0 Nennt sie endlich DAESH – Antwort der Intendanten

In einem Beitrag vom 21.12.2016 haben wir in einem offenen Brief die Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten aufgefordert die Mörderbande des DAESH zukünftig nicht mehr als „Islamischen Staat“, „sogenannten Islamischen Staat“ oder „IS“ zu bezeichnen, weil mit jeder Nennung eines der vorgenannten Begriffe dieser Mörder- und Terrorbande (ungewollt) die Funktion „Staat“ zugesprochen wird.

Besonders mit Blick auf junge Menschen, die den Indoktrinationsversuchen von Salafisten und anderen Unterstützern ausgesetzt sind, meinen wir, dass mit der Nennung des Begriffs da’esch auch die allgemeine Bekanntheit der, besonders im arabischen Sprachraum (inzwischen aber auch bei uns), negativen Konnotation „Anhänger des da’esch unterdrücken Menschen und stiften Unfrieden“ verstärkt wird und so dazu beitragen kann, dass sich junge Menschen dieser Bande anschließen.

Jetzt hat der Chefredakteur der ARD, Rainald Becker im Namen der Intendanten geantwortet (e-mail vom 16.1.2017):

Sehr geehrter Herr Klemke,

vielen Dank für Ihren offenen Brief an die Intendanten der öffentlich-rechtlichen ARD-Sendeanstalten, den ich im Auftrag beantworte.  Für die zeitliche Verzögerung bitte ich um Entschuldigung.

Sie fragen, warum in unseren Berichten immer wieder vom „sogenannten IS“ oder von der „Terrormiliz Islamischer Staat“ gesprochen wird. Sie behaupten dabei, dass diese Terrorgruppe jedes Mal , wenn sie mit dem Attribut „Staat“ versehen wird, ungewollt eine unberechtigte Aufwertung erfährt. Sie mahnen an, in unseren Berichten und Meldungen sollten wir besser den Begriff „DAESH“ verwenden. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihrer Anregung nicht folgen wollen.

Seien Sie versichert, dass wir sehr viel Wert auf den korrekten und angemessenen Gebrauch der deutschen Sprache legen. Wir haben hierzu eigens eine interne Arbeitsgruppe gebildet, die die Sprache in unseren Sendungen untersucht und korrigiert. Wir haben intern diesen Aspekt diskutiert und gemeinsam mit den Chefredakteuren der ARD entschieden, im Rahmen unserer Berichterstattung vom „sogenannten Islamischen Staat“ zu sprechen. Deshalb lassen wir den Namen „sogenannter Islamischer Staat“ auch nicht für sich alleine stehen, sondern nur in Verbindung mit dem Wort „Terrormiliz“. Wenn der Begriff im Text ein zweites Mal auftauchen, verwenden wir möglichst nur die Abkürzung „IS“. Und in den Schlagzeilen auf unseren Hintergrundbildern erscheint der Name nur in Anführungszeichen. Wir denken, dass durch diese Distanzierung deutlich wird, dass die Terrormiliz eben kein anerkannter Staat ist. Andererseits hielten wir es für problematisch, den Namen zu verändern. Denn gerade die Namensgebung sagt ja auch etwas darüber aus, was diese Gruppe anstrebt. Außerdem müssen wir auch berücksichtigen, dass der Name in anderen Medien verwendet und dadurch gebräuchlich wird, auch wenn uns das nicht gefällt. Seit 2014 verwendet Frankreichs Präsident François Hollande eine französische Form von Da’ish, Daech, um den Anspruch des IS, ein Staat und Kalifat zu sein, zurückzuweisen und die Terrororganisation herabzusetzen. Andere westliche Politiker sind ihm gefolgt, wobei das Wort im Englischen zu Daesh wurde.

Die Formulierung „DAESH“ ist dem deutschen Zuschauer aber nicht geläufig und müsste immer wieder ausführlich erklärt werden. Im Übrigen enthält die Abkürzung „DAESH“, wie Sie in Ihrem Schreiben richtig ausführen, übersetzt auch den Begriff „Islamischer Staat“, der im Deutschen durch das vorgeschaltete Wort „sogenannt“ allerdings deutlich relativiert wird. Vergleichen Sie hierzu bspw. den  Duden zum Wort „sogenannt“: Ausdruck des Sichdistanzierens von einem Sprachgebrauch (z. B. die sogenannten Freunde; die sogenannte Demokratie etc.).

Ich hoffe auf Ihr Verständnis für diese Antwort und verbleibe mit den besten Wünschen für 2017

Rainald Becker
ARD Chefredakteur

Erstes Deutsches Fernsehen
Programmdirektion
Koordination Politik und Kultur
Arnulfstraße 42
80335 München
Tel +49 89 5900 42845
Fax +49 89 5504423
www.DasErste.de

Wir danken für die ausführliche Begründung der ARD-Handlungsweise, möchten aber zwei Anmerkungen nicht versäumen:

Auch wenn es eine rein semantische Diskussion ist: Der Begriff „Staat“ impliziert immer auch „Weltgeltung“ und „weltweite Bedeutung“, dieser Inhalt wird zwar abgeschwächt durch das Vorsetzen des Wortes „sogenannt“ bleibt insgesamt aber erhalten. Mit dem Begriff DAESH (oder daesch, da’esch..) wird jedoch die nur regionale Bedeutung hervorgehoben, „Islamischer Staat im Irak und der Levante“, also weit weg von weltweiter Bedeutung.

Rainald Becker schreibt „Die Formulierung „DAESH“ ist dem deutschen Zuschauer aber nicht geläufig und müsste immer wieder ausführlich erklärt werden.“ – ist es nicht auch Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen komplexe Themen und Zusammenhänge verständlich zu machen? Oder gilt das nur für Kochsendungen?

 

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