regieren verdammt ist“ kündigt sich ein Buch, man könnte geneigt sein zu sagen: Ein Büchlein. Aber das wäre lediglich dem Paperbackformat geschuldet, und würde der Kraft des Inhalts nicht gerecht.
Mit Ulrich Berls hat sich einer des Themas CSU angenommen, der vermutlich nicht zum freundlichen Nachmittagskaffee in die Staatskannzlei eingeladen wird. Und diese Unlust seitens der CSU dürfte sogar auf Gegenseitigkeit beruhen, nicht nur wegen des ZDF-Fauxpas anläßlich des Parteitags im Mai sondern auch dank Dobrinds Versuch Einfluß auf die Berichterstattung über den SPDParteitag zu nehmen.Und nun schreibt ein ZDF-Oberer so ein Buch!

Wo Seehofer doch seit des „Verwandschafts-Skandals“ und der öffentlichen Kritik an der Finanzpolitik der Koalition überall nur noch „kleingeistige Journalisten“ (Münchner Merkur) sieht, die „groteske Mainpulationen“ (Süddeutsche Zeitung) veranstalten und „böswillig“ (Frankfurter Allgemeine) über die CSU und ihre Granden berichten.

Doch zum Buch – muss die CSU tatsächlich regieren oder untergehen?

Glaubt man dem Einführung, dann ist die CSU – nein, Bayern – so strukturiert, dass es nur eine Partei geben kann, die Bayern regiert und das ist die CSU. Wenn selbst das Landeswappen zum Bestandteil des Parteilogos geworden ist – oder gar das Pareteilogo zum Landeswappen?

Wie stark die Substanz der Partei ist, belegt Berls beispielsweise damit, dass selbst ein stegitger Mitgliederschwund eine CSU nicht wirklich in Nöte bringt. Die CSU hat aktuell 150.000 Mitglieder – nur in Bayern, denn nur wer in Bayern wohnt kann CSU-Mitglied werden. Zum Vergleich: Die bundesweit vertretene Schwesterpartei CDU hat ungefähr 480.000 Mitglieder!

Das erste Kapitel widmet Berls im Wesentlichen dem Godfather der CSU, Franz-Josef Strauß. Und schon hier zeigt sich, dass von diesem Buch nichts Gutes für die CSU ausgeht. Würde sonst an Situationen erinnert, in denen Edmund Stoiber, immerhin der „Zwei-Drittel-Wahlergebnis-Mann“ mit einer Unterschriftsmappe eine halbe Stunde im Biergarten rumstehen musste und warten?

Doch es kommt noch schlimmer für die CSU. Obwohl Berls  nie wirklich böse ist.
Ein ganzes Kapitel Seehofer! Prof. Dr. hc. Horst Seehofer, Ehrenprofessor der Universität von Quingdoa, Ehrendoktor der Agraruniversität der Ukraine in Kiew. Da wird über sein Verhältnis zum Sozen Schröder und die gemeinsame China-Reise geschrieben, genüßlich (?) (Anmerkung des Verfassers: So liest es sich jedenfalls)  werden Spiegel „Springteufel“ und FAZ „Crazy Horst“ zitiert und auch die Berliner Love Story fehlt
nicht. Gabriels „Horst Drehhofer“ taucht auf und auch auf www.drehhofer.de wird hingewiesen.

Im dritten Kapitel schließlich der „Jetzt-Zeit-Check“ derCSU. Der beginnt mit einer epochalen Feststellung, die noch nicht einmal fett gedruckt ist (was ihrer historischen Bedeutung entspräche): Für den Wahlherbst ist auch die CSU mit einer mittleren bis hohen 40-er Zahl zufrieden. Da dreht sich der FJS im Grab um, oder dort wo er gerade ist gibt’s ein sackrisches Donnerwetter. Und dann die ganzen „Glühwürmchen“ und die vom „Ehrgeiz Zerfressenen“.

Ulrich Berls kennt die CSU gut, das merkt man bei jeder Zeile des Buchs. Seine Zustands-Analyse dürfte die CSU durchrütteln. Erst sind die Verwandtenbezüge in Gefahr geraten und nun verboten, jetzt sieht es so aus, als würde der 15. September (und der 22. noch dazu) den ein oder anderen bisher sicheren Diäten-Empfänger ins Schwitzen bringen.

Zum Schluss ein Zitat aus einem Seehofer-Interview mit dem Bayernkurier vom 23.10.2008:

Bayernkurier: 50 Prozent plus X bleibt also die Zielmarke der CSU?

Seehofer: Absolut. Das ist und bleibt das Ziel. Vielleicht war es auch ein Grund bei der zurückliegenden Landtagswahl, dass wir gelegentlich den Eindruck erweckt haben, als würden wir selbst nicht mehr daran glauben, als wären wir zu zaghaft und hätten Furcht, das würde uns als Arroganz ausgelegt werden. Aber ein gesundes Selbstbewusstsein wird von politisch Handelnden erwartet, das hat nichts mit Arroganz zu tun.

Franz-Josef Strauß liebte lateinische Zitate: Er würde an dieser Stelle Wohl sagen:

Beatus ille qui procul negotiis! und vielleicht noch Causarum enim cognitio cognitionem eventorum facit!

 

 

 

 

 

 

 

 

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