0 Eine Bildungsreform statt 16 Bildungsreförmchen
Die grosse Bildungsstudie 2011 des Spiegel

Quelle: Redaktion diebuergerlobby

Quelle: Redaktion diebuergerlobby

Warum macht der „Spiegel“ nicht mehr Werbung für seine große Bildungsstudie? Da haben die Jungs wichtige 12 Fragen zusammengestellt und machen nicht mehr daraus als eine Abonnentenwerbung. Warum diese Zurückhaltung? Ist es die Scheu zuzugeben, dass man diese gute Sache zunächst nur als Gag für die Abonnentenwerbung verwendet hat? Noch nie waren die öffentlichen Bemühungen um eine „Bildungspolitik von unten“, grassroot Bildungspolitik, so stark wie in diesem Jahr. Denn nicht nur der „Spiegel“, mediale Spitze des linken Intellekts, sondern auch die „Bild“-Zeitung in einer Kooperation der Engagierten (Roland Berger, Bertelsmann Stiftung und Hürriyet) hat sich bereits des Themas angenommen.

Warum soll aus einer Medienoffensive in dieser Bandbreite nicht eine Bewegung werden, die so stark ist wie die, die wir inzwischen aus der Atomdsikussion kennen?  Wenn die Bildungsoffensiven von „Spiegel“ und „Bild“ zum Fukushima der Bildungspolitik in Deutschland würden und endlich Bewegung in die Bildungs-Kleinstaaterei bringen würden?

Wir sind dabei und unterstützen die Aktion des „Spiegel“ indem wir Ihnen heute Frage 11 der Studie vorstellen: „Glauben Sie das Studiengebühren helfen, dieQualität der universitären Lehre zu verbessern?“

Die deutschen Hochschulen befinden sich seit Jahren in einem Zustand chronischer Unterfinanzierung (CHE 2007 und 3sat nano 2010) . In einer sehr sachlichen Analyse hat der Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske bereits im Jahr 2002 das Thema der Hochschulfinanzierung dargelegt. Dabei ging es einerseits um das unterschiedliche Vorgehen der Länder in der Frage der Studiengebühren, andererseits um die Frage ob überhaupt Studiengebühren von den Studenten erhoben werden sollen.

Grüske stellt 5 wesentliche Ursachen für die Misere der staatlichen deutschen Hochschulen fest:
(Zitat Anfang)

  • Die Studierenden sind die Nutznießer von Leistungen, die sie zum größten Teil nicht finanzieren. Sie unterliegen damit der so genannten Fiskalillusion und fragen das vermeintlich kostenlose Angebot maximal nach. Überlange Studienzeiten und Fehlentscheidungen sind die Folge.
  • Die Hochschullehrer bieten eine Ausbildung an, auf die die Studierenden als Nachfrager so gut wie keinen Einfluss haben. Sie können es sich daher leisten, an den Bedürfnissen der Studierenden und den Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbei zu lehren und gleichzeitig die Lehre durch die höher renommierte Forschung zu substituieren. Unterstützt wird dies dadurch, dass eine qualitativ gute Lehre durch vermehrten Zulauf an Studierenden und die damit verbundene Mehrbelastung gleichsam „bestraft“ wird.
  • Die Hochschulen selbst können sich ihre Studierenden nicht aussuchen und sind organisiert wie jede andere öffentliche Institution     mit öffentlichem Dienstrecht, Kameralistik (Haushaltsrecht) und verkrusteten, relativ unbeweglichen Strukturen – mit allen     bekannten negativen Folgen.
  • Die Politiker entscheiden fernab von den Hochschulen unter unvollkommenen Informationen über Hochschulstrukturen und das Angebot. Unabhängig von den politisch induzierten Finanzierungsdefiziten zeigt sich ein aktuelles Beispiel in dem gerade verabschiedeten Hochschulrahmengesetz und dessen Novelle, die Studiengebühren generell verbieten will.
  • Die Steuerzahler schließlich finanzieren ein Gut, auf das sie keinen Einfluss haben und das sie größtenteils gar nicht in Anspruch nehmen.

(Zitat Ende)

Nachdem es inzwischen einige Erfahrungen mit Studiengebühren gibt und sich gezeigt hat, dass die Unterfinanzierung der Universitäten und Hochschulen damit auch nicht behoben werden kann, kann die heutige Frage „Können Studiengebühren helfen die Qualität der universitären Lehre zu verbessern?“ bis hierher nur mit JEIN beantwortet werden.

Die Charta der Grundrechte der Europäischen Union sagt in Artikel 14(1): „Jede Person hat das Recht auf Bildung sowie auf Zugang zur beruflichen Ausbildung und Weiterbildung.“ Ergänzend dazu sind weitere Rechte in anderen Artikeln genannt (Art. 21 Nichtdiskrimienierung …wegen des Vermögens..; Art. 34 Anspruch auf soziale Vergünstigungen). Diese Rechte sprechen eher dafür, dass keine Studiengebühren erhoben werden sollten um die Chance auf Bildung unabhängig von persönlichen wirtschaftlichen Verhältnissen zu ermöglichen.

Das soziale Klima einer Gesellschaft ergibt sich im Wesentlichen aus der Bereitschaft ihrer Mitglieder einen Beitrag zu Erhalt und Entwicklung dieser Gesellschaft zu leisten. Mit der Bereitstellung von Hochschulen und Universitäten eröffnet sie ihrer Jugend die Möglichkeit der kostenlosen Schulausbildung eine höhere universitäre Bildung folgen zu lassen. Von den Ergebnissen dieser Möglichkeit profitieren anschließend beide Partner. Es ist also gerecht, wenn auch beide an den Kosten für die Bereitstellung beteiligt werden. Dabei ist der wirtschaftlich schwächere Partner, der studierende Jugendliche, vom stärkeren Partner, der Gesellschaft, so zu stellen, dass er seinen Beitrag ohne in existentielle Nöte zu geraten, leisten kann.

Fazit und unsere Antwort auf die Frage von heute:

Studiengebühren sollten nicht erhoben werden um die Qualität der universitären Lehre zu verbessern. Diese Qualität muss mit Hilfe staatlicher und privatwirtschaftlicher Mittel bereits als Vorleistung erbracht sein. Die Studiengebühren sollten lediglich als eine Art Nutzungsentgelt gesehen werden, mit dem der Studierende seinen Beitrag zu Erhaltung von Studienmaterial und Räumlichkeiten leistet.

Deshalb unterstützen wir den Spiegel bei seiner Bildungsstudie 2011, Marketing hin oder her.
Die bundesdeutsche Bildungspolitik ist renovierungsbedürftig. Nicht erst seit heute.

Fordern Sie den Fragebogen zur Studie beim Spiegel-Verlag, Stichwort „BILDUNGSSTUDIE 2011“ an. Da der Spiegel auf seiner Homepage keinen Hinweis auf die Bildungsstudie gibt, schreiben Sie am Besten an einen der Chefredakteure.

Dies sind: Bei SPIEGELonline ruediger_ditz@spiegel.de, beim Magazin georg_mascolo@spiegel.de

Thema wird fortgesetzt mit Frage 12 der BILDUNGSSTUDIE 2011: „Glauben Sie, dass Deutschland beim Pisa-Test jemals zu den Spitzenländern wie Korea und Finnland aufschließen wird?“ Überlegen Sie sich schon mal eine Antwort!

Weitere Beiträge zum Thema:

So schlimm steht’s um Deutschlands Bildungspolitik -(1)Abonnentenwerbung als Bildungsstudie verkleidet

Bildungsrevolution in Deutschland -(2) Bildungsstudien als Abonnentenwerbung

Gleiche Chancen für Alle -(3) Bildungspolitik mit Abonnentenwerbung machen

Bildungspolitik gestalten -(4) Bildungsstudie 2011 unterstützen!

Für ein besseres Schulsystem -(5) Spiegel-Bildungsstudie 2011

Bildung 2011 -(6) Mit Abonnentenwerbung Bildungspolitik machen!

Bildung 2011 -(7) Wenn Abonnentenwerbung die Bildungsreform einläutet

Genial oder dreist? -(8) Abonnentenwerbung als Bildungsstudie verkaufen

DER SPIEGEL Bildungsstudie 2011 -(9) mehr als nur Abonnentenjagd?

Bildung, Bildung, Bildung -(10) Neue Wege in der Bildungsforschung

Links zum Thema:

Studiengebühren sind sozial gerecht? nachdenkseiten

Studiengebühren im Vergleich der Bundesländer wikipedia

HRK (Hochschulrektorenkonferrenz) zur Finanzierung von Forschung und Innovation in der EU

Studiengebühren im internationalen Vergleich Deutscher Akademischer Austausch Dienst

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