0 Rio 2016
Gedanken zu den olympischen Spielen

Seit dem 5. August bestimmen die olympischen Spiele in Rio die Schlagzeilen in allen Medien. Und während die Funktionäre des IOC, allen voran dessen deutscher Präsident Dr. Thomas Bach, der Welt die „olympischen Idee“ mit Worten wie diesen erklären wollen,

„In dieser olympischen Welt gibt es nur ein weltumspannendes Recht für jedermann, in dieser olympischen Welt sind wir alle gleich. In dieser olympischen Welt können wir erkennen, dass die Werte für alle Menschen stärker sind als die Kräfte, die uns zu spalten trachten.“

wird Julia Stepanowa, die Kronzeugin für die Aufklärung des größten Dopingskandals in der Geschichte des Sports, für die Spiele gesperrt, weil sie, so die Saubermänner des IOC nicht die „ethischen Anforderungen“ für einen Rio-Start erfüllt.

Wie es um die „olympische Idee“ und die „olympischen Werte“ tatsächlich bestellt ist, das hat der evangelische Pastor Alfred Buß in seinem von der ARD ausgestrahlten „Wort zum Sonntag“ treffend zusammengefasst.

Ob diese Worte Männer wie den Präsidenten des IOC je erreichen? Und wenn, ob sie sie verstehen werden?

Das Wort zum Sonntag vom 20. August 2016 im Wortlaut:

„Seit Melbourne 1956 bin ich dabei, erst am Radio, bald am Fernseher, nicht selten ging’s bis in die Nacht. Nun geht Olympia 2016 in die Schlusskurve. Mit spannenden Entscheidungen in Staffelläufen, Endspielen und vielem mehr. Gleich Fußball Brasilien – Deutschland.

Großartig ist die olympische Idee: Rivalitäten austragen in sportlich-fairem Wettstreit, im Geiste von Völkerverständigung und Toleranz. Doch spätestens mit Rio wurde mir klar: Wer das noch so glaubt, der muss selber gedopt sein. Meine Begeisterung bekam einen deutlichen Knacks. Die olympischen Idee hat ihre Seele verloren.

Viele Illusionen sind ja schon lange geplatzt. Dabeisein ist längst nicht mehr alles. Die olympischen Sportler stehen unter erheblichem Druck. Nur wer erfolgreich ist, wird oben bleiben und großes Geld verdienen. Schon wer Vierter wird, erringt nur die „Holzmedaille“.

Schon immer wird Olympia von der Politik vereinnahmt. Und auch Doping verzerrt die sportliche Fairness schon lange. Doch schienen das alles hereingetragene Probleme zu sein, die in Gegensatz standen zur olympischen Idee und ihrem Regelwerk.

Aber jetzt stinkt der Fisch vom Kopf her: Doping ist für das IOC – und seinen Präsidenten Bach – offenbar zur lässlichen Sünde geworden. Ausgeschlossen von Olympia aber wurde Julia Stepanowa, die offenlegte, wie Staatsdoping geht. Ausgeschlossen wegen angeblicher ethischer Defizite.

Der größte Verstoß gegen die olympische Idee ist jetzt wohl Zivilcourage. Die Botschaft an die Olympioniken ist klar: Klappe halten – oder ihr fliegt raus. Was hülfe es dem Menschen – so fragte Jesus, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? The show must go on.

Für Rio 2016 wurden Zig-Tausende aus ihren Hütten vertrieben. Favelas mussten weichen. Brasilien bezahlt die Party aus Steuergeldern, den Gewinn aber streicht nicht das brasilianische Volk – den streichen andere ein. Die olympische Idee hat ihre Seele preisgegeben. Sie wurde verkauft. Die Welt gewinnen – aber die Seele verlieren. Das ist der Knackpunkt.

1960 in Rom gewann ein 18-jähriger die Goldmedaille – als Boxer im Halbschwergewicht. An ihn will ich erinnern. Der weigerte sich, seine Seele preiszugeben. Wurde Boxweltmeister. Legte seinen Namen ab, der aus der Sklavenzeit kam. Wurde Muslim. Nannte sich Muhammad Ali. Verweigerte den Kriegsdienst in Vietnam. Verlor daraufhin die Box-Lizenz und alle Titel. Sollte gar ins Gefängnis. Und blieb doch unbeirrbar im Einsatz für Menschen- und Bürgerrechte.

Als er jetzt im Juni starb, verneigte sich die Welt vor ihm. Zehntausende säumten die Straßen von Louisville, als sein Leichnam durch seine Heimatstadt gefahren wurde. Die Menschen spürten: Hier hatte sich einer geweigert, seine Seele preiszugeben, zeitlebens. Auch Jesus hatte wohl seine Freude an ihm.

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Vergessen wir diese Frage Jesu nicht. Erst recht nicht, wenn es heute und morgen noch die letzten Medaillen regnet.“

Besonders der letzte Satz erinnert mich an eine Meldung der letzten Tage „IOC Mitglied Hickey verhaftet“ und dazu, als Ergänzung, „Ein Vertrauter von Boss Thomas Bach muss sich wegen Ticket-Schwarzhandels verantworten.“

Besonders hervorzuheben auch der folgende Satz aus dem Beitrag der Süddeutschen Zeitung:

„Er war der kernigste Unterstützer von Thomas Bach, als der IOC-Präsident seine Offensive gegen eine Komplett-Aussperrung der Russen von den Rio-Spielen startete.“

Passt doch, oder?

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