0 Wulff entschuldigt sich –
Das sagt die Presse dazu:

Nach langen Tagen des Schweigens wurde der Druck – kurz vor Weihnachten – wohl doch zu groß. Deshalb trat der Bundespräsident gestern vor die Mikrofone und entschuldigte sich für seinen Umgang mit Krediten und für sein bisheriges Verhalten in der Diskussion um Freundschaften und Freundschaftsdienste, nicht ohne zuvor, für alle überraschend, seinen Pressesprecher zu entlassen. Das Urteil über die Qualität dieser Entschuldigung mag sich jeder selbst bilden, wir haben einen Ausschnitt dessen zusammengestellt, was wichtige Zeitungen dazu sagen:

Financial Times Deutschland:

„Wulff hat sich in eine Lage manövriert, aus der er, trotz Entschuldigung, nur noch schwer herauskommt.
Wäre er gleich mit der vollen Wahrheit herausgerückt, als die Affäre ruchbar wurde, hätte er seine Vorweihnachtsansprache schon letzte Woche gehalten, vieles wäre ihm erspart geblieben.“

Leipziger Volkszeitung:

„Wulffs Bedauern über den Umgang mit der Kreditaffäre kommt nach gut einer Woche der Irritationen und Auseinandersetzungen um sein Vorleben als niedersächsischer Ministerpräsident reichlich spät.
Zu spät für mehr Ehrlichkeit, vor allem für mehr Glaubwürdigkeit im höchsten Staatsamt, ist es nach seiner öffentlichen Reue aber noch nicht.“

Westdeutsche Zeitung:

„Auch wenn Wulffs Entschuldigung nur bedingt überzeugte und er weiterhin zu zögerlich aufklärt, die gestrige Ansprache dürfte genügen. Die Diskussion wird sich versachlichen, Wulff wird seine Amtszeit ehrenhaft zu Ende bringen. Ob er danach eine Wiederwahl schafft, ist allerdings sehr fraglich.“

Thüringer Allgemeine Zeitung:

„Wulff hat seine Chance vertan, eine wahrhaftige Erklärung abzuliefern. Sicher, Schloss Bellevue soll kein Taubenschlag werden, in dem ein Kommen und Gehen an der Tagesordnung ist, aber es will auch niemand ein flehendes Staatsoberhaupt, das sich an sein Amt klammert und um das Vertrauen der Menschen buhlt. Mehr war die gestrige Erklärung nicht.“

Frankfurter Rundschau:

„Was hat der Bundespräsident zur Sache gesagt? Hat er gesagt, es sei falsche gewesen, private Kredite anzunehmen? Nein. Das zeigt, dass Wulff nur die Hälfte verstanden hat. Da war kein Wort, wie er gedenkt, mit solchen Angeboten zu verfahren, nur der Hinweis, er habe durch sein Verhalten niemandem einen unberechtigten Vorteil verschafft. Wie? Nur keinen unberechtigten? So weit hat es der spitzfindige Herr Wulff schon gebracht, dass einem solche Fragen einfallen.“

Berliner Tagesspiegel:

„Nicht alles was juristisch rechtens ist, ist auch richtig. Wie wahr. Ob Wulff diesen, seinen Satz übrigens in seiner ganzen Bedeutung erfasst hat, ist doch schwer zu sagen. So weit ist er nämlich nicht gegangen, dass er sich für den distanzlosen Umgang mit jener hannoverschen Mischpoke entschuldigt hätte, über die wir, dank seiner Hinhaltetaktik, jetzt auch mehr wissen, als wir je wissen wollten.“

All diese Kommentare klingen sehr distanziert. Hat es also doch etwas damit auf sich, dass sich viele Bürger im höchsten Staatsamt der Bundesrepublik Deutschland eine besonders integre Persönlichkeit wünschen? Wohl wissend, dass auch diese Person „nur“ ein Mensch und ein Bürger ist – wie jeder von uns.

Bevor wir Sie in – hoffentlich – friedvolle Weihnachtstage entlassen, deshalb noch einmal unsere Fragen:

Kann Christian Wulff nach dieser großen öffentlichen Diskussion jemals wieder glaubwürdig als moralischer Wegweiser – wie ein Roman Herzog oder ein Richard von Weizsäcker dies konnten – für unsere Gesellschaft wirken?

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Sollte Bundespräsident Wulff zurücktreten?

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