0 Genial oder dreist? – Abonnentenwerbung als Bildungsstudie verkaufen

Quelle: Redaktion diebuergerlobby

Quelle: Redaktion diebuergerlobby

Bildungsstudien, durchgeführt von Zeitungsverlagen, sind nichts Neues. Die Bild Zeitung widmete sich dem Thema gemeinsam mit Roland Berger, der Bertelsmann Stiftung und Hürriyet (die türkische Bild Zeitung) in diesem Jahr. Für Focus (Fakten, Fakten, Fakten) war es bereits 2007 Zeit für eine Bildungsstudie, die gemeinsam mit Microsoft durchgeführt wurde. Im Gegensatz zum Spiegel waren die beiden genannten Untersuchungen nicht als „Verkleidung“ einer Abonnentenwerbung gedacht, sondern standen für sich selbst und wurden redaktionell begleitet. Dies ist im Spiegel nach wie vor nicht der Fall. Eine entsprechende Suche auf Spiegelonline bringt kein Ergebnis.

Weil aber die deutsche Bildungspolitik eine Runderneuerung braucht und weil gute Bildungspolitik niemals entstehen wird, solange  es in Deutschland 16 regionale Bildungssysteme gibt, muss jeder Beitrag zu einer wirklichen Bildungsreform (Reform = eine Umgestaltung und Erneuerung von vorhandenen gesellschaftlichen oder politischen Verhältnissen, um sie zu verbessern. Oder auch: Verbessern durch Veränderung, Behebung von Fehlern, in eine bessere Form oder  Zustand bringen. ) aufgegriffen und unterstützt werden. Das wollen wir mit unserer Beitragsserie tun. Und deshalb stellen wir Ihnen heute Frage 8 der großen Bildungsstudie 2011 des Spiegels vor:

„Sollten Studiengebühren bundesweit wieder abgeschafft werden?

Der europäische wie auch der weltweite Vergleich zeigt, dass Studiengebühren weit verbreitet sind. Bemerkenswert erscheint uns dabei, dass die seit Jahren regelmäßig in den PISA- Listen führenden Länder (Finnland, Japan, Kanada und Neuseeland) außer Finnland allesamt Studiengebühren erheben.

Wir zitieren aus www.studserv.de:

Finnland
Auch in Finnland ist der Besuch einer staatlichen Hochschule ohne Zahlung von Studiengebühren möglich. Wer als Student bei den Eltern wohnt, bekommt rund 110 € monatlich. Wer alleine wohnt, um die 250 €; zudem werden vom finnischen Staat 80 % der Wohnkosten, aber maximal etwa 170 € übernommen. Schließlich besteht auch noch die Möglichkeit, ein Darlehen von maximal 220 € monatlich aufzunehmen; diese Option steht jedoch nur besonders Bedürftigen zur Verfügung (70 Monate Förderungshöchstdauer).

Japan
Für ein Studium an einer japanischen Hochschule können ca. 2.000 bis 50.000 € im Jahr zusammenkommen. Für die staatlichen Universitäten sind das etwa 4.000 €, für private Universitäten fällt rund das Doppelte an. Vom Staat gibt es finanzielle Unterstützung als Darlehen von rund 1.100 €; Stipendien sind von Privatunternehmen und Stiftungen beziehbar.

Kanada
Auch Kanada erhebt Studiengebühren. Pro Jahr fallen für die Studenten zwischen 850 und etwa 2.000 € an.

Australien
Die Studiengebühren in Australien liegen pro Jahr zwischen ca. 2.000 und 3.500 €. Nach dem Studium werden die Studiengebühren, dem HECS (Higher Education Contribution System) folgend, ab einem monatlichen Einkommen von ca. 2.000 Australischen Dollar in Höhe von 3 bis 6 % zurückgezahlt. Eine weitere Möglichkeit der Förderung sind Kredite für Studenten, deren Eltern weniger als rund 2.500 AUD pro Monat verdienen. Zudem gibt es staatliche Stipendien von maximal 340 AUD monatlich.

Studiengebühren scheinen also nicht per se schlecht und eine zusätzliche Sperre für sozial schwächer gestellte Schüler zu sein. Es kommt vielmehr auf das Finanzierungs- und Fördersystem an, das angehenden und aktiven Studenten angeboten wird. Dies bestätigt auch eine KfW-Studie aus dem Jahr 2005. Die bisherigen BAfög-Regeln, auch nach der Reform 2010, stehen nicht nur bei den Studenten in der Kritik, sondern auch (besonders in Härtefällen) bei Richtern.

Ein wirtschaftlich so starkes Land wie die Bundesrepublik, ein Land, in dem immerzu von „Kinderlärm als Zukunftsmusik“  und Bildung als wichtigster Garant für gesellschaftliche und persönliche Chancen und Wohlstand gesprochen wird, ein Land, das über Nacht zig Milliarden für Banken zur Verfügung stellen konnte, die aus Gier und Unfähigkeit ins Trudeln gekommen waren, solch ein Land müsste es fertigbringen, das Gut Bildung vom Kindergarten bis zur Universität kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das spricht dafür, Studiengebühren abzuschaffen.

Gegen die Abschaffung, im Gegenteil sogar für eine bundesweite Einführung von Studiengebühren, spricht, dass Studiengebühren den Anreiz schaffen, ein Studium verantwortlich zu gestalten. Der Widerstand gegen Studiengebühren wird meist damit begründet, dass diese die Chancengleichheit zusätzlich beeinträchtigen würden. Dieses Argument wird zunehmend durch entsprechende Studien widerlegt. Vielmehr stellt sich heraus, dass es nicht die fehlenden Mittel sind, die die Aufnahme eines Studiums verhindern, sondern fehlende Bildung und fehlendes Wissen aus Kindheit und früher Jugend. Es gilt also, die frühkindliche Förderung zu verbessern und so den Weg zur weiterführenden Bildung zu ebnen.

Unsere Antwort auf die Frage „Sollten Studiengebühren bundesweit wieder abgeschafft werden?“ lautet NEIN!

Deshalb unterstützen wir den Spiegel bei seiner Bildungsstudie 2011, Marketing hin oder her.
Die bundesdeutsche Bildungspolitik ist renovierungsbedürftig. Nicht erst seit heute.

Fordern Sie den Fragebogen zur Studie beim Spiegel-Verlag, Stichwort „BILDUNGSSTUDIE 2011“ an. Da der Spiegel auf seiner Homepage keinen Hinweis auf die Bildungsstudie gibt, schreiben Sie am besten an einen der Chefredakteure.

Dies sind: Bei SPIEGELonline ruediger_ditz@spiegel.de, beim Magazin georg_mascolo@spiegel.de

Thema wird fortgesetzt mit Frage 9 der BILDUNGSSTUDIE 2011: „Sollte auch die frühkindliche Förderung Bestandteil der Bildungspolitik werden?“ Überlegen Sie sich schon mal eine Antwort!

Weitere Beiträge zum Thema:

So schlimm steht’s um Deutschlands Bildungspolitik -(1)Abonnentenwerbung als Bildungsstudie verkleidet

Bildungsrevolution in Deutschland -(2) Bildungsstudien als Abonnentenwerbung

Gleiche Chancen für Alle -(3) Bildungspolitik mit Abonnentenwerbung machen

Bildungspolitik gestalten -(4) Bildungsstudie 2011 unterstützen!

Für ein besseres Schulsystem -(5) Spiegel-Bildungsstudie 2011

Bildung 2011 -(6) Mit Abonnentenwerbung Bildungspolitik machen!

Bildung 2011 -(7) Wenn Abonnentenwerbung die Bildungsreform einläutet

Links zum Thema:

Warum Studiengebühren FAZ.NET

Es gilt, einen Schatz zu heben SPIEGELONLINE

Warum wollen Sie fürs Studium löhnen? süddeutsche.de

{ 0 Kommentare... Schreibe einen Kommentar }

Sie können entweder das Formular ausfüllen oder sich mit Ihren Facebook-Konto anmelden, um Kommentare schreiben zu können.

 

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 

Zum Absenden bitte folgende Aufgabe lösen: * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.