0 Joachim Gauck
wird er „unser“ Bundespräsident?

Aber Vorsicht: Lesen gefährdet Ihr Vorurteil!

Wieder einmal geht in diesen Tagen eine der deutschen Besonderheiten an den Start. Da wurde für das Amt des Bundespräsidenten ein Kandidat gefunden, der von einer Mehrheit der Bürger und, das ist das Bemerkenswerte, ein Jahr vor der nächsten Wahl , auch von den wichtigsten Parteien ( Die Linke könnte auch eine wichtige Partei sein, macht sich aber selbst immer wieder unwichtig) getragen wird.

Und was passiert?

Keine zwei Tage nach der Kandidatenkür fangen die Spezialisten für Miesepetrigkeit und Neid schon wieder damit an, auch den neuen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt schlecht zu machen und schwach zu reden. Dabei sind noch keine 24 Monate vergangen, seit eben dieser Kandidat bei facebook und twitter als der nicht gewählte Heilsbringer beklagt wurde. Und jetzt möchten einige Leute, dass aus dem „Kandidat der Herzen“ der Sarrazin-Freund, der Verbündete der Banken, der Befürworter der Vorratsdatenspeicherung wird.

Wie das geht?
Ganz einfach, so wie das Internet Joachim Gauck, dank twitter und facebook, bereits 2010 zum virtuellen Bundespräsidenten gemacht hat, dient es jetzt den ewigen Kritikern und miesepetrigen Neidern als ergiebige Quelle für ihre Angriffe. Aus der Vielzahl der Interviews, die Joachim Gauck seitdem gegeben hat, lassen sich trefflich fragwürdige Aussagen zimmern, indem man Sätze aus dem Zusammenhang reißt.

Ein beliebtes Stilmittel, nicht nur für die einschlägige Krawallpresse, sondern auch für viele twitterer und facebooker.

Aktuelles Beispiel für gekonnte (?) Verfälschung ist das Thema „Occupy“.

Geschrieben wird, Gauck hielte die Occupy-Bewegung für „unsäglich albern“.

Ort der Gauck-Worte war eine Matinee der „Zeit“ in den Hamburger Kammerspielen und Gauck nannte die Antikapitalismusdebatte „unsäglich albern“. Er nannte den Traum von einer Welt, in der man sich der Bindung von Märkten entledigen könnte, romantisch. Und er nannte den Gauben daran, dass  ein Sieg über das Kapital auch das Ende der Entfremdung bedeuten würde, einen Irrtum. Er sprach bei dieser Matinee auch davon, dass es in Deutschland eine Protestkultur gäbe, „die aufflammt, wenn es um den eigenen Vorgarten geht“. Die deutsche Neigung zu Hysterie und Angst nannte er „abscheulich“.

Darüber schreiben die selbsternannten Aufklärer nicht und Zusammenhänge ignorieren sie.

Gerne wird Gauck auch als Sarrazin-Freund bezeichnet. Dazu schreibt news.de:

„Der Grund: In einem Interview soll der ehemalige Pastor einst Thilo Sarrazin beigestanden haben. Erneut wird ein Wort aus einem langen Interview genutzt, um Stimmung gegen Gauck zu machen. «Mutig» nannte dieser den umstrittenen Autor. Was unterschlagen wird, ist die Tatsache, dass der 72-Jährige lediglich das Anstoßen einer Integrationsdebatte mutig findet – nicht jedoch die wirren Aussagen Sarrazins zum Erbgut ausländischer Mitbürger. Auch hier fallen Gaucks Antworten deutlich differenzierter aus, als sie derzeit durch das Internet getragen werden.“

Und die Vorratsdatenspeicherung?
Da hat er nichts weiter festgestellt, als dass die Speicherung von Telekommunikationsdaten noch nicht der Beginn des Spitzelstaates sei.

Noch einmal news.de:

„Unberücksichtigt bleibt auch diesmal der übrige Kontext, in dem Gauck diesen einen Satz gesagt hat und was er damit meint: «Wenn der Staat Rechte beschneidet, dann muss es verhältnismäßig sein. Ich will tragfähige Belege, was das Ganze bringt.» Im Kern hebt Gauck einmal mehr hervor, wie wichtig es ist, dass Politiker ihre Entscheidungen besser erklären müssen. Nur wenn alle Seiten über den gleichen Wissenstand zu einer Sache verfügen, kann ein Gespräch auf Augenhöhe stattfinden. Eine Tugend, die von den Gauck-Protestlern derzeit wohlwollend ignoriert wird.“

Es ist beruhigend zu wissen, dass im Internet genug Platz für viele Meinungen ist und somit jeder gutwillige Mensch die Möglichkeit hat, Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Beunruhigend ist, dass jede Verunglimpfung, jede noch so unsinnige Verleumdung, den Anschein von Information erwecken kann und die Wahrheitsfindung erschwert. Es muss wohl so sein, dass mit Hashtags wie „notmypresident“ oder „NoGauck“ bei twitter nicht nur Stimmung gemacht, sondern auch Desinformation betrieben wird. Mit welchem Ziel?

Zum Schluss noch ein Zitat aus der Passauer Neue Presse. Dort stellte der CSU-Familienpolitiker Norbert Geis fest:

„Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird.“

Es wird auch dieses Mal wieder nichts ausgelassen.

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