0 Bei all den Seehofern und Sarrazins …

… mal eine ganz andere Stimme:
Heather DeLisle und Ihr „offener Brief an Deutschland

Heather DeLisle, amerikanische Deutsche (aber amerikanische Staatsbürgerin) aus Überzeugung und aufmerksame konservative Beobachterin der deutschen Befindlichkeiten wird gerne in politische Diskussionen und Talkshows eingeladen, denn sie liebt das klare Wort. Schnörkellos und ohne falsche Rücksichtnahme spricht sie aus, was ihr zu Deutschland und den Deutschen einfällt. Sie beleuchtet nicht nur das Verhältnis der Deutschen zu Amerika und den Amerikanern, sondern auch das Verhältnis der „alten“ Deutschen zu den „neuen“ Deutschen. Diese „neuen“  Deutschen gibt es, weil ihre Eltern zwar keine Deutschen sondern Einwanderer sind, sie selbst aber in Deutschland geboren sind und die deutsche Staatsangehörigkeit haben.

Am Beispiel Mesut Özil macht sie sichtbar, dass es „gewisse Verkrampfungen“ im Umgang mit diesen Deutschen gibt. Und deshalb stimmt es,  wenn sie sagt: „Er ist aber verdammt noch mal kein Einwanderer.“

Hat sie Recht, wenn sie in diesem Zusammenhang sagt: „Deutschland, Du hast kein Immigrationsproblem sondern ein Integrationsproblem“? Trifft sie genau den Punkt, wenn sie uns ihre Wahrnehmung schildert, wonach es uns schwerfällt, stolz auf unser Land zu sein?

Da hatten wir das vielgerühmte Sommermärchen der Fußball-WM und haben der Welt ein fröhliches, entspanntes und offenes Deutschland gezeigt. Ein Deutschland, das die Welt überrascht hat und mit dessen Patriotismus selbst die Schweizer zurechtkommen konnten. Wir haben ein demokratisches System, dass es uns erlaubt Kritik, zu üben, ohne dass wir Angst haben müssen, morgen spurlos verschwunden zu sein. Wir haben (wieder) eine prosperierende Wirtschaft und ein Sozialsystem, das sich, bei allen Schwächen, so  mancher Mensch in einem anderen Land der Welt wünschen würde. Wir haben mit der Hilfe von Ländern, die einmal unsere Feinde waren, eine politische Teilung überwinden dürfen. Jeder von uns hat ungehinderten Zugang zu frischem, sauberem Wasser und verhungern muss auch niemand mehr. Könnten wir nicht mindestens froh sein, Deutsche zu sein? Und, warum nicht, einfach auch stolz?

So einfach ist’s aber nicht – oder?

Während für den einen Teil der Deutschen das Wort national mit der Angst vor Neofaschismus und Neonazitum belegt ist, ist es für die anderen, die tatsächlichen Neonazis, gleichbedeutend mit dem Marsch nach rückwärts. Dieses Schwanken zwischen den Extremen, das ist es wohl, was Heather DeLisle mit dem „Identitätsproblem“ der Deutschen meint. Schließlich haben wir da noch die Sarrazins und Seehofers, die Menschen nach Funktions- und Gebrauchsfähigkeit „für uns“ bewerten und in deren Gedankensog dann Forderungen wie „Deutschpflicht auf Schulhöfen“ entstehen.

Und schon ist die Misere wieder da!

Die Schweiz, Kanada, die USA, alle haben sie Mindestforderungen an ihre Einwanderer und jeder akzeptiert das und unterwirft sich dem. Wird aber dann auch Schweizer oder Amerikaner oder Kanadier. Und bei uns? Auch bei uns gibt es Bestimmungen auf dem Weg zur Staatsbürgerschaft. Wer die erfüllt, kann Deutscher werden – und wenn er es dann ist, fragt die Bundeskanzlerin: „Das war gefühlsmäßig sicher nicht einfach …“. Ob sie das auch Franz Beckenbauer gefragt hätte, wenn der mit einer brasilianischen Frau verheiratet wäre?

Heather DeLisle hat ein (für viele Deutsche) schwieriges Thema in einer Art angesprochen, wie dies nicht jeden Tag passiert.

Diskussionen um Migration, Integration, Zu- und Einwanderung sind häufig Diskussionen, die geprägt sind von der stetigen Wiederholung bekannter Argumente. Eine (fast) typische Diskussion aus dieser Kategorie war vor wenigen Tagen im Deutschen Fernsehen zu verfolgen.

In Frank Plasbergs  Hart aber Fair vom 13.10.2010 diskutierten Klaus Wowereit, Alexander Dobrindt, Kenan Kolat, Nathanael Liminski und Heather DeLisle unter der Überschrift „Özil hui – Ali pfui“ das Thema Zuwanderer.

Die FAZ fasst die Diskussionsbeiträge einiger Diskutanten mit dem Satz: „Es gibt Probleme, wir haben sie erkannt, noch nicht alles im Griff, aber wir tun unser Bestes, und ich komme übrigens gerade von einer Veranstaltung zum Thema: Die rhetorische Mauer der Normalitätsbehauptung stand, an ihr prallte alles ab.“, zusammen und bestätigt damit die Misere.

Auffällig am Beitrag der FAZ ist jedoch, dass auch an Patrick Bahners, dem Verfasser des Artikels, einiges abgeprallt sein muss. So z.B. die Tatsache, dass die Diskussion nicht nur von den von ihm erwähnten Personen bestritten wurde, sondern auch von Frau DeLisle. Welche Motive ihn dazu bewogen haben, so ausdrücklich „um Frau DeLisle herum zu schreiben“, interessiert uns und werden wir hinterfragen, weil uns Hart aber Fair trotzdem gefallen hat. Wegen der ungewohnten Sichtweisen, die von Frau DeLisle in eine ansonsten (Ausnahme: der Beitrag von Nicola Graef) wie gewohnt öde Diskussion nach dem Motto „mehr vom Gleichen“,  eingebracht wurden.

Um diesen Gedanken eine größere Bühne zu verschaffen hier der Hinweis auf den Blog Meinungsfreiheit von Heather DeLisle.

Unsere Anfrage an Patrick Bahners über die Kontaktmaske der FAZ:

Sehr geehrter Herr Bahners,
Ihr Kommentar zur Sendung „hart aber fair“ beschreibt recht zutreffend das Problem vieler Diskussionen zu Themen wie Migration und Integration. Den Versuch nämlich, unangenehme Wahrheiten möglichst andere sagen zu lassen, um nicht selbst Gefahr zu laufen, in die rechte Ecke gedrückt zu werden. Umso erstaunlicher registrierte ich allerdings, dass Sie in Ihrem gesamten Bericht nicht eine Aussage der fünften Diskutantin, Heather DeLisle, anführen, z.B. die Aussage zu den Schwierigkeiten in Deutschland, konservative Sichtweisen zur Zuwanderung zu äußern, ohne den Neofaschisten zugerechnet zu werden. Was war der Grund dafür, so gänzlich „um Frau DeLisle“ herum zu schreiben?
Mit neugierigen Grüßen
Dieter Klemke
diebuergerlobby

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