0 Herr Bundespräsident – Ist denn schon Krieg?

Bundespräsident Christian Wulff befindet sich, glaubt man seinen eigenen Worten, in einem Krieg, dessen Ausmaß für ihn eine dem ersten Weltkrieg gleichzusetzende Dimension angenommen hat, spricht er doch von einem Stahlgewitter (was wohl Ernst Jünger dazu sagen würde), das da momentan gerade tobe. Wie ist es zu bewerten, wenn ein gewählter Volksvertreter (ein solcher ist der Bundespräsident, auch wenn er nicht direkt vom Volk gewählt ist) eine Kritik an seinem Handeln in dieser Form überhöht?

Das sagt die deutsche Presse zur Wulffschen ‚Kriegsberichterstattung‘:

Donaukurier, Ingolstadt:

„Stahlgewitter über Schloss Bellevue? Man kann Christian Wulff nur raten, sprachlich ganz schnell abzurüsten. Martialische Bildersprache beweist jedenfalls gar nichts, allenfalls einen Hang zu Kraftmeierei – oder soll die nur Dünnhäutigkeit überspielen? Das wäre zwar eher sympathisch, aber als Qualifikation für ein Staatsoberhaupt nicht hinreichend. Wer bei der ersten Krise die Nerven verliert, taugt nicht zum Staatsmann.“

Leipziger Volkszeitung:

„Wer vom Stahlgewitter spricht, wer Kritik mit Kriegszuständen vergleicht, wer würdelos abgestiegen ist auf schlechtes Boulevard-Niveau, kurz und gut, wer sich selbst zu wichtig nimmt, der bringt Schaden. Das ist das Gegenteil des Grundprinzips, nach dem in der Demokratie geeigneten Personen Ämter auf Zeit verliehen werden.“

Rheinische Post, Düsseldorf

„Es verrät, wie es in Wulff aussieht, dass er häufig kriegerische Metaphern verwendet. Er führt Krieg mit einem Medienhaus, er sieht sich und seine engsten Mitarbeiter im Schloss Bellevue in ‚Stahlgewittern‘, als läge es nicht im idyllischen Berliner Tiergarten, sondern an der Westfront des ersten Weltkriegs. Auf jeden Fall gilt, zur Hysterisierung in der Wulff-Affäre trägt der Beschuldigte zumindest genauso viel bei, wie ihn hartnäckig befragende, gelegentlich auch nur verdächtigende Medien.“

Frankfurter Rundschau

„Hund fühlt sich im Krieg. Mit den Medien, mit den Verlegern, mit Chefredakteuren, mit Journalisten und damit im Krieg mit dem Volk. Er wird diesen Krieg verlieren, schon deshalb, weil er keinen Gegner hat. Der Gegner ist er selbst. Er hat sein Handwerkszeug, das Wort, missbraucht. So hat er sich selbst abgeschafft. Deutschland hat keinen Bundespräsidenten mehr. Bleibt er im Amt, wird man ihn ignorieren müssen. Er sitzt dann im Schloss und fühlt sich womöglich in Stahlgewittern.“

Augsburger Allgemeine

„Ist dem Land in turbulenten Zeiten mit einem Präsidenten gedient, der mit Selbstverteidigung beschäftigt ist und nicht mehr unbefangen reden kann, einem Präsidenten, der vom Kanzleramt abhängig ist? Wulff ist an jenem Punkt angelangt, an dem das Interesse des Gemeinwesens und die Würde des Amtes einen Rücktritt gebieten.“

Für diesen Pressespiegel danken wir der ARD-Infonacht vom 09.01.2012, produziert von mdr-info.

 

 

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