0 Macht der ZDF-Länderspiegel unfreiwillig AfD-Wahlwerbung?

ZDF, 30.Januar 2016, 17:05 Uhr Länderspiegel, Moderatorin Yve Fehring:

„Herzlich willkommen beim Länderspiegel. Trauen Sie sich im Dunkeln noch auf die Straße? Vor ein paar Monaten hätten Sie über die Frage vermutlich noch gelacht. Doch heute ist das Grundgefühl der Deutschen ein  anderes. Eine diffuse Angst hat sich eingeschlichen. Seit den Vorfällen in Köln ist die Stimmung, vor allem in vielen Ausgehvierteln, eine andere. Unsicherheit, gar Argwohn gegenüber Fremden machen sich breit. In immer mehr Städten bilden sich sogenannte Bürgerwehren, oftmals mit fraglichen Motiven. Eine bedenkliche Entwicklung, so die Polizei. Unsere Länderspiegel-Reporter berichten….“

Was ist das für eine einleitende Moderation? Um unsere Überschrift zu erklären, teilen wir die Anmoderation in zwei Blöcke:

„Herzlich willkommen beim Länderspiegel. Trauen Sie sich im Dunkeln noch auf die Straße? Vor ein paar Monaten hätten Sie über die Frage vermutlich noch gelacht. Doch heute ist das Grundgefühl der Deutschen ein  anderes. Eine diffuse Angst hat sich eingeschlichen.“…

Wenn wir von unfreiwilliger AfD-Wahlwerbung sprechen, dann beziehen wir das auf diesen ersten Teil der Anmoderation.

Auch wenn der nun folgende zweite Teil der Anmoderation ebenfalls zu einer AfD-Rede passen würde, ist er doch Beschreibung einer gesellschaftlichen Situation, die sich als Folge der Kölner Sylvester Ereigenisse verstehen läßt.

„Seit den Vorfällen in Köln ist die Stimmung, vor allem in vielen Ausgehvierteln, eine andere. Unsicherheit, gar Argwohn gegenüber Fremden machen sich breit. In immer mehr Städten bilden sich sogenannte Bürgerwehren, oftmals mit fraglichen Motiven. Eine bedenkliche Entwicklung, so die Polizei. Unsere Länderspiegel-Reporter berichten….“

Was macht den Unterschied der beiden Teile aus? Warum ist der Teil eins so wesentlich anders zu bewerten?

Am besten lässt sich das – wenn im Bezug auf die zitierte Moderation auch ein wenig überzeichnet – mit einem Beitrag auf der Internetseite MEEDIA erklären. Es geht um die Verantwortung der Medien im Zusammenhang mit dem Erhalt des allgemeinen Sicherheitsgefühls der Bevölkerung.

Und auch ein Aufsatz von Ursula Baatz im netzwerk ethikheute ist lesenswert um zu verdeutlichen um was es geht und warum gerade die Fernsehanstalten mit ihrer Kombination von Wort und Bild in einer ganz besonderen Verantwortung stehen.

Die besondere Verantwortung der Medien ergibt sich auch aus den Erkenntnissen der Psychologie zum Thema „Manipulation“ – in diesem Fall nicht um die aktiv betriebene, sondern um die, die sich als Ergebnis von vermittelten Gefühlen und Erwartungen ergibt. Im aktuellen Fall Unsicherheit als Ergebnis der Frage:

„Trauen Sie sich im Dunkeln noch auf die Straße?“

„Sich trauen“ – dafür steht im Synonym-Wörterbuch auch „riskieren“, „sich wagen“, „alles auf eine Karte setzen“, „sich unterstehen“ lauter Begriffe, die das „auf die Straße gehen“ zu einem unabwägbaren, kaum zu beherrschenden Risiko machen.

Und genau dieses Gefühl versuchen auch die Rechtspopulisten bei den Bürgern zu erzeugen.

So schreibt die AfD auf ihrer Homepage

„…die schwindende Sicherheit auf unseren Straßen und Plätzen und die eigene Konzeptlosigkeit angesichts der dramatischen Folgen der illegalen, zumeist muslimischen Einwanderung…“

Möchte das ZDF mit Moderationen wir der von uns kritisierten wirklich dazu beitragen die Stimmungsmache der AfD zu beflügeln?

 

 

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