0 Wo fast jede Geschichte eine Lüge ist:
„Journalismus“ in der Yellow Press

Sie heißen „Neue Post“, „Bunte“ oder „Intouch“; im Titel gern genommen wird auch „Frau“ wie bei „Bild der Frau“ oder „Frau mit Herz“ und auch das Wort „Freizeit“ bringen die Herausgeber dieser Blätter gern mit den erfundenen oder hahnebüchen konstruierten Beiträgen ihrer Qualitätsjournalisten in Verbindung. Da heißts dann „Freizeit heute“ oder „Freizeit Illu“.

Allen gemein sind  Berichte über Skandale (auch mal solche, die es gar nicht gibt) , Affären „bei Königs“ und „Promis“, sogenannten und auch echten (Info für unerfahrene Skandalsurfer: Es gibt inzwischen A-, B- und C-Promis. Die Zuordnung erfolgt im allgemeinen durch die sogenannten Promi-Experten, die sich ihrerseits wieder einen eigenen Promistatus erarbeiten können, meist Klasse C. Ausnahmen wie Rolf Seelmann-Eggebert – er steht auf Position eins wenn man das Wort „Adelsexperte“ googelt – bestätigen die Regel). Vielleicht fragen Sie sich „Wer liest denn sowas?“ – Die Antwort: Millionen und Abermillionen! Mit Auflagen von bis zu 1,1 Millionen dürften alle Zweifel an der Marktgängigkeit beseitigt sein.  Ob die Geschichten wahr oder erfunden sind, das scheint angesichts dieser großen Leserschar unwichtig zu sein.
Einen Überblick über die Vielfalt der deutschen Zeitungslandschaft liefert die Zusammenstellung „Heftauflagen“ der Informationsgemeinschaft zur Festlegung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IWV).

Aber der Regenbogenpresse weht dank des Internet in jüngster Zeit der Wind wesentlich heftiger um die Nase. Es ist nicht mehr nur der Hamburger Rechtsanwalt Matthias Prinz, der mit saftigen Schadenersatzklagen gegen erfundene und verlogene Geschichten vorgeht, nein, auch unter den Bloggern gibt es aufmerksame und vor allem bissige Journalisten, die dafür sorgen wollen, dass der Ruf ihres Berufsstandes nicht länger ungestraft durch Leute beschädigt wird, die von üblen Behauptungen und verdrehten Tatsachen leben.

So hat es der Blog eintopfvollgold von Mats Schönauer und Moritz Tschermak, der regelmäßig  Analysen und Aufklärung in Sachen „Lüge und Verarsche“ liefert, geschafft, dass die Regenbogenpresse häufiger als je zuvor Rügen und öffentliche Missbilligungen und Hinweise durch den Presserat erhält.Wie wir dort auf Nachfrage erfahren haben, haben

„…die Betreiber von www.topfvollgold.de (hatten) sich mit insgesamt 21 Beschwerden über Veröffentlichungen in der Yellow Press an den Presserat gewandt. Daraus resultierten in der Tat fünf Rügen sowie auch noch weitere Missbilligungen und Hinweise.“

Darüberhinaus tritt auch der bereits seit Jahren bekannte Bildblog gegenüber dem Presserat „immer wieder mal“ als Beschwerdeführer auf. Siehe auch Pressemitteilungen „Fünf Rügen für Regenbogenpresse“.

Eines allerdings ist an dieser Stelle zu konstatieren: Das Kampf gegen „Schmieren-Journalismus“ ist verleichbar dem Kampf gegen multiresistente Unkräuter. Beides kommt immer wieder.

Und genau deshalb hoffen wir, dass bei allem Bemühen im Kampf gegen üblen Schmierenjournalimus niemand auf die Idee kommt eine Art „Monsanto zum Schutz des guten Journalismus“ zu erfinden, denn dann besteht die Gefahr, dass die Freiheit an ihrem Schutz stirbt.

{ 0 Kommentare... Schreibe einen Kommentar }

Sie können entweder das Formular ausfüllen oder sich mit Ihren Facebook-Konto anmelden, um Kommentare schreiben zu können.

 

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 

Zum Absenden bitte folgende Aufgabe lösen: * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.