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MdEP Chatzimarkakis und die Wahrheit

Seit einiger Zeit muss sich der EU-Abgeordnete der FDP, Jorgo Chatzimarkakis, einem Betrugsvorwurf bei der Ausarbeitung seiner Doktorarbeit stellen. Deshalb hat er, so eine Meldung bei n-tv vom 16. Mai 2011, seine Universität (Bonn) um eine Prüfung seiner Doktorarbeit gebeten. Gleichzeitig wies Herr Chatzimarkakis immer wieder darauf hin:

„Im Mai 2011 habe ich aufgrund der aktuellen Debatte den Promotionsausschuss meiner Alma Mater auf die von mir verwendeten Zitationsweisen hingewiesen.“

„Am 20. Mai hat mir der Promotionsausschuss die Möglichkeit eingeräumt, meine damalige Arbeitsweise zu erläutern. Ich habe dargelegt, dass in allen Fällen die entlehnten Gedankengänge oder Sinnzusammenhänge durch Fußnoten ausgewiesen sind. In acht Fällen fehlt die Quellenangabe aufgrund eines Redaktionsversehens, die genutzten Quellen meiner Dissertation finden sich allesamt im Literaturverzeichnis. „

Was in diesen Ausführungen fehlt, ist das klare Eingeständnis, dass C. Zitate in  seiner Doktorarbeit nicht entsprechend der Promotionsordnung seiner Universität kenntlich gemacht hat. Zu einem ehrlichen Fehlereingeständnis hätte ein Hinweis dieser Art gehört.

Die Prüfung der Doktorarbeit ist zwischenzeitlich abgeschlossen und Herrn Chatzimarkakis wurde aufgrund der bei dieser Prüfung gemachten Feststellungen am 13. Juli der Doktortitel entzogen [1]. Diese Tatsache kommuniziert C. seit dem auch offen.

Warum also die Frage nach seinem Umgang mit der Wahrheit?

Auf seiner Internetseite schreibt Jorgo Chatzimarkakis in eigener Sache:

„Diese heutige Entscheidung ist sehr bitter für mich. Bei aller Enttäuschung stelle ich aber erleichtert fest, dass die Universität Bonn keine Täuschungsabsicht sieht und ausdrücklich Fußnotenapparat und Literaturverzeichnis als regelgerecht ansieht.“

Um es noch einmal hervorzuheben: C. interpretiert die Entscheidung des Promotionsausschusses so,

„dass die Universität Bonn keine Täuschungsabsicht sieht.“

Und was schreibt der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät in seiner Pressemitteilung vom 13.7.2011 [2]?

„Immer schon musste jeder eingereichten Dissertation eine Erklärung [3] beigefügt werden, dass die Arbeit eigenständig verfasst und alle Übernahmen gekennzeichnet worden seien.“

Und weiter

„Chatzimarkakis hatte Texte anderer Autoren in seine Doktorarbeit eingefügt, deren Anfang und Ende jedoch nicht z.B. durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Lediglich am Ende der Passagen nannte er in einer Fußnote die Belegstelle. Das reicht jedoch nicht aus und verletzt die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens. „Eine solche Praxis vermittelt den Eindruck“, so der Dekan der Philosophischen Fakultät, Professor Dr. Günther Schulz, „dass hier Herr Chatzimarkakis spricht, während in Wirklichkeit Texte anderer Autoren reproduziert werden.“

und schließlich

„Die Promotionskommission stellte in ihrer Untersuchung außerdem fest, dass mehr als die Hälfte des Textes der Chatzimarkakis-Dissertation aus fremden Federn stammt; so etwas genüge nicht den Anforderungen an eine Doktorarbeit, die ja eine selbständig erbrachte wissenschaftliche Leistung sein müsse.“

Da ist keine Rede von „Insbesondere wurden meine Verteidigungsargumente für gewichtig gehalten – eben weil ein Grenzfall vorliegt“ oder „keine Stelle ohne Quelle“, sondern schlicht und einfach nur von einem Plagiatsfall, den der Dekan bedauert. Warum also versucht der gewählte Volksvertreter Jorgo Chatzimarkakis auf seiner Homepage nach wie vor den Eindruck zu erwecken, dass er nicht getäuscht habe (mehr als die Hälfte des Textes aus fremden Federn) und nur eine falsche Zitierweise den Eindruck des Plagiats geweckt habe?

Hat es vielleicht damit zu tun, dass es aus Gründen der beruflichen Perspektive gilt, das Mandat mit allen Mitteln zu sichern? C. ist schließlich seit seinem 19. Lebensjahr entweder Student oder der politisch/universitären Arbeit verpflichtet. Die kurzen Abstecher ins Lobbyistengeschäft waren zum Teil begleitet vom Amt des Generalsekretärs der Saarland-FDP.

Zyniker könnten anmerken: Der Werdegang deutet auf die Zukunftsmöglichkeiten hin – ‚Abgeordneten Diäten sichern‘ oder ‚Lobbyistenarbeit lockt‘ – da wäre ein Doktortitel wertvoll und so erklärt sich auch die Einlassung: „Ich bin bereit, eine erneute Doktorarbeit in Angriff zu nehmen.“

Brauchen wir doch einen Ehrenkodex [4] für Politiker/Abgeordnete und Minister? Auch wenn der Bundestagspräsident [5]meint, dass nicht?

Das Buch zum Thema:

Edzard Reuter „Stunde der Heuchler“

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