0 Zivilcourage zeigen – aber wie?

Was passieren kann, wenn man sich informieren will!

In einem kurzen Beitrag in der Frankfurter Rundschau vom 26. Oktober 2009 schildert eine  21 Jahre alte, junge Frau welche Gedanken sie bewegen, wenn sie von Vorfällen wie in München-Solln oder in Frankfurt am Main erfährt. Sie fragt sich, ob sie als, wie sie selbst schreibt, „zierliche Frau“ im Fall der Fälle überhaupt eine Chance hätte etwas zu tun, ohne selbst in Lebensgefahr zu kommen. Und sie erwähnt, neben einem Hinweis auf die vielen Experten, die nach solchen Ereignissen mit Ratschlägen und Erwartungen an die Bürger herantreten, einen Flyer der Stadt Frankfurt, der für mehr Zivilcourage wirbt und Handlungsempfehlungen für den Ernstfall gibt.

Die Redaktion der Buergerlobby hat versucht, dieses Informationsblatt zu bekommen und dabei erstaunliches erlebt:

Ein erster Anruf bei der Stadtpolizei ergab, dass der Flyer dort nicht bekannt war. Eine Nachfrage bei vier Polizeirevieren brachte ebenfalls keinen Erfolg. In drei Fällen war der Flyer nicht wirklich bekannt, im vierten Fall war er spontan bekannt aber nicht vorrätig.

Das Internet brachte schließlich Erfolg und eine Kopie des Flyers mit verschiedenen Telefonnummern, Motto „Hilfe…erhalten Sie unter…“

Leider ergab ein Test der genannten Nummern in einem Fall den Hinweis „kein Anschluss unter dieser Nummer“, ein weiterer Anschluss ist nur Mo., Mi., Fr. von 8 – 12 Uhr und Do. von 16 – 19 Uhr erreichbar – im Notfall eine unbefriedigende Situation. Unter der ebenfalls im Flyer genannten Nummer „Polizeipräsidium Frankfurt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ verbarg sich schließlich die Hotline des Präventionsrates der Stadt Frankfurt.

Mit diesen Erfahrungen im Kopf vereinbarten wir dann einen Termin mit einem Mitarbeiter des Präventionsrates, Herrn Jürgen Krusch, und lernten eine tatkräftige, bereits seit 1996 tätige Organisation kennen, mit der die Stadt Frankfurt sich bemüht, ihren Bürgern die Angst vor Kriminalität  und Gewalt im öffentlichen Raum zu nehmen. Der Präventionsrat ist eine behördenübergreifende Arbeitsgemeinschaft von Stadtverwaltung, Polizei und Justiz.

Vier Mitarbeiter einer zentralen Geschäftsstelle koordinieren und betreuen die Aktivitäten von 15 Regionalräten, in denen Vertreter der Kindergärten, Schulen, Sozialrathäuser, Sportamt, Polizei, Vereine u.a. vertreten sind und die jeweils einen Stadtteil repräsentieren. Die Arbeit aller Beteiligten funktioniert nach dem Motto: „Wir legen nicht von oben vor, sondern reagieren auf die Anforderungen von unten“ (oben und unten ist hier ausdrücklich bildhaft zu verstehen und nicht disziplinarisch oder organisatorisch).

Die Geschäftsstelle koordiniert Präventionsaufgaben, konzipiert und managt Projekte, Kampagnen und diverse Veranstaltungen im Rahmen der vorhandenen Ressourcen. Für interessierte Bürger werden Seminare zum Thema „Wie verhalte ich mich, wenn ich Zeuge einer Gewalttat werde“ angeboten.  Diese Seminare veranstaltet der Präventionsrat gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern Jugendbegegnungsstätte Anne Frank, Volkshochschule, Bürgerinstitut und Zentrum Familie.

Abschließend haben wir gefragt: „Was wünscht sich eine Organisation wie der Präventionsrat für seine Arbeit? Von den Bürgern, von den Unternehmen und von den Medien?“

Hier die Antworten:

  1. Wir wünschen uns von den Bürgern mehr Schutz und Hilfe für Kinder und mehr Respekt vor älteren Menschen.“
  2. Wir wünschen uns von den Unternehmen mehr Mitverantwortung für die soziale und gesellschaftliche Entwicklung dieser Stadt.
  1. Wir wünschen uns von den Medien mehr Berichterstattung über positive Fälle von mitmenschlicher Hilfe und Zivilcourage.

GEWALT – SEHEN – HELFEN

Diese Kampagne des Präventionsrates Frankfurt hat inzwischen über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung gefunden und Städte wie Wiesbaden, Kassel, Offenbach, Gießen und Hanau u.a. setzen ebenfalls auf deren Wirkung.

Helfen Sie mit, das Wissen um solche Angebote noch bekannter zu machen. Helfen Sie mit, die Aufmerksamkeit und die Bereitschaft zu helfen bei immer mehr Menschen wachsen zu lassen. Lernen Sie für sich selbst, was Sie im kritischen Fall tun können. Der öffentliche Raum gehört uns allen und wir alle können an seinem Zustand mitwirken.

Gewalt sehen – helfen ist ein Auftrag, der uns alle angeht!

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