0 DER SPIEGEL Bildungsstudie 2011 – mehr als nur Abonnentenjagd?

Quelle: Redaktion diebuergerlobby

Quelle: Redaktion diebuergerlobby

Kann die vom „Spiegel“ mit dem Titel „Die große Bildungsstudie 2011“ verkleidete Abonnentenwerbung wirklich eine ernstgemeinte Bildungsstudie sein? Insbesondere dann, wenn ihre Verbreitung sich auf einige Beileger in Teilausgaben der „Zeit“ beschränkt und nicht einmal in den hauseigenen Medien darauf hingewiesen wird? Wir wissen es nicht, tendieren aber zu einem Nein. Ein so verstecktes Blümchen läuft Gefahr, übersehen zu werden.

Deshalb wollen wir der Bildungsstudie 2011 zu ein wenig mehr Öffentlichkeit verhelfen. Sie hat es verdient, denn sie spricht genau die Punkte an, an denen das deutsche Schulsystem und damit die Bildungspolitik krankt und ohne deren Veränderung sich an dieser Krankheit auch nichts ändern wird.

Wir stellen Ihnen heute die Frage 9 der Bildungsstudie vor: „Sollte auch die frühkindliche Förderung Bestandteil der Bildungspolitik werden?“

Viele Bemühungen der (Bildungs-)politiker zielen auf die Erreichung der sogenannten „bildungsfernen Schichten“. Was „bildungsferne“ bedeutet, darüber streiten Soziologen und andere Bildungstheoretiker zum Teil noch sehr heftig. Als Konsens für den Bereich „Schul- und Ausbildungswesen“ darf aber inzwischen wohl verstanden werden, dass mit „bildungsfern“ vor allem die Menschen beschrieben werden, die weder in der Lage sind, ihren Kindern das für das „höhere“ Bildungssystem nötige Wissen zu vermitteln, noch die dort herrschenden Möglichkeiten und Praktiken.

Welche praktischen Auswirkungen es haben kann, wenn ein Kind bildungsfern lebende Eltern hat, das belegen Studien der OECD, wonach nur 16 % der Studenten in Deutschland aus Arbeiterfamilien stammen. In anderen Ländern des PISA-Vergleichs liegt der Anteil von Arbeiterkindern bei bis zu 40 %.

Die Ursache für diese geringe Zahl von „Aufsteigern“ ist auch darin zu suchen, dass das öffentliche Angebot an frühkindlicher Bildung zu gering oder gar nicht vorhanden ist. Der Deutsche Kulturrat hat die Erkenntnisse aus Psychologie, Soziologie und  Bildungspolitik zusammengefasst und daraus Folgerungen für Kindertageseinrichtungen formuliert:

„Kindertageseinrichtungen bieten das Potential, Bildungschancen und Teilhabegerechtigkeit frühzeitig zu fördern und wichtige Kompetenzen für den weiteren Bildungsweg zu erschließen. Kindertageseinrichtungen müssen gezielte und qualifizierte Anregungen schaffen, um spezifizierte Bildungsprozesse bei Kindern zu ermöglichen. Pädagogische Konzepte sind zu entwickeln, die eine Persönlichkeit fördernde und selbst gestaltete Lebensführung unterstützen. Kinder sind dabei in ihrer Eigenschaft als selbstbestimmte und lernaktive Wesen zu begreifen. Kulturelle Bildung ermöglicht Zugang zur Sprache, zu den Künsten und zu ersten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Wichtig ist, dass die in der Kindertageseinrichtung freigelegten und eröffneten Potentiale in der Schule weiter aufgenommen werden. Der Deutsche Kulturrat fordert Länder und Kommunen auf, vielfältige und altersspezifische Angebote frühkindlicher kultureller Bildung zu unterbreiten, sodass Kinder verschiedene Erfahrungen machen können und vielfältige Anregungen erhalten.“

Die Frage, ob frühkindliche Förderung Bestandteil der Bildungspolitik werden soll, ist aus unserer Sicht mit JA zu beantworten. Dieses JA gilt allerdings nur für den Fall, dass auch die Angebote zur frühkindlichen Bildung zentral und nicht wie bisher 16-fach angeboten werden.

Deshalb unterstützen wir den Spiegel bei seiner Bildungsstudie 2011, Marketing hin oder her.
Die bundesdeutsche Bildungspolitik ist renovierungsbedürftig. Nicht erst seit heute.

Fordern Sie den Fragebogen zur Studie beim Spiegel-Verlag, Stichwort „BILDUNGSSTUDIE 2011“ an. Da der Spiegel auf seiner Homepage keinen Hinweis auf die Bildungsstudie gibt, schreiben Sie am besten an einen der Chefredakteure.

Dies sind: Bei SPIEGEL-online ruediger_ditz@spiegel.de, beim Magazin georg_mascolo@spiegel.de

Thema wird fortgesetzt mit Frage 10 der BILDUNGSSTUDIE 2011: „Werden Schüler und Studenten ausreichend auf das Berufsleben vorbereitet?“ Überlegen Sie sich schon mal eine Antwort!

Weitere Beiträge zum Thema:

So schlimm steht’s um Deutschlands Bildungspolitik -(1)Abonnentenwerbung als Bildungsstudie verkleidet

Bildungsrevolution in Deutschland -(2) Bildungsstudien als Abonnentenwerbung

Gleiche Chancen für Alle -(3) Bildungspolitik mit Abonnentenwerbung machen

Bildungspolitik gestalten -(4) Bildungsstudie 2011 unterstützen!

Für ein besseres Schulsystem -(5) Spiegel-Bildungsstudie 2011

Bildung 2011 -(6) Mit Abonnentenwerbung Bildungspolitik machen!

Bildung 2011 -(7) Wenn Abonnentenwerbung die Bildungsreform einläutet

Genial oder dreist? -(8) Abonnentenwerbung als Bildungsstudie verkaufen

Links zum Thema:

Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung Bildungsbericht, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung – DIPF

Deutschland bei frühkindlicher Bildung nur Mittelmaß ZEIT ONLINE

Frühkindliche Bildung – Der Reparaturbetrieb sueddeutsche.de

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