0 Was ist ein Dilemma? Das vielleicht?
BILD-Anzeige mit Holofernes Brief

Quelle: photocase;
Foto: petrO

Quelle: photocase; Foto: petrO

Da haben wir es nun:
Was eine aufrichtige Kritik an der Bild-Zeitung war, wird von den cleveren Bild-Machern (oder ihrer cleveren Agentur) zu einer Kampagne gemacht. Auf einer ganzseitigen Anzeige in der taz veröffentlicht Bild den Brief und „bedankt sich bei Judith Holofernes für ihre ehrliche und unentgeltliche Meinung“.  Und alle, auch wir, machen daraus eine große Sache, weil wir doch möchten, dass die „üble“ Masche der Bild-Zeitung deutlich wird. Und so gleichzeitig wieder Aufmerksamkeit für Bild schaffen. Ist das ein Dilemma?

Am Weitesten in dieser Diskussion ist die taz selbst gekommen.
Sie veröffentlicht in ihrem hausblog (natürlich auch in der Print-Ausgabe) ein Interview mit Judith Holofernes und weist auf die bezahlte Anzeige der Bild hin.

Sehr spannend und aufschlussreich ist die darob im Blog geführte Diskussion um die „dos und donts“. Eine Diskussion, die das ganze Dilemma im Umgang mit einem Medium wie der Bild-Zeitung, vielleicht ja mit den Medien insgesamt, zeigt.

Zum einen „non olet“, Geld stinkt nicht. Auch die taz hat Kosten und muss Budgets planen können – also nimmt man auch Anzeigen der Bild-Zeitung an. In der Diskussion im Blog geht es viel um Moral und Ethik. Für die taz-Redaktion geht es (auch) um professionellen (sprich betriebswirtschaftlich sinnvollen) Journalismus. Wie das aussieht, zeigt das 25-jährige der taz. Feindliche Übernahme: „Bild“-Chef führt Regie bei der „taz“ (rp-online). Fritz Teufel sagte mal vor Gericht, als er aufgefordert wurde, aufzustehen: „Wenn es der Wahrheitsfindung dient.“ Eine ähnliche Metapher gibt es für Verlage: „Wenn es der Auflage dient.“  Und das ist kein Vorwurf, denn auch dabei gibt es Unterschiede und es ist am Leser, diese zu erkennen und durch sein Kaufverhalten zu dokumentieren.

Sebastian Heiser im Blog: „Wir drucken auch Anzeigen von … Vattenfall, … BP oder … BILD. ..und würden gern noch mehr drucken. Dabei muss natürlich vorausgesetzt sein, dass BILD, Vattenfall und BP mit ihren Anzeigen nicht unsere Unabhängigkeit tangieren, also dass sie daran keine Bedingungen für unsere Berichterstattung knüpfen.“ Anmerkung: Manchmal genügt es ja schon, etwas nicht zu schreiben, um freundliche Gefühle (Budgets) zu wecken. Auch das ist keine Kritik und soll keine Gerüchte auslösen – es ist eine Realität.

Wir Sind Helden und die neue BILD-Kampagne
Die Helden, die die Bild-Zeitung in den SPIEGEL bringen

Zwar weiß vermutlich fast ganz Deutschland inzwischen, dass die Band Wir Sind Helden sich in einem offenen Brief gegen die Teilnahme an der neuen Staffel  einer Prominenten(!)werbung für die Bild-Zeitung ausgesprochen hat. SPIEGEL-ONLINE berichtet, die taz, DIE ZEIT, die Süddeutsche Zeitung, und eine lange Liste weiterer Medien. Eigentlich müsste es jeder wissen. Trotzdem wollen und müssen wir unseren Beitrag zur Verbreitung des offenen Briefs der Helden leisten, haben wir uns doch schon oft gefragt, was die Motivation der bisherigen Kampagnen-Teilnehmer gewesen sein könnte.

Da es zu den Motiven nun keine weiteren Fragen mehr gibt, die Verwunderung über so manchen Promi aber bleibt, wollen wir auch keine weiteren Mutmaßungen anstellen (schließlich haben Frau Schwarzer und Herr Lafontaine sogar für Bild geschrieben!), sondern den Brief der Agentur von Matt und die Antwort der Helden kommentarlos wiedergeben:

Die Anfrage von Jung von Matt (Werbeagentur für BILD) an Wir sind Helden und die Antwort von Judith Holofernes

Judith Holofernes trifft mit ihren Argumenten mitten ins Schwarze und der Schriftwechsel passt auch genau zu den Diskussionen dieser Tage, bei denen es so viel um Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit geht. Wir Sind Helden leistet mit der veröffentlichten Haltung genau dazu einen positiven Beitrag.

Schau’n Sie mal, wer schon alles als Kampagnen-Redner für Bild gesprochen hat. Wir nennen keine Namen glauben aber, dass Sie über manchen der Teilnehmer mehr als überrascht sein werden. Die Spende für einen guten Zweck hätte mancher leicht auch selbst bezahlen können. Dann würde er heute nicht in dieser Liste stehen …

Auch wenn Sie schon alles wissen, wir mussten es tun!

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